Kleinvieh und mühevolle ArbeitDie Heilig-Kreuz-Gemeinde in Frankfurt an der Oder brachte schon 500 000 Euro für die Sanierung ihrer Kirche auf

Edmund Rost (links) und Ulrich-Christian Dinse sind stolz auf ihre Gemeinde, die viel zur Kirchensanierung selbst beiträgt. Foto: Cornelia Klaebe

Frankfurt (Oder). „Wir helfen uns selbst“ ist seit dem eigenhändigen Bau des Gemeindehauses zur DDR-Zeit das Motto der Heilig-Kreuz-Gemeinde. Seit 2010 wird die Kirche saniert – im mittlerweile sechsten Bauabschnitt summieren sich die gesammelten Eigenmittel auf bald 500 000 Euro.

Stundenlang könnten Edmund Rost und Ulrich-Christian Dinse über die Sanierung ihrer Kirche sprechen. Denn in diese Kirche „Zum Heiligen Kreuz und zur heiligen Rosenkranzkönigin“ – diesen kompletten Namen müsse man doch einmal nennen, findet Dinse – haben die beiden Männer viel investiert. Sie und die ganze Kirchengemeinde Frankfurt (Oder).

Aus kleinem Schaden wurde große Sanierung

Im Jahr 2007 war es, erinnert sich Kirchenvorstandsmitglied und Bauauschuss-Vorsitzender Dinse, da habe die „gute Seele der Gemeinde“, Paul-Dieter Klähr, ihn angesprochen: „Komm doch mal mit auf den Kirchturm.“ Dort habe er ihm einen Feuchtigkeitsschaden gezeigt. Als man genauer hinschaute, zeigte sich nach und nach, dass die Kirche von außen komplett saniert werden musste:Dach, Fassade und Fundamente waren in katastrophalem Zustand. Zunächst kümmerte sich Edmund Rost als stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender vorrangig um die finanzielle Absicherung der ersten fünf Bauabschnitte, die pro Jahr die stolze Summe von 400 000 Euro beanspruchten. Er ist mittlerweile nach 24 Jahren Mitgliedschaft aus Altersgründen aus dem Kirchenvorstand ausgeschieden, aber mit dem Herzen nach wie vor dabei.

Mit dem Herzen dabei ist auch die Gemeinde. In ihr ist stark verankert das Motto: „Wir helfen uns selbst.“ Woher das kommt, erklärt Ulrich Dinse: „Als wir ab 1975 unter Regie des damaligen Pfarrers Gotthard Richter von den Oratorianern das Gemeindehaus gebaut haben, waren jedes Wochenende 30 bis 40 Frauen und Männer aus der Gemeinde auf der Baustelle. Das hat die Gemeinde zusammengeschweißt, davon zehrt sie bis heute.“ Denn zu DDR-Zeiten war Zupacken faktisch die einzige Möglichkeit, wie eine Kirche an ein neues Gebäude kommen konnte.

Und so packen die Gemeindemitgliederauch jetzt wieder zu,wenn auch nicht mit der Schaufel in der Hand: „Wir hatten viele Gemeindeaktivitäten, sechsmal jährlich eine Sonderkollekte als Opfergang und haben mehr als 200 Briefe an potenzielle Spendergeschrieben“, erzählt Rost. Dinseergänzt: „Kleinvieh und mühevolle Arbeit, das sind die Bausteine, die eine Gemeinde zusammenschweißen.“ Danach klingt es auch, wenn die Männer aufzählen: Weinfeste, Kleinkindbasare und Benefizkonzerte sind nur  einige der Aktivitäten. Um Spenden angeschrieben wurden ehemalige Gemeindemitglieder und Geistliche genauso wie die Sparkasse gegenüber und Heilig-Kreuz-Gemeinden in ganz Deutschland.

Mit die kreativste Idee war wohl ein „Talentebasar“: Angelehnt an das Gleichnis von den Talenten bekamen Gemeindemitglieder je

zehn Euro ausgezahlt, um daraus mehr zu machen – etwa Wolle zu kaufen und daraus Socken zu stricken, um diese dann zu verkaufen. So brachte die Gemeinde bis Mitte 2016 484 000 Euro an Eigenmitteln auf – ein Kraftakt, auf den Rost und Dinse stolz sind. Es ist der Eigenanteil, der der bisherigen Gesamtsumme von 2 250 000 Euro gegenübersteht – den Löwenanteildavon trug das Ordinariat, mit dem Dinse und Rost gut zusammenarbeiten. Auch das Bonifatiuswerk, Stadt und Land, die Berliner Maßwerk-Stiftung und die Sparkasse Oder-Spree trugen zum Gelingen bei.

Gemeinde an der Belastungsgrenze

Mittlerweile ist mit der Absenkung des Höhenniveaus an der Pfarrkirche und der damit notwendigen Geländeregulierung des Umfeldes – der ganze Pfarrhof ist eine Baustelle – der sechste Bauabschnitt in vollem Gange. Danach steht noch ein Bauabschnitt Innengestaltung aus. Dafür würden noch weitere Spenden benötigt, denn die Gemeinde sei an der Belastungsgrenze. Der Dank von Heilig Kreuz Frankfurt (Oder) ist allen Spendern gewiss.

Kontakt: 03 35 / 28 05 11-30 oder sekretariat@heilig-kreuzffo.de