Offene Ohren und Türen

In ihrer Kerzenwerkstatt kann jeder vorbeikommen – vor allem zum Reden. Regina Dudyka findet hier Entspannung. Foto: Thomas Marin

Mit der Hedwigsmedaille – der höchsten Auszeichnung für Laien im Erzbistum – wurden zum Jahresanfang sechs Katholiken geehrt. Der Tag des Herrn stellt sie in lockerer Folge vor. Heute: Regina Dudyka aus Wandlitz.

Wenn von Wandlitz die Rede ist, geht es oft um den früheren Wohnsitz der DDR-Regierenden oder um Ausflüge in die reizvolle Berliner Umgebung. Wird Wandlitz mit dem Stichwort „katholisch“ verbunden, kommt man um den Namen Dudyka nicht herum. Seit 42 Jahren leben Regina Dudyka und ihr Mann Peter im Pfarrhaus der kleinen Gemeinde St. Konrad von Parzham, die seit Jahren zur Pfarrei Bernau gehört. Wenn die Wandlitzer Katholiken heute eine lebendige Gemeinschaft mit für Brandenburger Verhältnisse erstaunlicher Außenwirkung sind, ist dies vor allem das Verdienst der beiden. Auch Erzbischof Heiner Koch hat davon erfahren und Regina Dudyka mit der bronzenen Hedwigsmedaille ausgezeichnet.

Ohne Dudykas wäre St. Konrad nicht so lebendig

Regina Dudyka wehrt ein wenig ab, wenn sie auf die Auszeichnung angesprochen wird. Ihr Mann Peter, seit fast 25 Jahren Ständiger Diakon in der Gemeinde, wird im Urkundentext mitgenannt, was ihr aber nicht reicht. Viele Ehrenamtliche wirken in der Gemeinde, „nicht erst jetzt, sondern schon seit vielen Jahren“, betont sie und will die Auszeichnung stellvertretend für die vielen Engagierten verstehen. Ohne Dudykas wäre St. Konrad aber heute nicht ein derart lebendiger Ort des Glaubens und der Begegnungen, die weit über den Kreis der Katholiken hinausgehen.

Aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Pasewalk stammend, hat Regina Dudyka in ihrer Kindheit die Schwierigkeiten der Diaspora erlebt. In der Familie, durch eine Ordensschwester und den Pfarrer der St. Otto- Gemeinde hat sie aber auch Stärkung im Glauben erfahren. Persönlich vor Ort ansprechbar zu sein, ist ihr bis heute in der Gemeindearbeit wichtig geblieben. Zur Ausbildung ging sie in das katholische Kindergärtnerinnenseminar nach Michendorf. Der spätere Weihbischof Wolfgang Weider war hier Religionslehrer, Dominikanerinnen ihre Begleiterinnen. Die erste Anstellung als Caritas-Kindergärtnerin in Stahnsdorf führte zur Begegnung mit Peter. 1975 heirateten sie in der noch nicht ganz fertiggestellten Stahnsdorfer Kirche, an der beide mitgebaut hatten. Die Geburt des ersten Sohnes mit schweren körperlichen Behinderungen brachte neue Herausforderungen. Wolfgang Weider vermittelte die Wohnung im leerstehenden Wandlitzer Pfarrhaus und blieb der Familie bis heute freundschaftlich verbunden. Die baulichen Verhältnisse waren allerdings anfangs nicht nur für die Familie unzulänglich. Die kleine Gemeinde – anfangs reichte die Sakristei statt der schlecht heizbaren Kirche für die Sonntagsmesse – scharte sich um die Familie, renovierte in Eigenleistung Pfarrhaus und Kirche und fand sich zu einer lebendigen Gemeinschaft zusammen.

„Herausragende Rolle“ für den Ort Wandlitz

Mit dem Mauerfall begann ein neues Kapitel im Leben Regina Dudykas und ihrer Familie. Der einsetzende Zuzug von Gläubigen aus Berlin und anderswo verlangte offene Ohren und Türen. Mit der Einrichtung des Religionsunterrichts an den öffentlichen Schulen engagierte sich Dudyka im gesamten Bernauer Pfarrgebiet, vermittelte und unterrichtete selbst. Regina und Peter Dudyka hielten Kontakte zu den Familien und den Behörden. Offene Veranstaltungsformate üben bis heute eine große Anziehungskraft über die Pfarrgrenzen hinaus aus. Allein der Kinderkirchentag, den Regina und Peter Dudyka in diesem Jahr zum 16. Mal organisieren, lockt längst nicht nur Katholiken aus der weiteren Umgebung an.

Die katholische Gemeinde spielt für den Ort Wandlitz eine herausragende Rolle, bescheinigte auch der Bürgermeister den Gläubigen. Regina Dudyka, ihr Mann und ihre Söhne haben daran entscheidenden Anteil, nicht zuletzt in der Flüchtlingsarbeit bis hin zum Kirchenasyl. Auch in den politischen Gremien sind sie aktiv, etwa am Runden Tisch. Für Regina Dudyka zählt aber vor allem, für die Menschen erreichbar zu sein. Dafür hält sie auch im Ruhestand die Türen offen. „Eigentlich mache ich weiter wie vorher“, sagt die 66-Jährige. Und zur Entspannung widmet sie sich ihrem Hobby, der Kerzenwerkstatt im Gemeindehaus. Dass hier jeder kommen kann, zum Kerzenziehen und -verzieren, aber vor allem zum Reden, ist ihr wichtig.