Vor dem Spiegel der Ewigkeit

Eine Fahrt nach Assisi unternahm, begleitet vom Team der Berufungspastoral, der „Bewerbendenkreis“ des Erzbistums. Die Frauen und Männer bereiten sich auf einen Beruf in der Kirche vor. Eine Teilnehmerin berichtet.

„Herr, sei gelobt durch unseren Bruder Wind, durch Luft und Wolken und jeglich Wetter“, so konnten wir mit den Worten des Franziskus den Sonntag beenden, an dem wir nach zwei Tagen Busfahrt in Assisi ankamen.

Am Montag begann der „innere“ Weg: Zur Laudes stiegen wir vom Haus der Schwestern durch einen Olivenhain im Schweigen zur Kirche San Damiano hinunter. Diese Kirche hat der heilige Franziskus wieder aufgebaut, als er sie verfallen aufgefunden und der Herr ihm vom Kreuz aus zugesprochen hat: „Franziskus! Bau meine Kirche wieder auf!“ Die Sonne ging zu der Zeit auf und wir hatten einen wunderschönen Blick. Nach Laudes und Messe, einem guten Frühstück und der Mithilfe in Haus und Garten stellte uns Schwester Maria Doreen in ihrem Impuls die Frage: Welcher Sehnsucht folgen wir?

Nachmittags machten wir uns zu den Stätten des jungen Franziskus auf. Wir hatten Anteil an seiner Sehnsucht und seinen Konflikten. Das Kreuz von San Damiano, das jetzt in Santa Chiara bei den sterblichen Überresten der heiligen Klara hängt, erzählt Passion, Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christi. Christus selbst steht mit offenen Augen an diesem Kreuz.

Orte des Lebens von Klara und Franziskus

Dieses Kreuz von San Damiano und Klaras Lebensweg standen am Dienstag im Fokus. Indem wir die Orte ihres Lebens besuchten, konnten wir ihr als Person näher kommen. „Stelle jeden Tag deine Seele vor den Spiegel der Ewigkeit. Und schau IHN an.“ Diese Worte der heiligen Klara brachten uns sehr zum Nachdenken.
Am Mittwoch schien endlich die Sonne in Assisi. In der „Carceri“ lernten wir den Rückzugsort des Franziskus kennen. Hier hat er sich in der Einsamkeit ganz auf Gott konzentriert. Seine Empfehlung an die Brüder war, mindestens zu zweit, aber maximal zu fünft in die Einsamkeit zu gehen, ganz nach dem „Marta-Maria- Prinzip“: Einer lebt ganz für Gebet und Meditation, der andere sorgt für das leibliche Wohl und dient als Gesprächspartner, um die Gedanken zu „sortieren“. Auf dem Monte Subasio hatten wir den Blick in die Weite. Wie schön ist Gottes Schöpfung – besonders die Esel, die wir oben am Gipfelkreuz getroffen haben. Als Wanderer und Pilger haben wir den ganzen Tag viel gesungen und gebetet und einen neuen Blick auf die Schöpfung erlebt und gespürt.

Am Fest Kreuzerhöhung beteten wir, wie fast jeden Morgen, um sieben Uhr mit den Brüdern in San Damiano die Laudes und feierten Messe. Nach Mitarbeit im Haus und Mittagessen auf der Terrasse wallfahrteten wir nach Santa Maria degli Angeli, um in der Portiuncula-Kapelle Gottes Erbarmen zu empfangen. Wir trugen neben unseren persönlichen auch viele Anliegen unseres Erzbistums und der Gesellschaft vor Gott.

Ziel des Freitags war San Francesco – die Kirche, in der seine Reliquien aufbewahrt werden. In der Vesper mit den Schwestern haben wir uns mitgeteilt, was diese Tage in Assisi für uns bedeuten. Der Wunsch, an der Kirche Gottes mitzubauen, sie vielfältig zu gestalten, „Baustellen“ zu entdecken und mutig in Angriff zu nehmen, wurde gestärkt.

Am Samstag mussten wir Abschied nehmen von Assisi und der Casa della pace. In diesen Tagen sind Nähe und Vertrauen gewachsen – untereinander und je sehr persönlich zu Gott.