Singend den Glauben lernen

Foto: Walter Plümpe

Wie lassen sich Kinder und Jugendliche für religiöse Musik motivieren? Wie macht es Freude, singend zu glauben? Kirchenmusikerin Maria Hasenleder hat 27 Jahre Erfahrung damit.

Kinderchorarbeit erlebt Maria Hasenleder (48) als Geschenk und Chance, Glauben zu singen und singend Glauben zu lernen. Die Kirchenmusikerin in der Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg leitet die
Kinderschola für das erste bis vierte Schuljahr, die Mädchenschola und die Jugendschola, ferner zwei Choralscholen, den Kammerchor, den Kirchenchor, den Offenen Singkreis und die Altersheim-Singerunde.

Das Singen mit den verschiedenen Altersgruppen empfindet sie auch nach so langer Zeit immer wieder als belebend, bereichernd und als ständige Herausforderung, um allen Gruppen gerecht zu werden. Kirchenmusik bietet für sie so viele Möglichkeiten. Besonders bei den Kindern und Jugendlichen schätzt sie, diese Altersgruppe mit dem Glauben in Berührung zu bringen: „So können sie ihn leichter entdecken und auch ihren persönlichen Glauben leichter ausdrücken.“ Zu den Höhepunkten gehören neben der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste weitere Auftritte: Eventsongs, das Neujahrskonzert, das Singen in einer auswärtigen Gemeinde auf den Chorreisen, Konzerte in anderen
Gemeinden.

Im letzten Jahr war ein Höhepunkt das Gründungsfest der Pueri Cantores der Region Ost in Halle. Ein Begrüßungslied mit Bewegungen steht fast immer am Anfang einer Chorprobe mit jüngeren Kindern. Neben Orff-Instrumenten kommen dabei auch die Handpuppen „Notella“ und „Confucius“ zu Wort.

„Wunderbare Begleiter und Helfer“, findet Maria Hasenleder. Die jüngeren Kinder singen alles auswendig, mal vom Klavier, mal von der Gitarre begleitet. Für Mehrstimmiges werden Noten aufgeschlagen. Texte werden erläutert, so dass über die Musik das Kirchenjahr lebendiger erlebt wird.

Gospelmesse auf der Hitliste ganz oben

Ein gemeinsamer Konzert- oder Opernbesuch gehört auch zum „Repertoire“ – wie das Singen in Familiengottesdiensten, zur Erstkommunion, zu Vespern. „Halte dich fest an Gott“ ist derzeit der Hit der Kinderschola, der allen auch nach den Proben noch lange nachklingt.

Bei der mittleren Gruppe führt eine Gospelmesse die Hitliste an. Das Repertoire der Jugendlichen umspannt die Gregorianik, die sogenannte klassische Literatur, das Neue Geistliche Lied, Gospelgesänge bis zur Jazzmesse. Jede Gruppe singt allein; aber natürlich wird auch gemeinsam gesungen – und das motiviert. „Es ist schön zu sehen, wie im Laufe der Zeit wunderbare Freundschaften entstehen und eine Gruppe, die füreinander da ist und prägt.“

Trotz aller schulischen Termine und Belastungen versuchen alle, zu den Proben und Aufführungen immer da zu sein. „Hier kann ich komplett abschalten und alle Sorgen vergessen. Außerdem ist es für mich eine Möglichkeit zu beten“, sagt eine Sängerin. Eine andere Stimme: „Ich mag einfach alle Mädels beim Chor; wir sind ein tolles Team und Freundinnen. Wir kennen uns alle so lange, dass das gemeinsame Singen wie ein Nach-Hause-Kommen ist.“

Oder: „Beim Chor kann ich sein, wer ich wirklich bin. Ich brauche mich nicht zu verstellen. Es ist ein wunderbarer Abschluss der Woche.“ Viele haben sich bereits im ersten Schuljahr von Hasenleders Begeisterung für die Musik anstecken lassen. „Der Chor begleitet mich schon meine ganze Kindheit und Jugend“, sagt eine weitere Sängerin.

Und eine Altistin: „14 Jahre singe ich jetzt schon im Chor. Seitdem haben sich enge Freundschaften gebildet und der Spaß am Singen ging nie verloren.“ „Das gemeinschaftliche Singen macht mich einfach nur jede Woche aufs Neue sehr glücklich und zufrieden“, sagt eine Sopranistin. Eine andere betont: „Ich bin der Kirche nah, erfahre Heimat, Gemeinschaft und Geborgenheit, lasse den Alltagsstress hinter mir. Ich erfahre dort Werte und Gefühle, welche ich nicht vermissen mag.“

Durch die Musica Sacra Gott alles bringen

Ob Maria Hasenleder noch einmal den Beruf der Kirchenmusikerin ergreifen würde? Ein klares Ja. Denn die Verbindung von Glaube und Musik macht ihren Beruf so einzigartig. „Es ist einfach wunderschön und erfüllend, Menschen mit dem großen Schatz der Kirchenmusik in Berührung zu bringen – eine Musik, die so viel vermag. Durch die Musica Sacra können wir unserem Gott alles bringen und ausdrücken, unsere Freude, Sorgen, Fragen, Bitten, unseren Dank, unser Gotteslob.“