Klimaschutz ja – aber wie?

Folgt das Erzbistum beim Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung einem Konzept oder fährt es auf Sicht? Sollte die ökumenische Zusammenarbeit verstärkt werden? Diözesanrat und Generalvikar sehen das unterschiedlich.

Die Evangelische Kirche Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat eine stärkere ökumenische Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Berlin in Klimaschutzfragen angeregt. „Ich könnte mir vorstellen, dass unser Umweltbüro offen für eine katholische Mitwirkung ist“, sagte der evangelische Generalsuperintendent für den Sprengel Potsdam, Kristof Balint, Anfang September auf dem Bistumstag in Potsdam. Im Podium diskutierte er dort mit zum Thema „Katholische Kirche – Motor oder Bremsklotz auf dem Weg in eine geschwisterliche und schöpfungsverantwortliche Zukunft?“

Das sechsköpfige „Umweltbüro“ der EKBO unterstützt evangelische Gemeinden bei der Umsetzung von Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen, etwa für Immobilien, Beschaffung, Mobilität, erneuerbare Energien oder Landverpachtung, sowie bei der Beantragung von Fördermitteln. Im Mai hatte der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin fast einstimmig die Bistumsleitung zur Erarbeitung eines Klimaschutzkonzeptes nach dem Vorbild des Klimaschutzgesetzes der EKBO aufgefordert. Das Motto: „Erhaltenswerte Immobilien zukunftstauglich machen“.

Oberstes Ziel ist demnach die Reduzierung des Treibhausgasausstoßes, das zu 80 Prozent aus dem Beheizen von kirchlich genutzten Gebäuden stamme. Die Pfarreien sollen prüfen, welche Gebäude noch sinnvoll genutzt werden. „Die Bauabteilung des Erzbischöflichen Ordinariats geht von einer teilweise so geringen Nutzung aus, dass über das gesamte Bistum gerechnet eine Flächenreduktion um 40 Prozent möglich und erforderlich erscheint“, hieß es in der Begründung des Laiengremiums. „Wenn geklärt ist, welche Gebäude für den laufenden Betrieb erhaltenswert sind, müssen diese so ertüchtigt werden, dass sie auf Dauer treibhausgasneutral bewirtschaftet werden können.“

Zur Finanzierung der dafür notwendigen Maßnahmen schlägt der Diözesanrat die Einrichtung eines Klimaschutzfonds durch das Erzbistum mit einem Jahresbudget von 1,5 Millionen Euro vor. Dieser solle dann zum Einsatz kommen, wenn die staatlichen Fördergelder, die vorrangig zu beantragen seien, nicht ausreichten. Um die Pfarreien zu unterstützen, heißt es weiter, müsse den Pfarreien eine professionelle Beratung bei der Beantragung öffentlicher Förderungen zur Verfügung stehen.

Mit Angestellten oder Experten von außen?

„Nicht nur wegen der aktuell rasanten Entwicklung des Klimawandels, sondern auch aus unserem christlichen Glauben heraus sind wir gefordert, uns dem Thema Energieeinsparung zu widmen“, sagte Wolfgang Plehn, Vorsitzender im Diözesanrats- Sachausschuss „Laudato si“.

Im Erzbistum setze man vorrangig darauf, bei den Themen Ökologie und Nachhaltigkeit Fachexpertise von außen einzuholen, sagte Generalvikar Manfred Kollig auf Nachfrage des Tag des Herrn. Bei künftigen Baumaßnahmen werde man zum Beispiel – angeregt auch durch die Diskussionen im Diözesanrat – den Rat von Experten aus Berlin, Potsdam und Eberswalde einholen.

Die Zusammenarbeit mit der EKBO sei dem Erzbistum auch in der Umweltthematik sehr wichtig. Der Arnsteiner Pater verwies auf die bestehende enge Zusammenarbeit beim Sigel „Faire Gemeinde“. Immer wieder mache das Erzbistum deutlich, dass die Kirche „schon alleine auf der Grundlage des biblischen Schöpfungsauftrages ein starkes Engagement im Themenfeld Ökologie und Klimaschutz als wesentliches Element unseres Glaubenszeugnisses“ ansieht. Das Erzbistum habe ein Klimaschutzkonzept, das nicht nur „institutionelle Maßnahmen“ beinhalte. Man wolle jeden einzelnen Menschen durch konkrete Empfehlungen dabei unterstützen, seinen Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten.

Karlies Abmeier, der Vorsitzenden des Berliner Diözesanrats, geht diese Absichtsbekundung nicht weit genug: „Das aus dem Glauben heraus begründete Engagement im Feld Ökologie und Klimaschutz darf nicht bei Worten stehenbleiben“, kommentierte sie. Sie erinnerte daran, dass die Vollversammlung des Diözesanrats die Bistumsleitung schon vor anderthalb Jahren gebeten habe, bis Mitte 2022 ein Konzept vorzulegen, wie das Erzbistum bis 2040 treibhausneutral werden könne.

„Von konkreten Schritten zur Erstellung eines solchen Konzepts haben wir bisher leider nichts gehört. Einzelmaßnahmen können ein umfassendes Konzept nicht ersetzen“, sagt sie. Zu den Eckpunkten für ein Klimaschutzkonzept, die der Diözesanrat im vergangenen Mai erarbeitet habe, gehörte unter anderem die Anstellung einer Person, die sich mit allen Fragen zum Umweltschutz auskennt und die Pfarreien und Gemeinden vor Ort beraten und unterstützen kann.

Bereits im März 2019 habe die AG „Bewahrung der Schöpfung“ mit dem Generalvikar über die Anstellung eines Klimaschutzmanagers gesprochen. Pfarreien und Orte kirchlichen Lebens bräuchten angemessene Beratung und Unterstützung bei der Umsetzung notwendiger Baumaßnahmen und der Beantragung von Fördermitteln, betont Karlies Abmeier. Ehrenamtliche seien zeitlich und fachlich in der Regel überfordert, passende Fördermaßnahmen zu erkennen und die Antragsverfahren zu bewältigen.

„Wir sprechen uns klar für eine ökumenische Zusammenarbeit aus“, bekräftigt Karlies Abmeier. Für den Klimaschutz bei Gebäuden gebe es in beiden Kirchen vergleichbare Aufgaben. Dies sei auch beim Tag der Schöpfung am 18. September deutlich geworden, den der Ökumenische Rat Berlin-Brandenburg ausgerichtet habe. Eine katholische Beteiligung am Umweltbüro der EKBO sei sinnvoll und zudem ein gutes ökumenisches Zeichen.