„Modellregion für den Glauben“Christian Berkenkopf ist neuer Hochschulseelsorger und Propsteimitarbeiter in Greifswald

In der Diaspora erklären, was Kirche tut – das will Christian Berkenkopf. Foto: Anja Goritzka

Greifswald. Er sieht sich als Öffentlichkeitsarbeiter für die Kirche und als Netzwerker: Seit Juni ist Christian Berkenkopf Mitarbeiter in Propstei und Hochschulseelsorge in Greifswald. Die Diaspora ist für den Sauerländer eine neue Herausforderung.

„Moraltheologie hat einen starken Gegenwartsbezug, gerade wenn ich in die Bereiche der Umwelt- oder Bioethik schaue oder auch ins Thema Organspende“, ist Christian Berkenkopf überzeugt. Der Theologe arbeitet seit Juni 2016 in der Propstei Greifswald in Vorpommern zusammen mit Propst Frank Hoffmann im politischen als auch im Bereich der Hochschulseelsorge. Denn gerade diese umfasst weitaus mehr als nur die Katholische Studentengemeinde St. Augustinus (KSG). Zudem sieht er seine neue Arbeit als Öffentlichkeitsarbeit und Übersetzungsleistung innerhalb der Gesellschaft: „Es stellt sich die Frage, wie ich in der Diaspora erkläre, was Kirche tut.“

Moraltheologie und interreligiöse Fragen

Veränderungen und Herausforderungen dieser Art mag der 34-Jährige, der zuvor an der Ruhr- Universität Bochum tätig war. Ursprünglich stammt Christian Berkenkopf aus dem Sauerland, wuchs dort in einer sehr katholischen Gegend auf. Durch Kontakte zu Priestern wäre das Priesteramt für ihn auch eine Option gewesen. „Es kristallisierte sich während des Studiums aber heraus, dass ich lieber als Laie arbeite“, meint er heute. Aber auch von der Arbeit als Pastoralreferent nahm er später Abstand und entschied sich für die Promotion im Fach Moraltheologie. In Bochum befasste er sich auch mit interreligiösen Fragestellungen, also mit dem Miteinander der Religionen im Ruhrgebiet. Durch seine Tätigkeiten als wissenschaftlicher Mitarbeiter und innerhalb der Studienberatung erfolgte immer eine Rückkopplung an das universitäre Lernen und Lehren.

Ebenso wichtig wie das Studium war und ist ihm aber auch sein persönlicher Glaube: „Theologie kann nicht ohne oder gegen die Kirche betrieben werden, sie ist Teil der Kirche.“ Gerade die Gemeinschaft und die Eucharistie sind ihm deshalb wichtig. Aber auch die theologische Auseinandersetzung mit religiöser Kultur war Bestandteil seiner Arbeit in Bochum. So organisierte er im Kulturhauptstadtjahr 2010 die Gottesdienste in der Kunstkirche Christkönig mit. „Spiritualität lässt sich von verschiedenen Quellen speisen. Kunst und Musik setzen einen in Bewegung, Antworten des Glaubens zu suchen“, ist er überzeugt.

Als seine Frau letztes Jahr den Ruf erhielt, als Juniorprofessorin an der Greifswalder Ernst-Moritz- Arndt Universität tätig zu sein, war klar, dass Christian Berkenkopf mitzieht. „Unser Sohn ist jetzt zwei Jahre. Ein Pendeln konnten wir uns nicht vorstellen“, erzählt der Familienvater. Die neue Stelle für die Propstei St. Joseph in Greifswald kam da wie gerufen. Viele Freunde waren jedoch überrascht. „Was willst du da?, war die häufigste Frage. Dabei ist das hier Modellregion in Sachen katholischen Glauben leben“, ist er überzeugt. So gebe es hier nicht so viele gefestigte Strukturen, die vom Abbau bedroht sind. „Das hohe Engagement der Gläubigen selbst ist nicht so stark institutionalisiert. Es ist spannend zu sehen, wie man hier Dinge ins Laufen bringt“, ergänzt Berkenkopf und führt als Beispiel die gemeinsame Firmung aller Firmlinge des Dekanats Vorpommern im Juni in Greifswald an. Seine Arbeit sieht er vor allem als Vernetzungsarbeit: „Wir wollen wahrgenommen werden und ansprechbar sein für die Fragen aus Politik, Gesellschaft und Universität.“

Ein Raum, den man selbst gestalten kann

Zusätzlich kann er die nötige Mitarbeit im politischen Bereich für Propst Frank Hoffmann leisten, der in dieser Funktion das Erzbistum Berlin auch bei der Landesregierung Mecklenburg- Vorpommerns vertritt. „Dazu werde ich zusammen mit ihm ganz genau ins Dekanat Vorpommern hineinhorchen, die Belange mit dem katholischen Büro der Landesregierung in Schwerin kommunizieren und uns eng mit dem Erzbischöflichen Ordinariat in Berlin besprechen“, erklärt er weiter. Spannend findet er seine neuen Aufgaben, denn so sei gerade eine Propstei ein Raum, den man selbst gestalten und mit Leben füllen könne, ganz besonders im derzeitigen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“.