Schätze für Konsumenten

Zugänge zur Schönheit des christlichen Glaubens will die Katholische Akademie für ein eher kirchenfernes Publikum schaffen. Dazu bewegt sie sich aus den eigenen Räumen in eine Bar und geht dort auf „Tauchgänge“.

„Sie sollen uns einen Schatz aus der Tiefe und Breite des christlichen Glaubens zeigen, das kann ein Gedanke sein, ein Bild, ein Buch – eine Musik. Etwas, das Sie in Ihrem Glauben berührt hat und auf das man vielleicht von alleine nicht kommen würde.“ Diese Sätze aus der E-Mail, die Katrin Visse potenziellen Referenten für ihre „Tauchgänge“ in der Fastenzeit schreibt, macht gleich auf mehreren Ebenen deutlich, worum es der Referentin der Katholischen Akademie mit der Veranstaltungsreihe geht.

Bereichert, verstört, über eine Schwelle getragen

Zum einen sollen hier Glaubensschätze präsentiert werden, mit der ganzen Subjektivität, die das Wort umfasst: Es soll persönlich sein, „etwas, das denjenigen bereichert oder verstört oder über eine Schwelle getragen hat“, erklärt Visse. Zum anderen soll ein nicht explizit kirchennahes Publikum hier Gelegenheit finden, als „Konsumenten“, wie Visse es nennt, von den Erfahrungen anderer zu profitieren.

Stehen müssen im Club polnischer Versager

Die Themen, das sei ja der Witz dabei, suchen die Referenten selbst aus. Denn schließlich sollen sie ganz persönliche Erfahrungen mitteilen. Entsprechend bunt ist das Spektrum der behandelten Themen: Sie hießen in der Vergangenheit etwa „Soll ich diese Frau heiraten? Diesen Job jetzt annehmen?“ und „Einsamkeit“, „Paulus. Und warum er mich nicht loslässt“ und „Wie geht eigentlich sterben?“. Katrin Visse ist es wichtig, die Referenten vor ihrem „Tauchgang“ darauf einzustimmen, dass sie nicht ins Fachchinesisch verfallen, sondern auf ganz einfache Weise „Zugänge zu der Schönheit des christlichen Glaubens schaffen“.

„Das macht aber auch schon die Atmosphäre“, sagt die Theologin. Denn mit der Veranstaltungsreihe geht sie ganz bewusst nicht in die Räume der Katholischen Akademie, sondern in den „Club der polnischen Versager“, eine Bar mitten in Berlin, bewirbt die Veranstaltung auch über die Kneipe. So sei dann auch das Ambiente vor Ort: „Da muss man dann vielleicht auch stehen und nicht auf bequemen Stühlen sitzen“, sagt sie – zumindest, wenn sich ein größeres Publikum einfindet, und das können schon mal 50 Leute werden.

Angefangen hat das Projekt 2014; Visse initiierte es damals gemeinsam mit Esther Maria Magnis, der Autorin des Buches „Gott braucht dich nicht“. Die lebt mittlerweile nicht mehr in Berlin Also macht die Akademie- Referentin allein weiter, und auch sie lässt sich gern von den Referenten beschenken. Denn da ist sie sicher: „Man würde sich ja auch nicht allein hinsetzen und Augustinus lesen. Man braucht jemanden, der es einem erklärt.“

Tauchgänge: in der Fastenzeit donnerstags um 20 Uhr im Club der polnischen Versager (Ackerstraße 168, Berlin-Mitte – siehe „Termine“) oder jederzeit auf Youtube: tinyurl.com/Tauchgaenge