„Weit vom Pleitebistum entfernt“

Einmal im Jahr treffen sich Vertreter aller Kirchenvorstände im Erzbistum, um sich über dessen finanzielle Situation zu informieren und Fragen der Finanzierung der Pfarreiarbeit zu beraten.

Die diesjährige Versammlung der Vertreter der Kirchenvorstände im Erzbistum nahm der neue Generalvikar Pater Manfred Kollig SSCC zum Anlass, seine grundlegende Sicht auf das Verhältnis von Geld und Pastoral zu erläutern. Eine der wichtigsten Aufgaben eines Generalvikars ist die Verwaltung des
Bistums, mit der zahlreiche finanzielle Fragen zusammenhängen.

Pastorale Wünsche und finanzielle Möglichkeiten

Pater Manfred Kollig – seit 1. Februar im Amt – erinnerte an die schwere Finanzkrise und die drohende Pleite des Erzbistums im Jahr 2003. Damals habe sich die Bistumsleitung zu betriebswirtschaftlichem
Denken hingewendet, was kontroverse Diskussionen ausgelöst habe. „Wir müssen uns aber dieser
Spannung zwischen pastoralen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten stellen.“ Der Generalvikar betonte, bei allen Entscheidungen seien wirtschaftliche Auswirkungen immer zu bedenken. „Wir leisten uns nur, was wir uns leisten können.“

Zu einem verantwortlichen Umgang mit den finanziellen Mittel gehörten ethische Geldanlagen, aber auch eine gerechte Entlohnung der Mitarbeiter. Mit Blick auf den „Dritten Weg“ sagte Pater Manfred Kollig: „Wir gehen ihn ganz oder gar nicht.“ Unter dem „Dritten Weg“ versteht man das grundgesetzlich garantierte Recht der Kirchen, ihr Arbeitsrecht selbst zu organisieren. Arbeitgeber und Arbeitnehmer verstehen sich dabei als Dienstgemeinschaft, in deren Rahmen es Mitbestimmungsrechte, aber auch Loyalitätsverpflichtungen gibt.

Das Geld, das der Kirche zur Verfügung steht, sei „anvertrautes Geld, gegeben durch diejenigen, die uns in der Seelsorge anvertraut sind“, betonte Pater Manfred Kollig. Pastorale Entscheidungen dürften allerdings nicht von der Ökonomie bestimmt werden, „sondern sind mit ökonomischem Sachverstand zu prüfen“. Finanzierbarkeit sei Voraussetzung für deren Umsetzung. Ob sie wirtschaftlich sinnvoll sei, sei allerdings nachrangig. Der Generalvikar betonte, er habe das Erzbistum als überaus vielfältig kennengelernt. Er sehe diese Vielfalt als Chance, stellte dabei aber auch die Frage nach dem, was verbindet.

„Die gemeinsame Mitte muss ausstrahlen.“ Die Kirchenvorstände wurden auch von den Leitern der verschiedenen Dezernate über aktuelle Themen informiert. Dabei ging es unter anderem um die für die neuen Pfarreien geplanten Verwaltungsleiter. Diese sollten Pfarrer und Kirchenvorstände entlasten und seien Teil des jeweiligen pastoralen Teams. Ein weiteres Thema waren die Immobilien. Eine Hilfe beim Umgang damit und mit anderen wirtschaftlichen Entscheidungen in der pastoralen Räumen und neuen Pfarreien soll die wirtschaftliche Analyse sein, die das Büro „D:4 – Büro für Kirche und Kultur“ im Rahmen des Reformprozesses in allen Gemeinden durchführt.

Marcus Nitschke von D:4 informierte über den aktuellen Stand: Alle 105 bisherigen Pfarrgemeinden werden analysiert. 96 Vor-Ort-Termine seien durchgeführt und 71 Ergebnisse seien inzwischen präsentiert.

Großteil der Kosten entfällt auf Immobilien

Die wirtschaftliche Analyse zeige, dass bei den Einsparungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise
von 2003 vor allem beim Personal gespart wurde, weniger bei den Gebäuden. Gebäude machten heute im Durchschnitt 55 Prozent der Kosten in einer Pfarrei aus, das Personal dagegen nur rund sieben Prozent. Bei der Bewertung von Immobilien sei zu beachten, ob es sich um wertvolle historische Architektur handele oder um Gebäude, mit denen eine Gemeinde Einnahmen erzielt.

Auf der anderen Seite entsprächen viele Gebäude nicht mehr heutigen Bedürfnissen – angefangen bei Betriebskosten und Barrierefreiheit bis hin zur Eignung für moderne Pastoral. Die im Besitz der Gemeinde verbleibenden Immobilien müssten deshalb heutigen Gegebenheiten angepasst werden. Als Richtwert für die Kosten der Gebäudebewirtschaftung in einer Pfarrei nannte Nitschke 25 Euro pro Katholik und Jahr. Die Präsentation der Haushaltslage des Erzbistums durch Finanzdezernent Bernd Jünemann zeigte eine solide wirtschaftliche Lage.

„Wir haben ausreichend Vermögen, um unseren Verpflichtungen nachzukommen und sind weit von dem Pleitebistum von 2003 entfernt“, hieß das Resümee des Vorsitzenden der Vertreterversammlung, Christoph Lehmann. Dennoch geböten die Rahmenbedingungen Zurückhaltung in allen Ausgabebereichen, mahnte Jünemann.

Berücksichtigt werden müssten für die nächsten Jahre zurückgehende Kirchensteuereinnahmen, steigende Personalausgaben sowie der Finanzierungsbedarf für Gebäude und das Auslaufen der Strukturhilfe der deutschen Bistümer für die Ost-Diözesen. Für erhebliche Diskussionen unter den Teilnehmern sorgte der Plan des Erzbistums, dass künftig alle Überweisungen der Pfarreien nicht mehr vor Ort, sondern zentral vom Erzbischöflichen Ordinariat vorgenommen werden sollen. Dies sei kein Eingriff in die Selbstständigkeit der Pfarreien. Es handele sich um eine reine Serviceleistung des Ordinariates, betonte Jünemann. „Sie bleiben vor Ort verantwortlich.“ Der Generalvikar versprach, zur Klärung eine Arbeitsgruppe einzurichten.