Leuchter statt Thermoskanne

Joachim Opahle an seinem langjährigen Arbeitsplatz im Erzbischöflichen Ordinariat. Hier nimmt er zum Beispiel Beiträge für das „Wort zum Tage“ im RBB auf.

Fast 30 Jahre lang hat Joachim Opahle (65) als Leiter der Rundfunkarbeit die Medienpräsenz der Kirche im Erzbistum geprägt. Seit Anfang Juni ist er im Ruhestand. Dass Kirche weit ausstrahlt, bleibt ihm ein Anliegen.

Die frohe Botschaft von den Dächern verkünden, das Licht auf den Leuchter stellen – diese biblischen Bilder haben Joachim Opahle beflügelt in Jahrzehnten der Verantwortung für kirchliche Medienarbeit. Unter haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmitarbeitern, die er dafür gewinnen wollte, ihren Glauben im Radio oder Fernsehen zu bezeugen, stieß er dagegen oft auf ein kirchliches Selbstverständnis, das er mit der gänzlich unbiblischen „Thermoskanne“ vergleicht: „Man schirmt sich nach außen ab, innen wärmt man sich gegenseitig.“

Thermoskannen-Katholiken können im Radio kein „Wort zum Tage“ und keinen „Abendsegen“ sprechen. Sie hätten „mit ihren eigenen Leuten genug zu tun“, lautet ein gängiges Abwehr-Argument. Sie winken ab, wenn sie gebeten werden, einen Gottesdienst aus ihrer Pfarrkirche zu übertragen. Man wisse ja gar nicht, wer da überhaupt mitbetet. Manche meinen auch, Hörfunkund Fernsehgottesdienste beschleunigten den Abwärtstrend beim Sonntags-Kirchgang. Kirche, die im „Prinzip Thermoskanne“ verharrt, wird verschwinden, ist Joachim Opahle überzeugt. Im Erzbistum Berlin und zuvor im Bistum Bamberg hat der Theologe Pionierarbeit geleistet, damit Kirche auch in den entstehenden Privatsendern mit passenden Formaten präsent ist.

Der Wandel zu einer vielfältigeren Medienlandschaft, der in Bayern Anfang der 1990er Jahre weitgehend abgeschlossen war, hatte in Berlin erst begonnen, als Joachim Opahle „dem Sog nach Osten folgend“ mit seiner Familie hierherkam. Gemeinsam mit dem evangelischen „Fernsehpfarrer“ Jürgen Fliege sprach er bei den Wellenchefs der Sender vor.

Verständlich reden und Fragen beantworten, die Menschen wirklich haben

„Wir senden eure Beiträge nur, wenn ihr Qualität bietet“, bekamen sie von öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten und erst recht von den privaten signalisiert. Verständlich sollten die Kirchenleute sprechen und so, dass auch Kirchenfremde daraus inneren Gewinn ziehen können, Lebenshilfe geben. Trösten. Ermutigen. Andernfalls wurden die Verkündigungsbeiträge auf unattraktive Sendeplätze verschoben oder komplett aus dem Programm gestrichen.

Die Beiträge vermittelten nicht den Eindruck, die Kirche sei für die Menschen relevant, begründete einmal eine Privatsender- Chefin, dass sie die kirchlichen Sendezeiten beschnitt: „Sie beantworten Fragen, die niemand gestellt hat.“

Für Joachim Opahle waren derlei Rückmeldungen weniger Ärgernis als wertvolle Messlatte, an der sich ablesen ließ, wie die Kirche ihrem Sendungsauftrag noch besser gerecht werden könnte. Besonders gut waren Kirchenvertreter im Radio seiner Einschätzung nach in akuten Krisen wie nach dem Anschlag 2016 auf dem Berliner Breitscheidplatz. „Wo andere verstummen, haben auch wir keine geschliffenen Antworten parat, aber wir können – manchmal stammelnd – zum Ausdruck bringen, dass wir die Sorgen, Nöte und Ängste der Menschen teilen.“

Er ist überzeugt: Die Gottesdienstübertragungen hätten auch zu Qualitätsverbesserung kirchlicher Arbeit beigetragen. Die sorgfältigere Vorbereitung auf Predigt, Textauswahl und musikalische Gestaltung zahle sich aus. Und in der Gemeinde wachse das Bewusstsein, dass eine schöne und stimmige liturgische Feier Glaubenszeugnis und „Medienseelsorge“ ist.

