Hürden nehmen, Träume leben

Ismail ist angehender KfZ-Mechatroniker. Foto: Angela Kröll

Der Projektname ist Programm: „Starten statt Warten“ bietet praktische Hilfe am Übergang von Schule zu Beruf. Das zuständige Team der Caritas in Fürstenwalde hat in den letzten fünf Jahren 600 geflüchtete und zugewanderte Jugendliche auf ihrem Weg beraten und begleitet. 


„Ich war 21 Jahre alt. Alles war neu für mich. Das Land, die Sprache – und meine Familie war sehr weit weg. Ich bin zusammen mit meiner Schwester aus Syrien geflohen, das war eine sehr schwierige Zeit“, erzählt Bresskela Makdesy Elias an diesem heißen Junitag in Fürstenwalde. Die junge Frau wirkt jetzt, vier Jahre später, fröhlich und gefestigt. „Durch die Empfehlung einer Freundin habe ich erfahren, dass die Caritas sehr gut bei der Studienplatzsuche und anderen Dingen helfen kann. Ich besuche Marika jetzt seit zwei Jahren“. Nur der Studienplatz für Ernährungswissenschaft wackele noch, wie sie und Projektleiterin Marika Klawon erklären. Denn für Bresskela musste eine Ausnahmeregelung beantragt werden. Mit ihrem spezialisierten Abitur war sie nicht für alle Studienfächer zugelassen. In Syrien kann man zwei Arten von Abitur absolvieren, um entweder den Weg in Richtung Geistes- und Sozialwissenschaften oder in Richtung Wirtschafts- und Naturwissenschaften einzuschlagen. Weil Bresskela Chemie und Physik in der Oberstufe abgewählt hatte und lieber den ersten Weg gehen wollte, ist die Zulassung zum Studium der Ernährungswissenschaft kompliziert. 

Viele Probleme für Zugewanderte 

 

Solche Hürden sind das „tägliche Brot“ für Marika Klawon und ihr Team. „Einen reibungslosen Ablauf, eine Ausbildung oder einen Studienplatz zu finden, gibt es in den wenigsten Fällen“, stellt sie fest. Fehlende Dokumente, sprachliche Hürden und Wohnsitzauflagen für Geflüchtete und Zugewanderte sind große Erschwernisse für die allermeisten Jugendlichen.

Ismail Ahmad ist 23 Jahre alt und erzählt mit gewissem Galgenhumor, dass er mehr als 70 Bewerbungen verschicken musste, ehe er seinen Wunschausbildungsgang zum KfZ-Mechatroniker bekam. Marika Klawon kommentiert: „Ich war sehr streng und habe Ismail gesagt, KfZ-Mechatroniker ist ein Beruf, den sehr viele junge Leute ergreifen wollen. Wenn du das machen möchtest, musst du dich wirklich dahinter klemmen und dich bewerben, bewerben, bewerben.“

2016 kam Ismail zusammen mit seinen beiden Brüdern nach der Flucht aus Syrien erst in Eisenhüttenstadt, dann in Fürstenwalde an. „In meinem ersten Jahr in Deutschland konnte ich gar nichts machen, ich wohnte in einer Unterkunft für Geflüchtete. Es hat sehr lang gedauert, mit der Ausländerbehörde zu klären, welche Möglichkeiten ich überhaupt habe.“ Weil er damals noch kein Deutsch sprechen und schreiben konnte, habe er Hilfe gebraucht und kam zur Caritas. „Das Team von ‚Starten statt Warten‘ war richtig nett zu mir und ich konnte fast täglich vorbei kommen. Und die Hauptsache: Sie hatten immer gute Laune!“

Ismail strahlt, als er von seiner Ausbildung erzählt: „Ich genieße es, einfach nur zu schrauben. Privat habe ich mir zwei sehr günstige Autos gekauft, nur aus Spaß am Schrauben und zum Üben.“ Für seine Zukunft wünscht sich der Hobbyfußballer, dass er einmal seine eigene Autowerkstatt in Fürstenwalde eröffnen kann. 

Blut abnehmen und Fußball spielen 

Ganz anders liegen die beruflichen Ziele des 19-jährigen Hossein Mosavi aus Kabul. Im April hat er eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer angefangen. „Das macht mir total viel Spaß, nur die Fachbegriffe in der Schule sind ein bisschen schwierig.“ Auf die Frage, was ihm am meisten in der Ausbildung Spaß mache, antwortet er wie aus der Pistole geschossen „Blut abnehmen“ und bringt damit alle Anwesenden zum Schmunzeln. „Aber eigentlich möchte ich gern Krankenpflegehelfer und gleichzeitig Profisportler sein“, lacht er. Hossein spielt Hallenfußball in Berlin und ist mit seiner Mannschaft gerade in die Regionalliga aufgestiegen. „Wenn ich in der Ausbildung die Frühschicht habe, gehe ich jeden Tag zum Training“, erzählt er. Auch im Job möchte sich Hossein weiterqualifizieren – im Sommer endet sein Ausbildungsjahr zum Krankenpflegehelfer und der 19-Jährige will weitere zwei Jahre absolvieren, um Krankenpfleger zu werden.

„Die meisten Jugendlichen, die wir kennenlernen, sind hoch motiviert“, so Marika Klawon, „daran scheitert es nicht. Deswegen mache ich meinen Job so gern, weil ich den jungen Menschen verschiedene Wege aufzeigen kann, wie sie es trotz Hürden schaffen können, ihre Träume zu verwirklichen.“ „Starten statt Warten“ ist Teil des Modelprogramms „Jugend stärken im Quartier“. Dieses Programm wird durch den Europäischen Sozialfonds, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie das Bundesministerium des Inneren für Bau und Heimat gefördert.