Sich berühren lassen

Foto: Ruthea Dunker

An mehreren Orten des Erzbistums konnte der diesjährige Weltflüchtlingstag mit Veranstaltungen begangen werden. In Anklam gab es am 20. Juni einen Gottesdienst zum Thema mit anschließendem Gemeindefrühstück.

Die Gottesdienstbesucher in Anklam blieben beim Frühstück mit dem kirchenpolitischen Sprecher der Schweriner SPD-Landtagsfraktion, Manfred Dachner zusammen, um sich über persönliche Erfahrungen auszutauschen und um auszuloten, welche Möglichkeiten die Politik in Deutschland hat, um Flüchtlinge zu unterstützen und ihre Integration zu fördern.

Die Gemeindemitglieder erzählten von diskriminierenden Sprüchen, die sie im Alltag vernehmen, von Politikern, die Angst vor Fremden für eigene Interessen instrumentalisieren und von Behörden, die den Tod von Flüchtlingen in Kauf nehmen.

Jeder Einzelne trägt Verantwortung

Einen Impuls dazu hatte der langjährige Caritas-Regionalleiter Ulrich Höckner ihnen zuvor in seiner Predigt zur biblischen Erzählung vom Sturm auf dem See gegeben. Unwillkürlich habe er dabei an die Bootsflüchtlinge denken müssen, die versuchen, ihrem Elend zu entkommen und über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

„Und ich musste an die vielen Toten denken, die bei ihrem Fluchtversuch im Mittelmeer ertrinken“, sagte Höckner, der im Diözesanrat des Erzbistums in der Arbeitsgruppe gegen Rechtsextremismus mitarbeitet. Er lässt sich von den Bildern aus den Nachrichten ganz persönlich berühren: „Mir kam das Bild des zweijährigen syrischen Jungen Alan Kurdi in den Sinn, der tot von den Wellen an die türkische Mittelmeerküste geschwemmt wurde. Mein jüngstes Enkelkind ist auch zwei Jahre alt. Könnte doch Jesus auch heute den Stürmen gebieten!“

Ulrich Höckner rief die jüngste Tragödie im Mittelmeer in Erinnerung: Am 23. April ertranken 130 Menschen, nachdem sie auf ihrem kenternden Schlauchboot zwei Tage lang vergeblich um Hilfe gerufen hatten. Sie bekamen keine Hilfe, obwohl europäische Behörden längst alarmiert waren.
Papst Franziskus hatte dieses Geschehen unter anderem mit den Worten kommentiert: „Es ist Zeit, sich zu schämen. Brüder und Schwestern, prüfen wir uns selbst angesichts dieser wiederholten Tragödie.“ Der Papst bat um das Gebet für die Ertrunkenen und die Ertrinkenden, aber auch „für all jene, die helfen können, aber lieber wegschauen.“

Kollekte für Flüchtlinge aus der Gemeinde

In der Frühstücksrunde führte das unter anderem zu der nachdenklichen Frage: „Wie können unter solchen Bedingungen Abschiebungen überhaupt zugelassen werden?“
Zum Abschluss wurde eine Kollekte gesammelt für eine Frau aus der Gemeinde, die vor einigen Monaten nachts aus der Psychiatrie abgeschoben wurde (der Tag des Herrn berichtete), in das Land, aus dem sie geflohen waren, mittel- und wohnungslos.