Ruft Gott oder die Gemeinde?

Foto: Matthias Holluba

Das Amtsverständnis gehört zu den bisher ungeklärten Themen des ökumenischen Gesprächs. Im Rahmen des Dorfkirchensommers sprachen die Bischöfe Koch und Dröge über ihr Verständnis von „Weihe und Ordination“.

So tief lassen Bischöfe selten in ihr Inneres blicken: Das Gespräch über ihr Verständnis von „Weihe und Ordination“ in der kleinen Dorfkirche in Wustrau begannen Erzbischof Heiner Koch und sein evangelischer Kollege, Bischof Markus Dröge, mit der Schilderung ihres persönlichen Entscheidungsweges. Der entscheidende Anstoß für Heiner Koch, den Weg zum Priestertum einzuschlagen, war der Krebstod seines Schwagers: „Ich habe ihn bewundert, wie gläubig und vertrauensvoll er sein Sterben gelebt hat. Und dann hab ich mich gefragt: Was willst du aus deinem Leben machen?“

Im Leben des jungen Markus Dröge war das einschneidende Erlebnis eine nicht bestandene Prüfung als Kriegdienstverweigerer. Die Prüfungskommission hat ihm nicht abgenommen, dass er aus christlicher Motivation heraus den Wehrdienst verweigern wollte. „Da hab ich mir gesagt: Du musst etwas tun, damit du als Christ glaubwürdig wirst.“ Sein daraus folgendes christliches Engagement und die Beschäftigung mit Dietrich Bonhoeffer führten schließlich dazu, dass ihn jemand fragte, ob er schon einmal darüber nachgedacht habe, Pfarrer zu werden.

Der Priester stellt Christus dar

Bei allen ökumenischen Fortschritten der letzten Jahrzehnte gehört das Verständnis von Weihe und Ordination, das Amtsverständnis, zu den großen, noch trennenden Themen zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Trotzdem zeigte das Gespräch der beiden Berliner Bischöfe auch Annäherungen. Bischof Dröge: „Man kann heute nicht mehr sagen, die katholischen Priester werden von Gott berufen
und unsere evangelischen Geistlichen von der Gemeinde.“

Dröge verwies auf das Augsburger Bekenntnis, die grundlegende lutherische Bekenntnisschrift: „Darin stehe, dass von Gott ein Amt eingesetzt wurde, das Evangelium zu predigen und die Sakramente zu verkündigen. Wir Evangelischen fühlen uns also von Gott berufen, brauchen aber auch von außen Leute, die sagen, du bist der Richtige.“ Mit Blick auf das katholische Weiheverständnis verwies Erzbischof Koch darauf, dass Gott Menschen in eine heilige Wirklichkeit hinein rufe: „In der Weihe werden Menschen bestellt, Christus darzustellen – im Gegenüber und im Voraus der Gemeinde, aber zugleich als Teil der Gemeinde.“

Die Kirche führe fort, was Gott in Jesus Christus begonnen hat und der Priester tue das, was Jesus getan hat. Dieses sakramentale Verständnis berge allerdings eine Gefahr: dass man nötige Korrekturen nicht mehr sieht. Priester könnten aus dem Gegenüber zur Gemeinde einen Machtanspruch erwachsen lassen. Deshalb seien auch in der katholische Kirche die Bibel und die Gemeinde als Gemeinschaft aller Getauften ein notwendiges kritisches Gegenüber zum Amt. Bischof Dröge erinnerte an die reformatorische Grunderfahrung, dass die Bischöfe jener Zeit eben nicht in Treue zu ihrer Tradition gelebt haben.

Deshalb haben die Reformatoren von der Bibel her das Amt kritisiert. Von der katholischen Kirche wünsche er sich im heutigen theologischen Gespräch, „dass sie auch in unserem Amtsverständnis die apostolische Tradition bewahrt sieht“. Erzbischof Koch zeigte sich zuversichtlich, „dass man bei näherem Hinsehen gemeinsame Schichten im evangelischen und katholischen Amtsverständnis“ finden könne.

Eucharistieverständnis und Weltkirche

In der anschließenden Diskussion mit den rund 50 Besuchern dieser Veranstaltung des brandenburgischen Dorfkirchensommers zeigte sich Erzbischof Koch zurückhaltend mit Blick auf den
gemeinsamen Kommunionempfang konfessionsverschiedener Ehepartner. Das Eucharistieverständnis
sei unterschiedlich, sagte Koch und verwies zugleich auf die Weltkirche: Die Frage, wer Zugang zur Eucharistie habe, könne man nicht in Hamburg oder München anders sehen als in New York.

Die katholische Kirche in Deutschland könne deshalb nicht sagen, wir machen das jetzt so oder so. „Aber wir bringen unsere Position in der Weltkirche ein.“