Jugendliche haben die Fäden in der HandDie katholische Schule „Salvator“ bietet Unternehmensgründung als Schulfach an

Foto: Alexandra Wolff

Wie schreibe ich einen Business- und Liquiditätsplan? Wie erreiche ich Sponsoren, bekomme Kredite und wie wird mein Produkt tragfähig? Die einen erarbeiten sich dieses Wissen, wenn sie sich selbstständig machen müssen, die anderen lernen es schon in der Schule.

Das entsprechende Fach heißt „Schülerfirma“ und die katholische Schule „Salvator“ in Berlin- Waidmannslust bietet es als Wahlpflichtkurs an – als Alternative zum Französisch-Unterricht für die neunten und zehnten Klassen.

15 Schüler sitzen im Unterrichtsraum und flechten, knoten und fädeln Armbänder. Nicht im Textilunterricht, sondern in einem Fach, dass eher Wirtschafts- oder Gründungskunde heißen könnte – oder eben Schülerfirma. Denn an den Schmuckstücken können die Schüler zwar ihre Kreativität ausleben, doch eigentlich lernen sie hier, was andere, die ein Unternehmen gründen, unter erheblichen finanziellen Risiken lernen.

Die 15- und 16-Jährigen haben ihr Unternehmen us4teen genannt. Ihr Alleinstellungsmerkmal: „Wir verkaufen Armbänder und Ketten in bester Qualität“, versprechen eine Werbepostkarte und ein Werbebanner. „Alles handgemacht“, versichert Madeleine Ruzic vom Vorstand der Schülerfirma und das sei mehr als einen Slogan. Ihre Lehrerin Nicola Kleine ergänzt: „Wir hatten am Anfang auch mit Kunststoffperlen gearbeitet. Aber die sind schnell kaputt gegangen. Also nahmen wir sie raus aus dem Sortiment.“ Zusammen mit Lehrer Johannes Feiten sind sie in der Schülerfirma aber keine Lehrer, sondern Schulpaten: „Hier haben eben die Schüler die Fäden in der Hand“, erläutert sie und mit Blick auf eine Schülerin, die ein Band flicht, ergänzt Kleine: „Im wahrsten Sinne des Wortes.“

Vorstand, Verwaltung, Marketing, Finanzen

Neben Madeleine gehört auch Thomas Neulen zum Vorstand, in der Produktion arbeiten Kirsten Krüger und Constantin Schmitt. Chefin dieser Abteilung ist Selina Pileur. Adrian Rösenberger hat eine Stelle in der Verwaltung bekommen und schreibt Protokolle. Nico Wolfer und Anika Peifer haben die Website www.us4teen. jimdo.de erstellt. Mit ihnen zusammen sind Lukas Krämer, Manuel Hörder und Elias Thiel im Marketing tätig. Ihr Schwerpunkt liegt aber bei der schulinternen Werbung und dem Corporate Design, sie haben also beispielsweise das Logo und die Visitenkarten entworfen. Für die Finanzen sind Franziska Rudolf und Jennifer Waselewski zuständig.

Und? „Brummt“ der Laden? Franziska, die Chefin der Finanzabteilung, könnte den finanziellen Zustand als „schwach belegt“ bezeichnen. Kleine mag es aber wohl eher direkt: „Sag ruhig, dass es nicht so gut läuft“, ermuntert sie ihre Schülerin. „Ist doch keine Schande.“ Nicola Kleine erläutert, dass es ja viel besser sei, in einer Schülerfirma Fehler zu machen und daraus zu lernen, als später, wenn man ein echtes Unternehmen aufbauen will und plötzlich Gründungszuschüsse, -kredite und Eigenvermögen in den Sand gesetzt hat.

Franziska erzählt nun, dass sie von einem selbsterschlossenen Sponsorenkreis 450 Euro Startkapital bekommen haben: „Davon haben wir das Material gekauft und bezahlen die Löhne.“ Jeder Schüler bekommt für seine Arbeit einen Fünfziger – also 50 Cent, pro Stunde.

Wer jetzt kein Armband hat, bekommt bald keines mehr

„Die Schüler haben nicht bedacht, dass diese 450 Euro Startkapital Schulden sind, die sie eigentlich zurückzahlen müssen“, nennt Kleine den Fehler, der für die nicht ganz so rosige wirtschaftliche Lage verantwortlich ist. „Die Anteilseigner und Sponsoren wussten aber von Anfang an, dass es sein könnte, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen.“ Auf der anderen Seite haben sie aber auch große Verkaufserfolge bei Festen und Konzerten der Schule verzeichnen können, betont Franziska.

Im Sommer machen die Schüler ihren mittleren Schulabschluss und dann löst sich us4teen auf. Wer sich bis dahin kein handgeknotetes Armband gekauft hat, bekommt dann auch keines mehr. Andere Schüler gründen dann eine neue Schülerfirma.