"Wir dürfen die Natur nutzen – aber nicht ausnutzen“Misereor-Fastenaktion unter dem Leitwort: „Neu denken – Veränderung wagen“

Emiliy Slotosch (9) hat zusammen mit anderen Kindern philippinische Stelzenhäuser nachgebaut. Foto: Wolff

Nicht nur die Sternsinger haben ihren Fokus in diesem Jahr auf die Philippinen gelegt, auch die Misereor- Fastenaktion hat das Land im Blick. Bei der Einführungsveranstaltung in St. Canisius, Berlin-Charlottenburg, wurde der Klimawandel thematisiert, weil die Menschen des Inselstaates besonders von den Auswirkungen bedroht sind.

So leugnete Susanne Breuer nicht, dass es Klimaveränderungen schon immer gegeben habe. „Doch seit der Industrialisierung ist die Erwärmung besonders schnell“, betonte die Energie-Referentin des katholischen Hilfswerks, die auch Beobachterin der Lima- Konferenz ist, und verdeutlichte das an einer Grafik. „Deutschland verursacht pro Kopf den höchsten CO2-Ausstoß nach den USA. Aber betroffen sind die Ärmsten der Armen.“ Doch die Philippinen sind nicht nur wegen des steigenden Meeresspiegels bedroht, sondern auch, weil der Klimawandel die Armut dort fördert. Die Armen dort haben weder Ersparnisse, noch Versicherungen und es mangelt an Katastrophenvorsorge, Lagerhaltung von Lebensmitteln und Kapital für Deiche und feste Häuser. Wie diese Häuser aussehen, verdeutlichte die Leiterin des Eine-Welt-Ausschusses der Kirchengemeinde Vom Guten Hirten in Berlin-Marienfelde. „Wir haben ein philippinisches Dorf mit den Kindern unserer Gemeinde als Modell nachgebaut“, erläutert sie. „Sie sollten mit den Fingern das Problem dieser Dörfer begreifen.“ Eines der Kinder ist die neunjährige Emily Slotosch. Sie hat aus dünnen Zweigen die Stelzenhäuser nachgebaut, wie sie in philippinischen Fischerdörfern häufig vorkommen.

Weniger Fleisch, häufiger Second Hand kaufen

„Wir dürfen die Natur nutzen“, betonte die Energie-Referentin Breuer. „Aber wir dürfen sie nicht ausnutzen und ausbeuten.“ Sie zeigte damit Verständnis für die reichen Länder, die auf ihren Wohlstand nicht verzichten wollen, aber auch für die armen Länder, die den Wohlstand erst erreichen wollen. Wohlstand erreichen, ohne die Umwelt zu zerstören, könne erreicht werden, indem auch die Schwellenländer verstärkt auf erneuerbare Energie setzten, schlug Breuer vor. „Und auch in Deutschland wollen viele Menschen energieneutral leben, schaffen es aber nicht, weil sie beispielsweise für den Urlaub ins Flugzeug steigen oder die Wohnung nicht saniert ist. Doch wer den Energieversorger wechselt, häufiger Second Hand kauft oder weniger Fleisch isst, kann auch schon sehr viel für seine Energiebilanz tun.“

Am Ende der Einführungsveranstaltung stellte Petra Kilian von der Misereor-Pressestelle das neue Hungertuch des chinesischen Künstlers Dao Zi „Gott und Gold – Wie viel ist genug?“ vor. Zunächst ließ sie die Besucher ihres Workshops Assoziationen zu dem ersten abstrakten Hungertuch aufschreiben. (In dieser Ausgabe ist es auf Seite 1 ganz oben zu sehen.) „Grau = Alltag, Schwarz = Negatives, Goldklumpen = Gott und Liebe, kleine Goldstücke = das Positive im Alltag“ stand beispielsweise auf einer dieser Karten. Aber auch „Ist mal was anderes – aber was?“

Bergpredigt als Inspiration für Fastentuch

Kilian verriet, dass der Künstler selbst sehr bewusst keine Interpretation seines Bildes vorgeben möchte. Allerdings nannte er die Quelle seiner Inspiration. Der 1997 zum evangelischen Christentum übergetretene Chinese orientierte sich an einem Vers der Bergpredigt: „Denn wo dein Schatz ist, da ist ist auch dein Herz“ (Mt 6,21).