Raum und Zeit für Trauer

Friedhofsleiter Timo Viecens, Oberbürgermeister Alexander Badrow, Martina Steinfurth und Pfarrer Johannes Schaan enthüllen das Aushängeschild des „Café Vergissmeinnicht“. Foto: Anja Goritzka

Am Haupteingang des Stralsunder Friedhofs haben die Lazarusdienste am Volkstrauertag das „Café Vergissmeinnicht“ eröffnet. Zweimal pro Woche haben Ehrenamtliche hier ein offenes Ohr für die Friedhofsbesucher.

Auf dem Zentralfriedhof von Stralsund ist am 14. November das Café „Vergissmeinnicht“ eröffnet worden. Zweimal in der Woche sind hier Ehrenamtliche der Lazarusdienste gesprächsbereit für alle Besucher, unabhängig von Religion und Weltanschauung.

„Unsere Mitarbeiter sind manchmal mit der Trauer, die uns begegnet, überfordert. Sie sind nicht die richtigen Ansprechpartner“, sagt Timo Viecens, Leiter des Stralsunder Friedhofs. Er freut sich über die Initiative der Lazarusdienste, am Haupteingang des Friedhofs mit dem Café Vergissmeinnicht einen Gesprächsort zu schaffen. Am Volkstrauertag hat das Café zusammen mit dem Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow, mit Martina Steinfurth von den Lazarusdiensten und dem katholischen Pfarrer Johannes Schaan eröffnet. Das Besondere: Jeden Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr öffnen Ehrenamtliche das kleine Häuschen, bieten Kaffee, Kuchen und Kekse auf Spendenbasis und vor allem Raum für Gespräche und ein Ohr für die Besucher, unabhängig von ihrer Religion und Weltanschauung.

Das Häuschen am Eingang stand lange leer

Das Team von 24 Ehrenamtlichen ist speziell zur Trauerbegleitung ausgebildet. Sie engagieren sich im ökumenischen Hospizdienst der Caritas vor Ort oder bei den Lazarusdiensten der katholischen Pfarrei St. Bernhard Stralsund, Rügen, Demmin. Diese hat die Lazarusdienste in Stralsund ins Leben gerufen. Sie bieten seit 2020 Beistand für Menschen in schwierigen Lebenssituationen, Seelsorge und Begleitung bei Krankheit und Tod. Darüber hinaus wird unterschiedliche Hilfe vermittelt. Das Café entstand nun in Kooperation mit der Caritas Vorpommern, dem Erzbistum Berlin und der Hansestadt Stralsund.
Die Idee zu dem offenen Angebot am Haupteingang des Friedhofes hatte Martina Steinfurth von den Lazarusdiensten im Sommer dieses Jahres. „Wir arbeiten im Sternenkinderprojekt gut mit der Friedhofsleitung zusammen. Das Häuschen direkt am Eingang stand lange leer. Da kam mir die Idee für eine Anlaufstelle“, erzählt sie. Jetzt konnte das Café starten. „Wir dürfen diesen Raum kostenlos nutzen, zahlen nur die Nebenkosten, erstmal auf Probe für ein Jahr“, berichtet Martina Steinfurth weiter.
„Gott vergisst keinen Menschen“

Das Erzbistum Berlin unterstützt das Projekt, die Caritas Altenhilfe gab eine Spende und die Caritas im Erzbistum Berlin sorgte für die Inneneinrichtung mitsamt Kühlschrank, Spülmaschine und Waschbecken. 16 Plätze laden jetzt die Friedhofsbesucher zum Verweilen ein. Der Name für das Café wurde durch eine Umfrage gefunden.

„Trauer braucht Kultur, Raum und vor allem Zeit“, ist auch Andreas Hampel von der Caritas in Vorpommern überzeugt. Raum und Zeit bieten in Mecklenburg-Vorpommern auch andere Trauercafés, die aber nicht wöchentlich öffnen. Ein Friedhofscafé ist daher einzigartig. „Gott vergisst keinen Menschen“, so Pfarrer Johannes Schaan bei der Eröffnung. Er sieht das Café als einen Ort der Gastfreundschaft, an dem Menschen so angenommen werden, wie sie sind.

Die Lazarusdienste planen neben den regelmäßigen Öffnungszeiten auch Veranstaltungen. „Bei der geplanten Veranstaltung zum Totensonntag können wir unterstützen. Aber auch bei der einmal im Jahr stattfindenden Bestattung von Sternenkindern oder bei der Gedenkveranstaltung für Verstorbene ohne Angehörige können wir das Häuschen jetzt nutzen“, berichtet Martina Steinfurth. Auch Lesungen könne sie sich im Café „Vergissmeinnicht“ vorstellen.