„Wir reden hier über Heimat“Diözesanrat befürwortet den Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale mit 46 zu 13 Stimmen

Bei der letzten Vollversammlung des Diözesanrats unter dem Vorsitz von Wolfgang Klose, der satzungsgemäß nicht zur Wiederwahl steht, ging es um den Umbau der Kathedrale. Foto: Cornelia Klaebe

Soll der im Architektenwettbewerb siegreiche Gestaltungsentwurf für die St.-Hedwigs-Kathedrale verwirklicht werden? Um diese Frage rankten sich die Beratungen des Diözesanrats am 27. Februar. Dabei ging es viel um Fragen der Finanzen und der Heimat.

Eigentlich hatte der Diözesanrat sich in der zu Ende gehenden Wahlperiode nicht mehr zu einer Vollversammlung treffen sollen. Aber Erzbischof Heiner Koch hatte neben anderen auch das höchste Laiengremium um ein Votum zum Umbau der St.-Hedwigs-Kathedrale gebeten. Daher folgte jetzt auf die letzte Sitzung am 7. November noch eine allerletzte am 27. Februar.

Entsprechend war der Erzbischof auch selbst bei den Beratungen zu Gast. Der scheidende Vorsitzende Wolfgang Klose mahnte, dass der Erzbischof gekommen sei, „um zu sehen, wie wir miteinander umgehen“. Für die unerwartet hohe Besucheranzahl von über 40 Gästen mussten sogar noch weitere Stühle im Cardinal-Bengsch-Saal der Elisabeth- Kirche in Berlin-Schöneberg aufgestellt werden.

Die Argumente seien bereits ausgetauscht, stellte anfangs die Journalistin Ursula Weidenfeld fest, die die Beratung moderierte, und zog einen Vergleich zum Bonn-Berlin-Beschluss des deutschen Bundestags vom 20. Juni 1991. Damals habe ebenfalls niemand mehr erwartet, jemanden überzeugen zu können. Trotzdem stellten die Architekten Leo Zogmayer und Peter Sichau erneut ihren Entwurf vor, und Experten zu den Themengebieten Denkmalschutz, Liturgiewissenschaften und Finanzen riefen die jeweiligen Themenaspekte in Erinnerung.

Die Kathedrale sei „ein Ort, der viele anspricht“ Erzbischof Koch sagte in einer Rede, St. Hedwig sei „ein Ort, der viele anspricht“ – und aufgrund der verschiedenen Interessen gebe es eine „fast nicht mehr kombinierbare Anforderei an eine Kathedrale“: „Wir entscheiden nicht nur für uns, sondern für viele.“ Bei der Aussprache sollten sich, so hatte es Moderatorin Weidenfeld vorgesehen, Pro- und Contra-Umbau- Stimmen abwechseln. Dieser Modus fand jedoch bald ein Ende, da sich unter den Mitgliedern des Diözesanrats deutlich weniger gefunden hatten, die für eine bloße Sanierung sprechen wollten als für den Umbau. Danach reihte sich eine Befürwortung an die andere.

Emotional, aber weitgehend unpolemisch Die Wortmeldungen waren vielfach emotional gefärbt und riefen hörbare Zustimmung oder Ablehnung vor allem aus dem Publikum hervor. Polemik blieb weitgehend aus. Die Frage nach dem Fortbestehen der Öffnung zur Unterkirche erwies sich als weiterhin zentral. „Das ‚Loch‘ schafft in meinen Augen Distanz“, hieß es in einem Beitrag, die Identifikation der Gläubigen mit der Kathedrale komme gerade durch den Bau wie er ist, in einem anderen. Ein dritter brachte es auf den Punkt: „Wir reden hier über Heimat – und über Heimaten lässt sich schwerlich streiten.“ Diskutiert wurden auch die Finanzen und die „Angst vor einem finanziellen Abenteuer, von dem wir nicht wissen, wie es ausgeht“. Aus dem Vermögensverwaltungsrat des Erzbistums hieß es darauf: „Keiner wird zustimmen, sich in ein unabsehbares Abenteuer zu stürzen.“

Am Ende der Aussprache, die Ursula Weidenfeld als „sehr fair, offen und respektvoll“ bezeichnete, folgte die geheime Abstimmung mit einem eindeutigen Ergebnis: 46 Stimmen für den Umbau nach dem Entwurf von Zogmayer/Sichau, 13 dagegen, eine ungültig. Dann blieb noch die Sammlung von Ideen für Schritte zu einem friedlichen Miteinander der Vertreter unterschiedlicher Positionen. Befürworter wie Gegner wünschten sich hier vor allem eine offene, wertschätzende Kommunikation und von Seiten des Bistums Transparenz. Als Vertreter für ein neu zu bildendes Gremium zum Kathedralumbau entsandte die Vollversammlung Marie-Hélène Müßig und Wolfgang Klose, die auch dem neuen Diözesanrat angehören werden.

Ein Wortprotokoll wird auf der Seite des Diözesanrats unter www.dioezesanrat-berlin.de/ veröffentlicht.