Mit Tiefgang auf der SpreeDas Kirchenschiff auf dem Kirchentag

Foto: Cornelia Klaebe

Ein Beitrag des Erzbistums Berlin zum Kirchentag war ungewöhnlich und vielleicht gerade deshalb ein Renner: Mit dem „Kirchenschiff“ Belvedere erwartete die Besucher ein abwechslungsreiches Programm.

„Der ist doch katholisch, oder?“ Das hatte der Fahrgast nicht erwartet: Dass der Stadtführer mit der Zieharmonika auf dem „Kirchenschiff“ ein Domkapitular aus St. Hedwig ist. Die gelben Transparente am Anleger hinter dem Berliner Dom hatte er wohl übersehen: Deutlich steht dort: „Erzbistum Berlin.“ „Wir sind gezielt hergekommen, weil wir Berlin nicht kennen“, erzählt Jutta Klug aus der Nähe von Köln. Nach Obama wollten sie und ihr Mann die Hauptstadt sehen. Für sie ist es „völlig normal“, dass im Sinne der Ökumene die katholische Kirche den Programmpunkt anbietet.

Gute-Laune-Garant mit Liedern und Geschichten

„Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft“, singen die Besucher fröhlich, obwohl viele die orangefarbenen Schals wegen des frischen Berliner Lüftchens enger um den Hals ziehen. Mit Prälat Stefan Dybowski haben sie einen Gute-Laune- Garant erwischt: Auf drei Fahrten während des Kirchentags präsentiert er Lieder zum Mitsingen, Geschichten mit Tiefgang und einige Hintergründe zu seiner Heimatstadt. Solange das Schiff seine Route vom evangelischen Berliner Dom über die Museumsinsel zum Bundeskanzleramt folgt und dort dreht, unterhält und inspiriert Dybowski sein Publikum. „Bis zu 270 Fahrgäste können wir pro Fahrt mitnehmen“, erklärt Hauptorganisator Konstantin Manthey, sonst Referent der Katholischen Akademie. Das macht für alle Fahrten eine Kapazität von über 4000 Menschen, die dieses Angebot nutzen könnten. Parallel zum Auftritt von Barack Obama wäre zwar noch Platz gewesen, die meisten Fahrten – vor allem, wenn sich die Sonne zeigt – werden aber als „ausgebucht“ gemeldet.

Begehrt: Schifffahrt mit dem Erzbischof

Das Programm ist dabei mannigfaltig: Während manchmal eben „das Schiff singt“, gibt es abends auf der letzten Fahrt stets „Gespräche unter Deck“ als Angebot der Katholischen Akademie, tagsüber aber auch Führungen unter dem Titel „Offensichtlich unsichtbar“ oder „Der Berliner Himmel“, die sich mit der Gastgeberstadt befassen. „Für die Fahrt mit Erzbischof Koch hatten wir auch telefonische Anfragen, etwa ob wir 12 Plätze reservieren könnten“, zeigt Manthey auf, wie begehrt auch die Fahrt mit dem katholischen Hirten bei den evangelischen Gästen ist. Und auch die Medien sind an seiner Fahrt besonders interessiert.

Die Belvedere fährt am Reichstag vorbei. Prälat Dybowski liest gerade vor: Von den Pinguinen aus dem Buch „An der Arche um Acht“, die sich nicht damit abfinden wollen, dass sie nur zu zweit bei Noah mitfahren dürfen und ihren Freund im Koffer mit auf das berühmteste Schiff der Bibel schmuggeln. Immer wieder lachen die Zuhörer und bekommen erst nach einiger Zeit mit, dass auch dieses Buch mit dem Kirchentagsmotto „Du siehst mich“ zu tun hat: Als nämlich Gott auf augenzwinkernde Weise zeigt, dass selbst der kleine Pinguin im Koffer ihm nicht verborgen ist.

Wie im Flug vergeht die Stunde an Bord. Auf dem Rückweg machen sich die Gäste mit „Pack die Badehose ein“ zum Klang des Schifferklaviers warme Gedanken. Unter den Brücken hören sich die Sänger durch den zurückgeworfenen Schall viel lauter. Als es dann Zeit ist, von Bord zu gehen, strahlen viele: „Das war richtig schön!“ Und an Land stehen schon wieder etliche Menschen an – für die nächste Fahrt.