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Kein Dienst nach Plan

Vom 19. zum 20. Februar war Köpenick 30 Stunden ohne Strom – auch die Krankenhäuser kamen an den Rand des Notstroms. Ein Protokoll des Rettungseinsatzes der Malteser.

Die einen erwischt es mitten im Dienst, die anderen schon auf dem Weg in den Feierabend: Dienstag, 17.11 Uhr, Voralarm. Die Malteser sollen bei der Evakuierung eines Krankenhauses in Berlin-Köpenick helfen. Die Nachricht aus dem Stab der Berliner Feuerwehr erreicht sofort alle Helfer und Helferinnen des Katastrophenschutzes der Berliner Malteser.

 

Entscheidung in wenigen Minuten

Nur wenige Minuten bleiben den alarmierten Helfern, um die Entscheidung zu fällen. Jeder ahnt: Es kann eine lange Nacht werden. Der Stromausfall in Berlin Köpenick ist angekündigt bis zum Nachmittag des nächsten Tages. Der 34-jährige Patrik Lange braucht nur ein paar Minuten, dann steht seine Entscheidung: „Ich war gerade mit meinem kleinen Kind unterwegs und musste noch die Betreuung organisieren.“ Es klappt. Kurz darauf ist er auf dem Weg zur Diözesangeschäftsstelle der Malteser – er wird in dieser Nacht des Stromausfalls für ein paar Stunden die Verantwortung in der Leitung Einsatzdienste übernehmen. Ehrenamtlich – wie alle hier. Gegen 23 Uhr löst ihn der Jurist Alexander Körber ab.

Andere fleißige Helfer haben bereits eine Führungsstelle am Standort der Malteser in der Alten Feuerwache in Berlin-Charlottenburg eingerichtet. Nach und nach treffen die Einsatzkräfte ein. Fahrzeuge drängen sich auf dem Hof. Die Atmosphäre ist konzentriert. Alle brennen darauf, ihre oft geübten Kenntnisse im Ernstfall zu zeigen. Marvin Kaiser, Notfallsanitäter in Ausbildung, sammelt die Namen der Anwesenden, trägt ihre Qualifikationen in eine Personalerfassungsmatrix ein. Die zur Verfügung stehenden Fahrzeuge werden auf einem Flipchart notiert, später digital erfasst. Die Malteser Einsatzleitung steht im ständigen telefonischen Kontakt mit dem gemeinsamen Einsatz- und Lagezentrum der Berliner Hilfsorganisationen beim DRK. Dort sitzt auch eine Führungskraft des Malteser Katastrophenschutzes.

 

Warten auf den Einsatz

Auch im Rettungsdienst der Malteser kein Zögern: „Wir wussten, sie brauchen in Köpenick jeden verfügbaren Intensivtransportwagen, um die Intensivpatienten zu verlegen“, sagt Dimo Schaulies, Leiter der Malteser-Rettungswache in Charlottenburg. Er, wie auch drei weitere hauptamtliche Kollegen wissen: Die Schwerkranken in den DRK-Kliniken Köpenick brauchen sie – in dieser Nacht mehr denn je. Jetzt interessiert kein Dienst nach Plan. Sie legen private Termine um, die Freizeit wird kurzfristig zum Einsatz. So können die Malteser gleich mit zwei ihrer Intensivtransportwagen die Berliner Feuerwehr im Einsatz unterstützen.

Das Gros der Helfer ist derweil noch immer im Bereitschaftsmodus. Die mehrstündige Wartezeit auf den Einsatzbefehl überbrücken die einen mit „Tabu“ und „Scotland Yard“, die anderen stärken sich. Der Betreuungsdienst hat kurzfristig Bohneneintopf mit Würstchen gekocht. Im Einsatz muss auch die Verpflegung der Helfer funktionieren – erst recht, wenn eine lange Nacht bevorsteht. Acht Ehrenamtliche sorgen an diesem Abend für die rund 40 Einsatzkräfte der Malteser.

00.15 Uhr! Endlich Einsatzauftrag: Ein Patiententransportzug wird für die Evakuierung nach Köpenick angefordert. Kurz darauf verlassen sechs Krankentransportwagen sowie ein Kommandowagen der Malteser mit Blaulicht den Hof. In den frühen Morgenstunden kehren sie zurück. Der Einsatz der Malteser ist vorerst beendet. Für die meisten gibt es nur ein paar Stunden Schlaf. In Rufbereitschaft bleiben alle 250 aktiven Helferinnen und Helfer des Katastrophenschutzes der Malteser – denn noch gibt es keinen Strom in Köpenick!

Kontakt für Interessierte am ehrenamtlichen Engagement im Katastrophenschutz: info.berlin(ät)malteser.org