Leidenschaftlich unauffällig

Im Potsdamer St. Josef-Krankenhaus hat sie 40 Jahre gearbeitet, im Hedwig-Krankenhaus danach 30 Jahre: Sr. Felicitas Lademann.

Schwester Felicitas im St. Hedwig-Krankenhaus ist 98 Jahre alt geworden

Haben Sie schon mal eine Ordensschwester auf Skiern gesehen? Für Schwester Felicitas wäre das keine Frage. Von ihrem großen Bruder hat sie in jungen Jahren die Leidenschaft für das Skilaufen übernommen. Aber es ist nicht ihre einzige Leidenschaft, die sie auszeichnet.

Nach der Schule absolvierte Schwester Felicitas erfolgreich eine Lehre als Bankkauffrau. Mit Zahlen konnte sie also anscheinend ebenso gut umgehen wie mit den Skiern.

Ruf zur Nachfolge war nichts Ungewöhnliches

Aus der Bibel wissen wir, dass Jesus seine Jüngerinnen und Jünger von allen möglichen Orten zusammengesucht hatte: beim Fischen am See, beim Zoll, warum nicht auch auf der Bank.

Der Ruf zur Nachfolge war für Schwester Felicitas nichts Ungewöhnliches. Ihre ältere Schwester sowie drei Tanten hatten sich bereits für ein Leben im Orden entschieden. So reifte auch in ihr die Leidenschaft, Christus als Ordensfrau nachzufolgen und sich für sein Evangelium einzusetzen.

Bemerkenswert ist für mich, dass Schwester Felicitas in den über 70 Jahren, in denen sie nun im Orden lebt, gerade mal an zwei Stellen tätig war: Im Potsdamer St. Josef-Krankenhaus hatte sie 40 Jahre gearbeitet, im Hedwig-Krankenhaus danach 30 Jahre, dort vor allem in der Krankenpflegeschule und in der Patientenaufnahme. Die Tatsache, dass Schwester Felicitas an beiden Stellen so lange gearbeitet hat, spricht für mich eine deutliche Sprache. Ihre fachliche Kompetenz, aber auch ihre freundliche und den Menschen zugewandte Art ist sofort aufgefallen. Mit ihrem leidenschaftlichen Einsatz für die Patientinnen und Patienten, aber auch für die Kolleginnen und Kollegen war sie eine geschätzte Ordensfrau. Ich kann das gut verstehen: Man wollte sie einfach nicht gehen lassen.

Mitarbeiter geben dem Haus eine Seele

In den letzten Jahren hat sich viel verändert, nicht nur in der Welt, sondern auch in der Kirche. Ein großer Teil der Christen hat den Kontakt zu unseren Pfarrgemeinden verloren. Doch neben den Gemeinden gibt es die „Orte kirchlichen Lebens“. Das sind z.B. unsere Kindertagesstätten, katholischen Schulen und Krankenhäuser. Wir haben viel diskutiert, was ein Krankenhaus zu einem Ort kirchlichen Lebens macht. Das Kreuz im Empfangsbereich reicht da allein nicht aus. Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die so einem Haus eine Seele geben, unauffällig und leidenschaftlich – wie Schwester Felicitas.