„Hier werden Werte vermittelt“

Foto: Dagmar Dörrbecker

Vor 75 Jahren wurde die katholische Kindertagesstätte St. Martin in Berlin-Kaulsdorf gegründet. Für Kinder, Eltern und Erzieher Anlass, Gott zu danken, miteinander zu feiern und in Erinnerungen zu schwelgen.

Es waren Görlitzer Borromäerinnen, die 1947 den Kindergarten im Stadtteil Kaulsdorf, tief im Osten Berlins, gründeten. Sie unterhielten auch ein Altenheim und eine ambulante Pflegestation. 1965 übernahmen die Missionsschwestern Mariens alle drei Einrichtungen. Seit 1983 ist die Gemeinde St. Martin Trägerin der Kita auf dem Pfarrgrundstück. Nach der Wiedervereinigung wurde kräftig in Erhalt und Modernisierung der Bausubstanz investiert. Die Anzahl der betreuten Kinder reduzierte sich von 43 auf maximal 33. Auch die Außenanlagen veränderten sich, ein neuer Spielplatz wurde errichtet. Aktuell ist eine Erweiterung der Kapazität geplant. Nach dem Umbau sollen wieder rund 40 Kinder betreut werden können.

Kinder feiern mit Eltern und Großeltern

„Inzwischen sind Generationen durch den Kitaalltag gewandert. Viele ‚Ehemalige‘ kehrten mit ihren Kindern zurück und holten später ihre Enkelkinder nachmittags ab“, erzählt die Leiterin der Kita, Beate Völz. An einem sonnigen Oktobersonntag feiern alle Generationen gemeinsam Geburtstag. Mit einem fröhlichen Familiengottesdienst begann das Fest. Kita-Kinder waren beim Einzug dabei; sie brachten die Gaben zum Altar, und beim „Vaterunser“ war der Altarraum der Kirche St. Martin fast zu klein für alle Kinder, die nach vorn gekommen waren. Ehemalige Kita-Kinder ministrierten, andere „Ehemalige“ begleiteten zusammen mit Eltern, deren Kinder derzeit die Kita besuchen, den Gottesdienst musikalisch: „Gottes Liebe ist so wunderbar…“ In der Katechese erzählte Prälat Stefan Dybowski, wie Jesus das Kleine groß werden ließ, sich dabei selbst klein gemacht hat, um den Kleinen zu zeigen: „In den Augen Gottes seid ihr groß.“ Als er sein Akkordeon nahm und das Lied vom kleinen Zachäus sang, stimmten die Älteren in den Refrain ein. Beim anschließenden Brunch im Pfarrgarten werden Geschichten ausgetauscht: „Weißt du noch, damals, das muss so 1975 gewesen sein…“ An einem Nachbartisch hat der Opa den Enkel auf dem Schoß, es gibt Hühnchen und Gemüse zu Mittag. Auf der Bühne singen und spielen Kita-Kinder mit ihren Erzieherinnen und dem Erzieher Lieder aus sieben Jahrzehnten. Der „dicke Tanzbär“ und die „fleißigen Handwerker“ sind dabei.

Lebendige Erinnerungen an Kindergartenzeit

Inzwischen schlendern zwei junge Frauen durch die Kita-Räume. „Das Spielhaus ist jetzt noch viel größer. Und hier sind wir immer durchgeklettert“, erzählt die eine. „Ich bin schon bisschen neidisch, dass wir nicht so krass coole Spielsachen hatten“, sagt die andere und lacht. „Aber irgendwie kommt mir alles viel kleiner vor, als ich es in Erinnerung habe.“ Eine Diashow ruft Vergangenes ins Gedächtnis. „Die Kleene mit den langen Locken bin ich“, ruft eine Frau mit raspelkurzen Haaren. Eine Mittfünfzigerin entdeckt ihre Tochter auf zwei Fotos. Sie hat selbst die Kita St. Martin besucht und freut sich, beim Geburtstagsfest so viele „Ehemalige“ zu treffen.

Eltern schätzen die Wertevermittlung

„Ich finde gut, dass es eine katholische Kita ist“, erklärt ein Vater, der das Treiben seines Sohnes auf dem Spielplatz bewacht. Er gehört zur Gemeinde St. Martin. Sein Nebenmann am Klettergerüst nickt: „Ich bin ein Kind der DDR, also nicht kirchlich. Aber hier werden Werte fürs Leben vermittelt. Das ist meiner Freundin und mir wichtig. Gerade jetzt, wo‘s überall kracht.“ Pädagogische Schwerpunkte haben sich gewandelt, familiäre Konstellationen verändert, doch der Blick auf das Kind und seine Entwicklung bleibt: „ein zufriedenes, selbstbewusstes und für das Leben gerüstetes Kind, das sich von Gott geliebt weiß, auf den Weg in die Schule zu entlassen. Das ist unser Bemühen“, sagt Kita-Leiterin Beate Völz. In den Kita-Räumen hängen Aussprüche von Kindern an den Wänden, denn „Kindermund tut Weisheit kund“. Unter dem Kruzifix im Vorraum steht: „Ich bin ein Vorschul…, äh, ich bin ein Gotteskind.“