Kein Leben auf der Couch

Foto: Diakon Thomas Marin

Terroranschläge sollen die Macht Einzelner zeigen, doch nur Gottes Macht bewegt Menschen wirklich. Neben Erzbischof Heiner Koch sprach auch Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich Jugendlichen in Berlin Mut zu.

Kann man im „Glückskäfer“ sein Glück kaufen? Kommt beim Tattoo-Stechen Gott unter die Haut? Welche Sorgen und Freuden haben Menschen ohne Obdach? Solchen Fragen gingen Jugendliche vom Diözesanen Weltjugendtag (WJT) bei gut 20 Kieztouren rund um den Winterfeldtplatz, Berlin-Schöneberg, nach.
Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Ulrich Kotzur und das WJT-Team Berlin luden in diesem Jahr in die St. Matthias-Kirche ein und rund 500 Jugendliche kamen.

Das Motto des Tages „Runter vom Sofa und rein ins Leben!“ war einem Zitat von Papst Franziskus auf dem letzten Weltjugendtag in Krakau entlehnt. Als besonderer Gast konnte Jesuitenpater Jean-Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, begrüßt werden.

In einer sehr persönlich gehaltenen Katechese deutete er das Leitwort „Der Herr hat Großes an mir getan“ aus dem Lukas-Evangelium. Alle Getauften und Gefirmten hätten denselben Heiligen Geist; jeder sei von Gott gewollt und radikal geliebt. „Ihr könnt euch alle vor den Spiegel stellen. Gott findet euch noch
viel schöner.“ Wichtig sei, sich für Gott Zeit zu nehmen.

Wenn man sich auf ihn einlasse, könne Gott Großes an einem tun, so dass man selbst glücklich werde – wie Maria. Spontaner Applaus war das Echo der Jugendlichen. Dank dafür, dass er ihre Sprache sprach und um ihre Probleme und Sehnsüchte wusste.

Gottes Liebe erfüllt unser Leben – auch ohne spektakuläre Zeichen

Zu Beginn des Pontifikalamtes ging Erzbischof Heiner Koch auf einige aktuelle Zeichen der Macht ein: Giftgas-Attacke in Syrien, Terror in Stockholm, Luftschlag der USA in Syrien. Dabei sei die „Macht der Liebe“ die einzige Macht, die die Menschen bewege. Er bat darum, dass viele von der Macht der Liebe des mächtigen Gottes erfasst würden. In der Predigt ging Erzbischof Hollerich auf die Heimsuchung Mariens
ein. Hat der Mächtige Großes an Maria getan?

Eilte ihr Leben von Erfolg zu Erfolg? Auch wenn ihr Herz am Kreuz Jesu von Schmerz zerrissen und ihr Leben eher bescheiden war – wie von einer Frau in Berlin: „Die Größe Marias liegt in Gott; seine Liebe erfüllte ihr Leben – auch ohne Spektakuläres.“ „Verbringt kein Leben auf der Couch“, rief er den Jugendlichen aus dem Erzbistum zu. Viele würden bei einem Leben vor dem Fernseher vergessen, ihr eigenes Leben zu leben. „Stelle dein Leben nicht in einer Garage ab. Das Leben ist dafür zu schön, ein Geschenk Gottes.“ Niemand habe ein Recht darauf, allein geliebt zu werden. Wenn das beherzigt werde, sei Kirche lebendig und könne Gott in diese Welt hinein reichen. „Gott traut euch das zu“, beendete er seine Predigt.

Jugendliche aus Deutschland, Palästina, Italien, Korea, England, Frankreich, Portugal und Polen trugen in ihren Muttersprachen die Fürbitten vor. Nach dem Schlusslied begannen die Kieztouren. Eine Gruppe blieb bei Erzbischof Hollerich, um ihm Fragen zu stellen. 22 Jahre war er als Missionar in Japan tätig, bevor er auf den Bischofsstuhl seiner Heimat berufen wurde. Offen und ungeschönt beschrieb er die kirchliche Situation in Luxemburg: Zusammenlegung von 250 auf 33 Pfarreien, Mangel an kirchlichen Berufungen, zeitgleich schrumpfen und erneuern.

Doch als optimistischer Realist habe er die Hoffnung, dass immer noch Menschen den Glauben entdecken – trotz des gegenwärtigen Bildes von Kirche. Nachdem sich alle Gruppen auf dem Schulhof der Franziskusschule wieder getroffen und gestärkt hatten, ging es mit Kerzen und Palmzweigen in einer Prozession zum Nightfever in St. Bonifatius. Pfarrer Kotzur lud ein, die Palmzweige zu den Sonntagsgottesdiensten mitzunehmen. „So schaffen wir eine Verbundenheit von der jungen Weltkirche zu den Gemeinden vor Ort.“

ZUR SACHE

Thailand und Panama

Die Kollekte des Diözesanen Weltjugendtags ist für ein Bildungs-Projekt der Jesuiten in Thailand bestimmt. Erzbischof Hollerich wird sie noch in diesem Jahr zusammen mit jungen Menschen seiner Diözese vor Ort übergeben. Der nächste Weltjugendtag findet vom 22. bis 27. Januar 2019 in Panama statt. Das Erzbistum Berlin wird eine Fahrt dorthin anbieten. Einzelheiten dazu finden sich demnächst auf der Homepage des Erzbistums.