Vom Wandlitzer Wandel

Zu groß ist die Schar der Ehrenamtlichen in Wandlitz – nicht alle können genannt werden, aber jeder der gekommen war, fand an diesem Dankeschönabend Platz auf dem gemeinsamen Gruppenfoto. Foto: Marina Dodt

Wandlitz war mit seiner Waldsiedlung einst Synonym für Luxus und Abschottung. Heute steht der zu DDR-Zeiten bestbewachte Ort für Offenheit. Wandlitz wandelte sein Antlitz, maßgeblich mitgetragen von der katholischen Gemeinde.

Die goldenen Sonnenstrahlen brechen sich auf der Wasseroberfläche, verwandeln den Wandlitzsee in einen glitzernden Spiegel. Am Ufer lassen sich Einheimische und Gäste noch einmal von der Spätsommersonne verwöhnen. Surfer und letzte Bademutige teilen sich mit den Wasservögeln das kühle Nass, tauchen ein in ein kleines Paradies.

Auch unweit des Sees, auf dem Gelände der katholischen Gemeinde St. Konrad, entfaltet die Abendsonne noch einmal ihre belebende, wärmende Wirkung. Der Gemeinderat hatte eingeladen zum traditionellen Ehrenamts- Danke-Abend, beginnend mit einer Andacht im Freien unter dem schützenden Dach des wegen Corona angeschafften Zeltes. Von Gemeinderatsmitgliedern, Lektoren, über RKW-Helfern, Ministranten, Musikband bis hin zu den guten Geistern bei der Kirchenreinigung sind fast 30 Ehrenamtliche der Einladung gefolgt.

St.-Konrad-Gemeinde ist in Wandlitz präsent

Diakon Peter Dudyka verbindet Dank und Anerkennung für ihren Dienst mit einem weiteren Grund zur Freude. So haben auch und gerade die Ehrenamtlichen großen Anteil daran, dass Wandlitz im Zuge der Barnim-Pfarreigründung nach über 17 Jahren seinen Gemeindestatus zurückerlangte. Gemeinsam mit den Gemeinden Buch, Bernau und Eberswalde sind die Katholiken in und um Wandlitz nunmehr nicht nur ein Grundpfeiler der neuen Pfarrei Heiliger Christophorus Barnim, sondern bringen sich auch mit ganz eigenen Erfahrungen und Aktivitäten ein.

Kirche und Kommune, Kirche als sichtbarer und anteilnehmender Teil der Gesellschaft– dieses Credo hat mit dem durch die Wandlitzer Katholiken initiierten Mehrgenerationenhaus oder dem neuen Gemeindezentrum „Conradhaus“ lebendige Gestalt angenommen. So ist das Conradhaus vielfältig genutztes, beliebtes Domizil der gut 800 Mitglieder zählenden Kirchengemeinde, steht darüber hinaus Ortsvorsteher, Bürgermeister, dem Runden Tisch, kommunalen Arbeitsgruppen, Krabbelgruppen oder der Ehrenamtsagentur für regelmäßige Zusammenkünfte offen.

Ehrenamtliches Engagement wird nicht nur innerhalb der katholischen Gemeinde großgeschrieben, sondern wirkt auch stark nach außen. So erhielt das von der katholischen Gemeinde maßgeblich mitgetragene „Engagement-Netzwerk“ mit Ehrenamtsagentur und Runder Tisch „Willkommen“ im Rahmen des Programms „Engagiertes Land“ im August bundesweite Anerkennung. Als eines von zwölf Netzwerken wird das Netzwerk Wandlitz mit jährlich 20 000 Euro Zuwendung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt gefördert. In der Funktion von Diakon Dudyka als Ortsvorsteher des Ortsteils Wandlitz findet dieses kommunale und kirchliche Netz in besonderer Weise Verknüpfung und viele Mitstreiter.

Für Vernetzung und offene Türen ganz anderer Art sorgt das Pfarrei-Projekt „Digitale Gastfreundschaft in neuen Pastoralstrukturen“, das in der Gemeinde Wandlitz vor allem über „Konrad TV“ Verbindung schafft und erhält. Seit Advent 2020 ermöglicht das Wandlitzer TV-Team Jan Rentsch und Jürgen Krause Sonn- und Feiertagsübertragungen aus St. Konrad im Livestream, sind Gottesdienste und Veranstaltungen im benachbarten Großzelt, Conradhaus oder an den Bildschirmen daheim zu empfangen.

Wandlitz steht heute wieder für Offenheit

Gastfreundschaft und Verbundenheit – dieser Geist sorgt in St. Konrad bereits seit Gemeindegründung vor fast 85 Jahren  für ein besonderes Miteinander, ist quasi „Markenzeichen“. „Wir fühlen uns hier rundum gut aufgehoben“, erzählt Anni Kehn aus Basdorf. Sie gehört schon seit 1958 zur Gemeinde und fühlt sich gemeinsam mit Edith Friebe, Dorit Fritz und Margot Luckow seit Jahrzehnten für die Kirchenreinigung oder die Versorgung der RKW-Kinder verantwortlich.

Besonders dankbar zeigen sich die vier Frauen, dass Familie Dudyka seit numehr 43 Jahren für diesen Halt und Zusammenhalt in der Gemeinde ihren Dienst tut: Regina Dudyka seit 1978 als jetzt pensionierte Katechetin/Pastorale Mitarbeiterin und Peter Dudyka seit 1995 als Diakon.

So erzählt Lektorin Viola Franke aus Wandlitz, wie sie auch dank der Dudykas und der gesamten Gemeinde zum katholischen Glauben fand, ebenso wie Paul aus Pakistan, der nun mit seinem neuen Tauf- und Vornamen auch ein neues Zuhause geschenkt bekam und es als eine der treuesten Seelen bereichert. Für eine einladende, offene Kirche sorgt im wahrsten Wortsinn auch das Försterehepaar Eva und Joachim Thieme, das bei schönem Wetter sowie an Sonn- und Feiertagen die Kirche für Gäste und Besucher öffnet, darüber hinaus das Pfarrgrundstück und die Straßenbäume, Rosen und Grünanlagen der angrenzenden Thälmannstraße pflegt und bewässert.

Auch an diesem Beispiel verweisen die Dudykas auf das Glück und Geschenk, dass so viele engagierte Ehrenamtliche ihre Zeit, Kraft, berufliches und fachliches Wissen zum Wandlitzer Markenzeichen machen – als reiches Zukunftspotenzial.

Dafür stehen in besonderer Weise auch die RKW mit „Eine Nacht bei Jesus“ (Übernachtung in der Kirche) und der u. a. von David Dudyka und Sandra Wolf initiierte Kinderkirchentag mit bis zu 130 Kindern. Seit 15 Jahren laden Stefan Kirchberg und rund 50 Helfer die jüngsten Wandlitzer zu diesem offenen Kirchentag ein. Die Konrad-Kinder können ihre Freunde mitbringen, um bei einer Wasserstafette am nahen See, bei Sport, Spiel, Wissensquiz oder künstlerischem Wettstreit Teamgeist und Gemeinschaft zu erleben – und haben Zugang zu einer offenen Kirche ...