„Ich bin dann mal unterwegs“Erste Berufungswallfahrt auf dem Jakobsweg zwischen Werneuchen und Bernau

Foto: Cornelia Klaebe

Werneuchen/Bernau. Junge und Ältere hatten sich gleichermaßen auf den Weg gemacht. Die einen lockte das Gebet für die eigene Berufung, die anderen der Jakobsweg. Auch wenn man nicht bis Santiago kam: Die Wallfahrt der Diözesanstelle für Berufungspastoral kam bei den Pilgern gut an.

Dieser Abschnitt ist der intensivste: Der märkische Sand, über den die Wallfahrer laufen, macht kaum Geräusche, und von 30 Menschen sagt keiner ein Wort. Nur die Vögel singen und die Wipfel der Bäume rauschen. Als der Weg wenig später über trockenes Laub weiterführt, kommt noch das Rascheln der Blätter hinzu. Und jeder hört seine eigenen Gedanken.

„Du hast mich bei meinem Namen gerufen, mich, Ulrich“ – entsprechend sollten die Pilger beten, aber natürlich den eigenen Vornamen einsetzen, hatte Pfarrer Ulrich Kotzur von der Diözesanstelle für Berufungspastoral den 30 Wallfahrern vor diesem Abschnitt auf den Weg gegeben. Nicht rechts schauen und nicht links, auch nicht nach vorn oder hinten blicken sollten sie, sondern in sich selbst hinein.

Der Aufforderung, in den Minuten bis zur Raststätte mal nicht zu reden, sondern zu hören, folgten alle – die Mitglieder einer Firmgruppe aus St. Mauritius in Berlin-Lichtenberg genauso wie die Erwachsenen verschiedener Altersstufen, die sich am Dreifaltigkeitssonntag mittags von Werneuchen aus auf den Weg gemacht hatten.

Impulse und Gebet bei 28 Grad

Am Beginn hatte Pfarrer Kotzur eingeladen, sich die Frage zu stellen: Für wen gehe ich? Ist es für mich selbst, weil ich in der Firmung den Heiligen Geist erbitte? Ist es für jemand anderes, zum Dank, zur Bitte für meine eigene Berufung oder um Berufungen allgemein, für das Erzbistum? Zwischendurch sammelte sich die Gruppe immer wieder, um Impulse zu hören, miteinander zu beten und bei 28 Grad auch ein wenig im Schatten zu verschnaufen. Franz Ullrich (15) gefällt die Wallfahrt: „Ich bin Firmling aus St. Mauritius, und unser Kaplan hat das angeboten“, erzählt er. Er habe „Lust darauf“ gehabt, und sein Kumpel sei schließlich auch dabei. Besonders gut gefällt Franz, dass unterwegs eine Zeit nicht gesprochen wurde: „Ich habe den Kopf beim Schweigen gut frei gekriegt. Man hat ja sonst immer so viel Stress“, meint er und streckt sich auf der Decke aus, die unter einem Baum liegt. Sein Kumpel neben ihm grinst zustimmend.

Kaplan Raphael Weichlein ist jedenfalls zufrieden mit seinen Firmlingen: „Ich habe das als freiwilliges Angebot auf dem Endspurt zur Firmung bekannt gemacht“, sagt er. Zwei Drittel der Jugendlichen seien dabei. Über die jungen Leute freut sich auch die 74-jährige Renate Funk. Sie selbst hat von der Wallfahrt aus dem Tag des Herrn erfahren und sich sofort entschieden, das Stück Jakobsweg mitzulaufen: „Ich wollt die Gelegenheit nutzen. Denn den ganzen werde ich wohl nie laufen“, sagt die Rentnerin.

„Gott will nicht etwas von mir, sondern für mich“

Noch einmal müssen sich nach der Stärkung mit Kaffee und Kuchen die Pilger aufmachen, um die restliche Strecke zur Wallfahrtskirche nach Bernau zu schaffen. Dort treffen sie um 18 Uhr ein und werden von der Gemeinde und dem „Nightfever“-Team erwartet, die sich dem Gebet der Pilger von der Kirche aus angeschlossen haben. In der gemeinsamen Messe sagt Pfarrer Kotzur über die Berufung: „Gott will nicht etwas von mir, sondern für mich.“ Da Gott die Liebe sei, könne das nur das Beste sein, was dem Menschen passieren könne.