Keine Scheu vor heißen EisenKatholische Schule gewinnt: Der Salvator-Express ist die beste Schülerzeitung Berlins

Das Redaktionsteam des Salvator-Express mit dem Schulleiter

Berlin. Den ersten Preis des 13. Berliner Schülerzeitungswettbewerbs in der Sparte Grundschulen haben sie in der Tasche: Die Jung-Journalisten des Salvator-Express der katholischen Schule Salvator.

Die Grundschule teilt sich auf in die Stammschule in Berlin-Waidmannslust und die Filialschule im Märkischen Viertel, beides im Osten des Bezirks Reinickendorf. So ist auch die Redaktion zweigeteilt. „Alle Themen und Artikel werden in der Redaktionsstunde bearbeitet, nie zu Hause“, sagen Margit Kowalte und Susanne Kaup-Böttcher, die beide für die Eltern-AG der Schülerredaktion Filiale zuständig sind. „Wir erarbeiten Themenvorschläge in der Gruppe, bilden Teams und machen eine handschriftliche Vorschrift und gestalten Bilder oder Rätsel, bevor dann die mittlerweile fünf bis sechs geliehenen beziehungsweise gespendeten alten mechanischen Schreibmaschinen zum Einsatz kommen.“

Ganz ähnlich läuft es in der Stammschule, nur dass die Schüler hier ihre Texte zu Hause schreiben, wie die zehnjährige Emilia erläutert: „Herr Oster lässt unsere Texte dann ins Layout einfließen und wir schauen uns die dann auf der Leinwand an.“ Und ihre Kollegin Zorica ergänzt: „Manchmal verfeinern wir die Texte dann noch.“ Christoph Oster ist Leiter der AG, eigentlich Diplom-Ingenieur, doch als Redakteur der Pfarrnachrichten, dem Pfarrbrief der katholischen Gemeinde St. Martin im Märkischen Viertel, kennt er sich gut im Journalismus, mit Layout und Grafik aus. „Die Fotos machen wir teilweise selbst, teilweise holen wir sie aus dem Internet“, erzählt die elfjährige Luisa. Bei der Tag-des-Herrn- Redakteurin schrillen plötzlich sämtliche Alarmglocken. „Bei den Fotos aus dem Internet achten wir immer darauf, dass die Fotos wirklich veröffentlicht werden dürfen und wenn wir selbst fotografieren, fragen wir diejenigen, ob es für sie in Ordnung ist, dass wir ihr Bild in unserer Zeitung abdrucken. Und dann schreiben wir immer die Quelle des Bildes dazu.“ Dann ist es ja gut. Mit Urheber- und Persönlichkeitsrechten kennen sich die Zweit- bis Sechstklässler also schon aus. Was wissen sie denn noch über Journalismus? „Wir schreiben nicht sofort los, sondern verfassen immer eine Einleitung“, antwortet Emilia. „Und wir schreiben nicht zu umgangssprachlich.“ Die zehnjährige Zorica weiß noch, dass es wichtig ist, dass alles Wichtige im Text vorkommen muss und die Artikel gut verständlich sein müssen. „Genau“, bestätigt die zehnjährige Laura. „Da müssen wir aufpassen, dass es auch die Erstklässler verstehen.“

Film- und Computerspieletipps

Und nicht nur das Verständnis ist bei einer Schülerzeitung wichtig: „Bei Film- und Computerspieletipps müssen wir darauf achten, dass sie nicht erst ab 12 Jahren freigegeben sind“, weiß Marko. Richtig, denn dann wären sie ja auch nicht nur nichts für die Erstklässler, sondern auch nicht für Marko, der selbst ja erst elf Jahre alt ist. Trotz all des Vorwissens: Später einmal Redakteur werden will keiner! Nur die beiden aus Altersgründen ausgeschiedenen Journalistinnen Lena (12) und Renana (13), die jetzt in der Oberschule der Salvatorschule sind, machen eine abwiegende Handbewegung. Auf jeden Fall vermissen sie die Arbeit an der Schülerzeitung. „Ich wüsste da eine Zeitung, für die du schreiben könntest“, deutet Schulleiter Michael Mies an, dass die beiden doch nach wie vor noch für den Salvator-Express arbeiten könnten. Als freie Autorinnen sozusagen.

Themen sollen den Schulalltag aufgreifen

Der Jury des Schülerzeitungswettbewerbs war es nicht nur wichtig, dass Sprache, Stil und Layout stimmen, sondern auch, dass die Themen den Schulalltag aufgreifen und einzelne Aspekte hinterfragen. „Die jungen Redakteure bringen sehr gerne ihre Schulerfahrungen als Themen ein, berichten von Veranstaltungen, ersinnen Visionen, gehen heiße Eisen an und verarbeiten sogar gerne Unterrichtsinhalte in der Schülerzeitung“, sagen Kowalke und Kaup-Böttcher. „Ein heißes Eisen sind zum Beispiel die Schultoiletten“, sagt Oster. Doch die Schüler haben sich auch schon mit heißen Eisen befasst, die man auch außerhalb einer Schule als solche bezeichnen würde: Umweltschutz, Flüchtlinge und Mobbing. Aber natürlich gibt es auch Witze, Tipps für naturwissenschaftliche Experimente und Backtipps. Eine Rubrik, die unter den Express-Journalisten so beliebt ist, dass der Schulleiter überrascht fragt: „Ja, esst ihr denn hier nur?“ Die Muffins von Laetitia und Zorica haben es sogar auf die Titelseite der Ausgabe 14 geschafft. Und dann gibt es noch die Rubrik „Kinder aus aller Welt“, die neuerdings „Kids around the World“ heißt – und komplett auf englisch verfasst ist. Und Peter, der schon bei Jugend forscht mitgemacht hat, bearbeitet am liebsten wissenschaftliche Themen.

Bei so einem breiten Spektrum darf man sich nicht wundern, dass die Schule den Wettbewerb gewonnen hat und sogar „den Favoriten vom Platz“ gefegt hat, sagt der elfjährige Jona. „Der hat schon vier Mal hintereinander einen Preis gewonnen. Das ist ja wie beim Fußball!“ Wenn das kein Ansporn fürs Weitermachen ist!