„Kein sicheres Land“

Foto: Walter Plümpe

Die Abschiebung von Flüchtlingen nach Afghanistan ist umstritten. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, ob das Land sicher ist. Abschiebungsgegner informierten in der Heilig-Kreuz-Kirche über ihre Argumente.

Seit Dezember 2016 werden Afghanistan-Flüchtlinge nach Kabul abgeschoben. Es gäbe sichere Regionen im Land, argumentiert die Bundesregierung. Eine andere Sicht vermittelte ein Abend mit dem Bildungswerk
Berlin der Grünen nahen Heinrich-Böll-Stiftung und Asyl in der Kirche Berlin. In der Heilig-Kreuz-Kirche forderten ihre Vertreter ein Ende dieser Abschiebungen.

„Die Lage in Afghanistan ist fragil“

Flüchtlingspfarrer Bernhard Fricke, Mitglied von Asyl in der Kirche, erhellte mit einer Geschichte das menschliche Verhalten, Schuld zu anonymisieren und abzuweisen. Thomas Ruttig, Co-Direktor des Afghanistan Analysis Network und Journalist, vertrat aufgrund zahlreicher Reisen ins Land die These: „Afghanistan ist kein sicheres Land für Flüchtlinge.“

Zwar seien einige Gebiete sicherer als andere, doch insgesamt sei die Lage „fragil“. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes 2001 stiegen die Flüchtlingszahlen. „Besonders Kinder leiden unter der Vielzahl und Härte der Kampfhandlungen.“ Kava Spartak vom Verein YAAR (afghanisches Kultur- und Beratungszentrum in Berlin) beklagte, dass seine Landsleute systematisch von Integrationshilfen ausgeschlossen würden. Nur kleine Flecken seien „vielleicht noch sicher“. Um dahin zu gelangen, müsse man jedoch „durch die Hölle“.

Provozierend fragte er: „Haben wir noch Werte? Wie soll man bei über 50 Prozent Arbeitslosigkeit überleben? Wie kann man junge Männer nach Afghanistan zurückschicken?“ Katharina Müller vom Flüchtlingsrat Berlin berichtete von 250 000 Afghanen in Deutschland, davon 11 000 in Berlin. Sie bedauerte eine Abschiebestatt einer Willkommenskultur. Bescheide des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hatten oft eine „miserable Qualität“.

Die Schutzquote für afghanische Flüchtlinge habe Ende 2016 bei 56 Prozent gelegen, obwohl die Lage vor Ort „nach wie vor hochgefährlich“ sei. Eine Panikmache wirke und führe zu freiwilligen Ausreisen. Ein bundesweiter Abschiebestopp sei notwendig; darin waren sich alle vier Referenten einig.

Sicht des Bundesamtes für Migration fehlte

Der Infoabend konfrontierte die offensichtlich engagierten Besucher mit einer Flut an Fakten und persönlichen Sichtweisen. Gemeinsamer Nenner war die Forderung, afghanischen Flüchtlingen weiterhin Aufnahme und Schutz zu gewähren. Eine Darstellung des Problems aus Sicht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge hätte den Abend objektiver und spannender gemacht.