Kleine standhafte Schar

Monika Bellan (links) und Karin Burmeister öffnen die Türen für das Jubiläum.

Katholisch in Brandenburg: Franziskaner machen Angermünde 1243 mit einem mächtigen Kloster zum geistlichen Zentrum. Mit der Reformation erlischt das katholische Leben, bis es 1894 zurückkehrt.

Der schwere Schlüssel knarrt im Schloss. Kraftvoll schieben Monika Bellan und Karin Burmeister den massiven Eisenriegel beiseite, bis die große, hölzerne Eingangstür nachgibt. Stellvertretend für die ganze Gemeinde halten die beiden Frauen die Türen für das große Ereignis weit geöffnet: Am 10. November, um 10 Uhr, begehen die Angermünder Katholiken den 125. Weihetag ihrer Kirche „St. Mariä Himmelfahrt“ in einem Festgottesdienst mit Erzbischof Heiner Koch und mit anschließendem Gemeindefest im Pfarrsaal und auf dem angrenzenden Kirchengrundstück.

Bereits jetzt hat der urige, gepflegte Pfarrgarten Festschmuck angelegt, mit goldenem Herbstlaub und leuchtend roten Äpfeln an den alten Obstbäumen. Durch ihre Zweige schimmert die „Hauptperson“ des kommenden Sonntags – die steinerne Jubilarin. Obwohl mit ihren 125 Jahren schon recht betagt, kann sie sich noch gut an die Anfänge erinnern: „Nachdem der katholische Propst Martinus Klettenburg im Jahr 1543 und mit ihm ein großer Teil der Gemeinde zum neuen Glauben übergetreten war, gab es 300 Jahre kein nennenswertes katholisches Leben in Angermünde. Zum Gottesdienst mussten die wenigen Gläubigen nach Berlin oder Stettin fahren… Durch vermehrten Zuzug von Textilkaufleuten aus Westfalen und dem Eichsfeld sowie polnischen Landarbeitern und Soldaten... (wurde) das Vorhaben, eine Kirche – nämlich mich – zu bauen, Wirklichkeit.“ Nach nur viermonatiger Bauzeit fand bereits am 8. November1894 die feierliche Einweihung der neuen Kirche durch den Fürstbischöflichen Delegaten Propst Jahnel statt.

Karin Burmeister hatte die originelle Idee, der kleinen Kirche eine Stimme zu geben. Anlässlich des 125. Weihetages grub sie gemeinsam mit Helga Studer und Krystyna Moczalla die alte, 30 Jahre lang nicht geführte, Chronik wieder aus, verfasste und ergänzte nun die „Memoiren“ der Jubilarin. „Im Zweiten Weltkrieg wurden meine Fenster stark beschädigt, weshalb man sich in den Nachkriegsjahren wiederum um mich kümmerte“, erzählt diese weiter. Berichtet wird auch über die grundlegende Umgestaltung des Innenraumes nach dem 2. Vatikanischen Konzil sowie über größere Umbauten und eine neue Orgel in den Nachwendejahren. Besondere Freude herrscht über den 2015 freigelegten Kreuzweg, der nun in seiner ursprünglich Farbgebung in berührender Schlichtheit auf den Betrachter wirkt und über die in Berlin ausgelagerten Fenster, die vor allem durch den großen Einsatz von Kirchenvorstands-Mitglied Armin Habereder 2018 an ihren Ursprungsort zurückkehrten.

 

Wiedersehen und Wertschätzung

Besondere Erinnerungen hat das Kirchlein an ihre „Hausherren“, so zum Beispiel an Pfarrer Arthur Frucht, der die Gemeinde von 1962 bis 1991 führte. „Er hat es am längsten mit mir und meiner Gemeinde ausgehalten“, bemerkt die Jubilarin. Mit einigen der Ehemaligen wird es am Sonntag ein freudiges Wiedersehen geben. So werden Pfarrer Szczerbaniewicz und das Angermünder Pfarrgemeinderats-Mitglied Gabriele Schenk unter anderem Pfarrer Peter Beier und den langjährigen Pfarrer Konrad Richter begrüßen können. Insgesamt erwartet das gut zehnköpfige Festkomitee rund 120 Gottesdienstbesucher und Gratulanten. Zu den Ehrengästen gehört dabei auch Bürgermeister Frederik Bewer und auch das spricht für die große Wertschätzung für die kleine katholische Schar und ihre Ausstrahlung in Stadt und Region. So würdigt die Angermünder Kirche in ihren Memoiren auch die lebendigen Steine, erinnert an „Sonntags- und Feiertagsgottesdienste, Andachten, Gebetsstunden, Osternacht, Christmette, Wallfahrten, Ausflüge und Feste.“

Dabei gibt sich die Jubilarin äußerst bescheiden, denn Monika Bellan und Karin Burmeister, die sich seit Jahrzehnten für ihre Kirche und Gemeinde engagieren, verweisen darüber hinaus auf die große Eigeninitiative der Angermünder vom gemeinsamen Beten bis zum Bauen. Bewährte und beliebte Formen sind dabei auch das Winterkino, Fasching, Frühjahrs- und Adventskonzerte des Angermünder Stadtchores, der monatliche Seniorenkreis oder die ebenfalls monatlichen Glaubensabende, bei denen die Familien Schenk und Heimke immer wieder auf der Suche nach inspirierenden Themen und Referenten sind. Weit geöffnet sind die Türen in die Ökumene, so mit dem Weltgebetstag der Frauen, beim Martinsfest oder den Sternsingern.

Seit 2003 gehört der Standort Angermünde zur Pfarrei Mariä Himmelfahrt Schwedt, der Pastorale Raum Uckermark startet im Dezember. Der gute, harte Kern von zirka 30 bis 40 Gläubigen, der den katholischen Glauben durch die schwere DDR-Zeit getragen hat, steht mit einer schrumpfenden Gemeinde und hohem Altersdurchschnitt vor neuen Herausforderungen. Aber es gibt auch Hoffnung durch die Berliner Stadtflucht und den verstärkten Zuzug junger Familien in die idyllische Kleinstadt inmitten des Biosphärenreservats Schorfheide mit dem UNESCO-Weltnaturerbe Grumsiner Buchen. Hoffnung, dass wieder Kinder und die nächste Generation die Bänke der kleinen Kirche füllen. Und auch die Jubilarin ist voller Hoffnung: „Nun, was soll ich noch sagen. Mittlerweile bin ich doch ziemlich in die Jahre gekommen, aber meine Gemeinde lebt!“