Sich bei den Eseln bedanken

Foto: Cornelia Klaebe

Bei der Familienwallfahrt nach Alt-Buchhorst drehte sich dieses Jahr alles ums Hören. Eine ganz besondere Rolle spielte aber auch ein Esel: Um ihn drehte sich die Predigt. Denn für Jesus war auch er sehr wichtig.

„Zuhause ist es besser!“ Johanna mag nicht mehr weiter: Als Jüngste der Wallfahrtsgruppe, die sich um 10 Uhr mit Fahrrädern auf dem Weg durch den Wald von Erkner nach Alt-Buchhorst gemacht hat, hat sie es auch nicht leicht. Auf dem kleinen Fahrrad muss sie gehörig strampeln, um mitzukommen. „Zuhause?“, antwortet ihre Mutter.

„Da hast du nur Straßenlärm und hier zwitschern die Vögel.“ Wie sehr es auch im Programm der Familienwallfahrt um das Hören gehen wird, ahnen Johanna, ihre beiden Schwestern und die Mutter noch nicht. Pünktlich zur Messe dort angekommen, kriegen sie über die Lautsprecher auf der Wiese bald eine ganz andere Szene in die Ohren: Schrille Stimmen, Handygedudel, Autos. „Hören wir noch aufeinander?“, fragt ein Vater, der sein Kind in der Tragetasche vor der Brust trägt, im Kyrieruf. „Wer Ohren hat, der höre“ – dieser Vers aus dem Evangelium führte durch den Tag.

Jesus will sagen: Ich halte zu den Kleinen

Dass man bei diesem Hören auch manchmal überlegen muss, zeigte Erzbischof Heiner Koch den Kindern in seiner Predigt. Und so wählte er als Grundlage seiner Ansprache den Satz aus der ersten Lesung: „Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einem Esel“. Die Frage, was es bedeutet, wenn man jemanden „alter Esel“ nennt, wissen die Kinder exakt zu beantworten: „Nichts Gutes!“, tönt es in das hingehaltene Mikrofon. „Wer hat denn einen Esel zuhause?“, lautet die nächste Frage. Als der Großteil der Kinder die Hände in die Luft streckt, muss selbst der Erzbischof lachen.

Er selbst hat ein Exemplar der grauen Tiere aus Plüsch mit nach Alt-Buchhorst gebracht, einen namenlosen Esel, den er einst von einem schwerkranken Kind in einem Krankenhaus geschenkt bekam. Über das Plüschtier kommt Koch zu der Frage: Warum ist Jesus auf einem Esel geritten, wo doch Könige sonst auf einem Pferd sitzen? „Dass man sich mal bei den Eseln bedanken sollte, die die ganzen Lasten tragen“, vermutet ein Junge den Grund.

„Richtig“ sei das, sagt der Erzbischof und leitet geschickt dazu über, dass man auch Menschen danken
sollte, die im Alltag Lasten tragen. Jesus wolle sagen: Ich halte zu den Kleinen. Besonderes Lob verdiente sich bei dieser Familienwallfahrt der Jugendkathedralchor St. Hedwig. Er gestaltete nicht nur die Messe mit, sondern gab später auch noch ein Sommer- und ein Mitmachkonzert. Mit ihrer Freude steckten die Sänger Kinder und Erwachsene an – so dass sich von ein paar nachmittäglichen Regentropfen kaum einer stören ließ.