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Mit dem Glauben als Motor

Gastfreundschaft in der Seituna-Moschee in Charlottenburg. | Fotos: Lange Nacht der Religionen

Am 15. Juni fand in Berlin bereits zum achten Mal die „Lange Nacht der Religionen“ statt. 79 Religionsgemeinschaften öffneten die Türen ihrer Gebets-, Gottes- oder Gemeindehäuser.

400 Menschen kamen zur Auftaktveranstaltung der Langen Nacht der Religionen bei schönstem Wetter auf dem Gendarmenmarkt zusammen. Pfarrerin Meike Waechter von der Französischen Kirche erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass der Bau der Kirche und des Französischen Doms auf französische Glaubensflüchtlinge zurückgeht. Auch heute dürfe die Unterstützung von geflüchteten Menschen nicht fehlen. Peter Amsler, Vorsitzender des Initiativkreises der Langen Nacht der Religionen, wies in seinem Grußwort darauf hin, dass Religionsgemeinschaften nicht nur Räume für das eigene Wachstum schaffen, sondern auch als Ressource für die Gesellschaft dienen.

Zusammenhalt, Achtung und Respekt

Eröffnet wurde die Lange Nacht der Religionen durch Bürgermeister Klaus Lederer. Er bedankte sich zunächst bei den Ehrenamtlichen, die kontinuierlich im Hintergrund aktiv sind und dieses Ereignis ermöglichen. Inzwischen sei die Lange Nacht der Religionen nicht nur aus dem Veranstaltungskalender Berlins nicht mehr wegzudenken, sondern auch ein „Exportschlager“. Mit ihrer Zusammenarbeit wollen die Religionsgemeinschaften in Berlin etwas erreichen, fügte Lederer hinzu: Gesellschaftlichen Zusammenhalt, Achtung und Respekt vor der Unterschiedlichkeit und der Pluralität von Lebensentwürfen, Solidarität mit denen, die verfolgt oder angefeindet werden und die Verteidigung der Religionsfreiheit gegen alle, die dieses Grundrecht derzeit in Frage stellen.

Nach einem Intermezzo der AG „Musik der Religionen“ reinigten Vertreter der Candomblé-Religion, begleitet durch Trommelmusik und Tänze, die Treppenstufen des Französischen Doms im Rahmen ihres Wasser-Rituals. Alexandra Stellmacher, Koordinatorin der Langen Nacht der Religionen, zeigte sich angetan von der heiteren Stimmung und den vielfältigen Gesprächen bei der gut besuchten Auftaktveranstaltung. Ihr Plan für die Lange Nacht? „Heute zieht es mich zunächst zu den Paganen (von lateinisch paganus: heidnisch) Wegen und Gemeinschaften. Was danach kommt, weiß ich noch nicht.“

Erfreulich offene und herzliche Begegnungen

79 verschiedene religiöse Gemeinschaften, spirituelle Gruppen oder interreligiöse Initiativen öffneten dieses Jahr mit unterschiedlichsten Angeboten ihre Gebets-, Gottes oder Gemeindehäuser für interessierte Menschen. „Etwa 6000 Menschen folgten diesen Einladungen“, teilte Michael Bäumer, Geschäftsführer des Berliner Forums der Religionen, am Montag mit. „Trotz der Konkurrenz durch die Lange Nacht der Wissenschaften und 48 Stunden Neukölln konnte doch eine große Menge angesprochen werden.“

Viele Gemeinschaften berichteten von erfreulichen, offenen und herzlichen Begegnungen und beschrieben die Stimmung als harmonisch, fröhlich und besinnlich. Peter Amsler und seine Zehlendorfer Bahai-Gemeinde nahmen das Motto „Wasser des Lebens“ wörtlich: Sie reinigten See und Grünanlagen des Fischtalparks und erfreuten sich anschließend an Basteleien und Picknick. Sein Resümee nach einer langen und inspirierenden Nacht: „Kirchen, Religionsgemeinschaften und interreligiöse Vereinigungen haben wieder ein sichtbares Zeichen für die religiöse Vielfalt Berlins gesetzt. Die herzlichen Begegnungen haben mir erneut gezeigt, dass wir mit dem Glauben als Motor viel erreichen können.“