Neue offene Ohren in der Stadt

Foto: Geneviève Hesse

Ein katholischer und ein evangelischer Träger bieten seit Juni einmal im Monat psychologische Beratung an der Gedächtniskirche in Berlin an. Jeder ist willkommen und kann sich kostenlos und anonym helfen lassen.

Jeden ersten Dienstag im Monat wird in Zukunft ein Aufsteller auf dem Bürgersteig vor der Gedächtniskirche zur kostenlosen, psychologischen Beratung einladen. Zwischen 17 und 19 Uhr warten zwei ehrenamtliche, seelsorgerisch oder psychologisch ausgebildete Berater auf „alle Menschen, die kommen möchten – unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Hintergrund“, so Dorothea Strauß, Leiterin der 2016 gegründeten City-Seelsorge.

Wer möchte, drückt an einer Klingel an der kleinen Tür hinter dem modernen Gebäude des Touristenmagnets und wird ohne weitere Formalitäten sofort beraten. „Qualifiziert, Kostenlos, Anonym“, steht auf dem Plakat am Eingang. „Spenden sind aber willkommen“, ergänzt Strauß. Das neue, niedrigschwellige Angebot ist in Kooperation mit dem katholischen Verein „Die Offene Tür Berlin“ entstanden, der seit vielen Jahren ein ähnliches Beratungsangebot in Prenzlauer Berg anbietet – allerdings kontinuierlich einmal pro Woche.

Lebensberatung bei kleinen und großen Sorgen

„Im Ostteil der Stadt gibt es schon zwei Angebote von Lebensberatung am Berliner Dom und bei der Offenen Tür Berlin. Es fehlte ein Projekt in der City – außerdem sind wir ein ökumenisches Team“, beschreibt Dorothea Strauß die Entstehung des Konzepts. „Es ist eine psychologische Erste-Hilfe für Menschen wie sie und mich“, betont die Supervisorin Susanne Alpers, die parallell zu ihrem Beruf ehrenamtlich im neuen Projekt arbeitet.

„Wir sind für alle einmalig da. Wenn jemand ein zweites Mal kommt, werden wir ihn natürlich nicht zurückschicken. Aber es soll keine dauerhafte Begleitung werden“. Die kurzfristige Beratung soll eher dazu dienen, den Weg zu den anderen, zahlreichen Beratungsstellen der Stadt zu ebnen. „Wir versprechen keine sofortige Problemlösung, aber ein offenes Ohr – das hilft meistens schon sehr“, weiß die City-Pfarrerin Strauß, die außerdem ausgebildete Supervisorin ist. Eher als mit Touristen rechnet das Team mit Menschen, die nicht lange auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten möchten.

„Westberliner haben jetzt einen kurzen Weg, wenn es um kleine oder große Sorgen geht“, sagt Susanne Alpers. Ihr gefällt es, dass sie so unkompliziert spontane Hilfe leisten kann: „Das Leben ist ein Geben und Nehmen. Ich schaue, dass ich etwas an die zurückgebe, denen es gerade schlecht geht.“ „Das Team aus so vielen hochqualifizierten Menschen“ betrachtet die Leiterin der Offenen Tür Berlin, Gabriele Vitt-Urbatzka als „ein großes Glück“. An so zentraler Stelle in der Stadt rechnet sie bald mit steigenden Besucherzahlen.

Psychologische Einzel- und Lebensberatung, am 1. Dienstag im Monat von 17 bis 19 Uhr, ohne Anmeldung, im Foyer hinter der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz,
Informationen: 0 30 / 31 10 22 20