Kirche im Erzbistum darf in Radio und Fernsehen viele Sendeplätze füllen

Dass Gemeinden in Berlin und Brandenburg dazu häufiger die Chance haben als in volkskirchlich katholischen Gebieten Westdeutschlands, ist nicht zuletzt Joachim Opahles Engagement bei den Vertragsverhandlungen zu verdanken. Im RBB-Hörfunk wird – trotz des hohen Aufwands, der für den Sender damit verbunden ist – jeden Sonntag ein Gottesdienst übertragen, abwechselnd evangelisch und katholisch. Hinzu kommen ein jährlicher Fernsehgottesdienst im RBB sowie drei bis vier Hörfunkgottesdienste im Deutschlandfunk.

Und wenn ein Pfarrer oder eine Gemeindereferentin Angst zeigten, sich einer unbekannten Hörergemeinde auszusetzen, hat Joachim Opahle versucht, Mut zu machen. „Wagen wir doch etwas, auch wenn wir dabei Fehler machen und nicht nur Erfolge haben!“

Ihn selbst ermutigen dankbare Hörer-Reaktionen und Aussagen wie diese, vor einiger Zeit in einem Lifestyle-Magazin entdeckte: Er koche sich privat sonntags gerne auch einmal etwas Gutes, verriet ein prominenter Koch. Dabei höre er Gottesdienste im Radio, denn „die haben immer so eine hohe Qualität.“

Als Chance, die der Kirche anderswo in Deutschland nicht eingeräumt wird, sieht der Senderbeauftragte auch den wöchentlichen RBB-Hörfunksendeplatz „Wort des Bischofs“, im Wechsel evangelisch und katholisch. Die Bischöfe äußern sich dort auch zu aktuellen gesellschaftlichen und ethischen Fragen. Darüber hinaus hat Joachim Opahle Verkündigungsformate entwickelt, die sich zum Teil seit Jahrzehnten halten.

Im Rundfunk können Christen einen Dienst an der Gesellschaft leisten

„Apropros Sonntag“ heißt zum Beispiel eine viertelstündige Magazinsendung auf Antenne Brandenburg. Dort werden – wie übrigens auch in den anderen Formaten – keine innerkirchlichen Streitthemen präsentiert. In unterhaltsamer Weise wird aus dem kirchlichen Alltag berichtet, über soziales Engagement, kirchliche Feste oder Brauchtum.

„Hörern, denen der christliche Glaube fern liegt, sollten wir ihn freundlich anbieten und zeigen, dass er das Leben schöner machen kann“, meint Joachim Opahle. Es dürfe durchaus humorvoll, mit Augenzwinkern, verkündigt werden, ob bei den „Worten zum Tage“ oder beim „Wort zum Sonntag“ in der ARD. Wer ihn bei der Arbeit erlebt, der spürt, dass es ihm selbst Freude macht, Verkündigungssendungen zu konzipieren, sie umzusetzen und die Autoren zu begleiten.

Insgesamt sind es rund sechs Stunden katholisches Programm pro Monat, die von Berlin aus in diversen Hörfunkwellen verantwortet werden. Als „Dienst an der Gesellschaft“ betrachtet es Joachim Opahle.

Dass sich die Kirche diesem Dienst weiter stellt, auch in der sich weiter verändernden Medienlandschaft, wünscht er sich. Weil es eine großartige Chance ist, „von den Dächern zu rufen“, was Christus der Kirche anvertraut hat. Jenes Wort, nach dem sich der Mensch sehnt.