Vergrabene Schätze heben

Aufzug der Stahlgussglocken in Boxhagen 1924. | Foto: Pfarrarchiv Heilige Dreifaltigkeit

Hier sollten Gemeindechronisten, Pfarrarchivare und alle, die es noch werden wollen, aufmerken: Am 16. März ist in der Katholischen Akademie der Tag der Gemeindegeschichte.

„Viele trauen sich nicht an ihre Gemeindegeschichte heran“. Immer wieder macht Konstantin Manthey diese Erfahrung. Um die Hemmschwellen etwas zu senken und Erfahrungen auszutauschen, ruft der Referent für Kunst-, Kirchen- und Kulturgeschichte an der Katholischen Akademie jetzt in Kooperation mit dem Diözesangeschichtsverein den „Tag der Gemeindegeschichte“ ins Leben. Am 16. März sind von 9 bis 17.30 Uhr alle eingeladen, die sich in den Gemeinden des Erzbistums beheimatet fühlen, geschichtlich interessiert sind und tätig werden wollen oder es bereits sind.

Diese Zielgruppe ist vielfältig. Sie umschließt jene, die in die Pfarrarchive eintauchen wollen – etwa, um an einer Festschrift zu arbeiten – genauso wie diejenigen, die das heutige Geschehen für die Geschichtsschreibung der Zukunft dokumentieren wollen, etwa als Pfarrchronisten oder -archivare. „Das umfasst die Pfarrer ebenso wie Neben- oder Ehrenamtliche“, sagt Manthey.

Die Idee zu dem Studientag kam auch aus der Kooperation der Akademie, insbesondere des Kirchenbauforums, mit dem Diözesangeschichtsverein zustande: „Immer wieder merken wir, dass die Anknüpfung an die kleinste Einheit – die Kirchengemeinde – fehlt“, erklärt der Historiker und drängt: „Die Schätze, die dort vergraben liegen, müssen gehoben werden!“

Bombe zerstörte 1943 das Diözesanarchiv

Dafür seien aber die Pfarrarchive häufig in einem wenig idealen Zustand, auch weil vor Ort oft die entsprechende Expertise fehlt. „Hier müsste man zentraler ansetzen, vor allem aber erst einmal miteinander ins Gespräch kommen“, erklärt er. Auch fehle es durch die Bombardierung des damaligen Diözesanarchivs im Jahr 1943 an einer zentralen Bistumsgeschichtsschreibung. Hier könnten mit der Zeit Lücken gefüllt werden. Seine Hoffnungen sind vielfältig: Viele Gemeinden hätten zwar zu einem Jubiläum einmal eine Festschrift gedruckt, diese aber nicht verlegt. „Damit ist sie dann für andere nicht zugänglich“, bedauert Manthey. Deshalb will er auch Hilfestellungen zur Zusammenarbeit mit Verlagen anbieten.

Die Teilnehmer des Studientages erwartet eine Bandbreite an Vorträgen zu Themen wie Bistumsgeschichte, Architektur, christliche Kunst, Chronik, Pfarrarchive, Arbeit in anderen Archiven oder Publikation in Verlagen. „Aus diesen kann sich jeder Teilnehmer drei Kurzvorträge auswählen, um danach in kleinen Gruppen ins Gespräch zu kommen“, erklärt Manthey. Während des Tages gibt es auch eine Ausstellung zu Geschichtsthemen sowie Stände von verschiedenen Institutionen und Partnern. Hierzu können nach Absprache auch Plakate mit Beispielen aus den Gemeinden mitgebracht werden. Manthey will nicht nur den Bestand aufnehmen und die Bedürfnisse feststellen, sondern hofft auch auf Vernetzung: „Dass ein paar Leute gemeinsam weitermachen.“

Kosten: 10 Euro. Ort: Katholische Akademie, Hannoversche Straße 5, Berlin-Mitte,Anmeldung über manthey@katholische-akademie-berlin.de oder 030 / 28 30 95-0 (Zentrale)