Hemd-Taschen und Tee-LichterEine Ausstellung zeigt, wie aus alten Produkten neue und teilweise völlig andere werden

Bank in einer Bank: Ein zum Model upgecyclelter Teddy auf einem aus alten Gotteslob-Büchern upgecyclelten Sitzmöbel. Foto: Alexandra Wolff

Warum alte Hemden, beziehungsweise T-Shirts wegschmeißen, wenn man aus ihnen Einkaufstaschen nähen kann? So gründete die Caritas die Upcycling-Marke „Einzigware“. Die Ergebnisse, aufgewertete Gebrauchsgegenstände, sind zur Zeit in der Pax-Bank in Berlin zu sehen. Neben den Hemd-Taschen sind in der Ausstellung „Massenware Mangelware“ auch Umschlags- Mappen zu sehen: Kleine Mappen aus Briefumschlägen, in denen man Visiten- oder Check-Karten verstauen kann. Auch ein Tee- Licht, also eine alte Tee-Kanne mit Lampenschirm, ist dort zu bewundern.

Einige dieser Unikate stehen in natura dort, andere sind auf Fotos zu sehen. Einige sind zu kaufen, andere hingegen sind schon vergeben und wieder andere sind dem „Warenmeister“ derart ans Herz gewachsen, dass er sein Werkstück gerne behalten möchte.

Upgrade + Recycling = Upcycling

Die Marke für Upcycling (ein Mischwort aus „upgrade“ und „recycling“, also „verbessern“ und „Abfallverwertung“) schont somit zum einen die Ressourcen: Denn wenn beispielsweise aus alten Tonträgern Bonbon-Schalen, quasi aus Schall-Platten Platten- Schalen werden, muss nicht irgendwo ein Rohstoff (Erdöl für Kunststoff, Bäume für Holz oder Sand für Glas) abgebaut werden. „Die Schallplatte hingegen vergrößert nicht die Müllberge und ihr wertvoller Rohstoff wird auch nicht in Berlins Müllverbrennungsanlagen zerstört und Abgase hinterlässt sie so auch nicht“, so Reinhard Kaiser. Der Leiter der Unterabteilung WR (Wasserwirtschaft, Ressourcenschutz) III „Ressourceneffizienz, Bodenschutz“ vom Bundesumwelt- und -bauministerium betonte in seinem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung: „Das Engagement der Beschäftigungsunternehmen der Caritas auf dem Gebiet des Upcyclings ist nicht nur als Bereicherung des Markts durch Unikate und unter ökologischen Aspekten der Ressourcenschonung zu begrüßen, sondern auch im Hinblick auf seine soziale Komponente, indem Langzeitarbeitslosen eine spannende, kreative und sinnstiftende Beschäftigungsmöglichkeit geboten wird.“

Aus einem Schlitten ein Regal bauen... auf die Idee muss man erst einmal kommen! Angeley Eckardt von der Agentur qu-int aus Freiburg im Breisgau sagte, die Werbung für die von ihr entwickelte Marke Einzigware ziele auf eben diese Einmaligkeit jedes Angebots ab. Dies sei ein wichtiger Mehrwert gegenüber anderen Konsumprodukten.

Auch für wenig Betuchte ist etwas dabei

„Wir wollen einerseits kaufstarke Kunden gewinnen, aber auch wenig betuchten, vor allem jungen Menschen, die Möglichkeit geben, attraktive Upcycling- Produkte zu erwerben“, betonte Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, in seiner Einführung und verwies damit auf die Preisspanne von drei Euro für einen T-Shirt-Beutel und 850 Euro für eine Zweier-Sitzbank. „In einigen Einrichtungen der Jugendberufshilfe werden junge Menschen dazu befähigt, für sich selbst attraktive Kleidungsstücke aus Altmaterialien herzustellen.“ Ein Beispiel dafür sei die youngcaritas-Ladenwerkstatt, die in den nächsten Monaten in Berlin- Prenzlauer Berg eröffnen soll. Einzelne Unikate von Einzigware können dann in der Pappelallee 62 besichtigt werden und die Unikate des Upcycling-Labels vergissmeinnicht von youngcaritas stehen dort zum Kauf bereit.

Das Sortiment kann im Internet auf www.einzigware.de bestellt werden. Auf der Seite befindet sich auch eine Deutschlandkarte, die die 20 Einrichtungen zeigt, die die Einzelstücke für das neue Label herstellen. Auf der Online-Plattform erfahren die Käufer teilweise auch, von wem das Produkt hergestellt wurde und welche Geschichte dahinter steht.

Die Ausstellung „Massenware Mangelware“ ist noch bis zum 15. April in der Pax-Bank zu sehen. Die katholische Universalbank befindet sich in der Chausseestraße 128a, also in den Katholischen Höfen in Berlin-Mitte. Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch 9 bis 16 Uhr, Donnerstag von 9 bis 18 Uhr und am Freitag von 9 bis 13 Uhr.