Zeitgeist oder Konzil? Führung durch die Kathedrale sowie ein Vortrag zur Baugeschichte und Zukunft von St. Hedwig

Roswitha Sauer, Foto: Alexandra Wolff

Ein Gewitter lag während des Vortrags des Architekten Dr. Jan Krieger in der Luft. Eingeladen hatte die Ortsgemeinschaft Berlin des Bundesverbands der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV). Gewitterlich war auch die Stimmung, denn es ging um die St.-Hedwigs- Kathedrale.

Seit mittlerweile anderthalb Jahren diskutieren die Berliner daüber, wie und ob die Kathedale renoviert oder neugestaltet werden soll. Wegen des anhaltenden Interesses und der vorhandenen Kontroversen lud der KKV Berlin dazu ein, sich mithilfe einer sachkundigen Führung von Roswitha Sauer über den aktuellen Zustand der Kathedrale zu informieren und anschließend im benachbarten Bernhard-Lichtenberg-Haus die zukünftigen Planungen näher kennenzulernen und zu diskutieren.

„Baugeschichte und Pläne zur Sanierung oder Umgestaltung der St. Hedwigs-Kathedrale“ hieß Kriegers Vortrag. In Vortrag und Führung kamen teilweise recht unterschiedliche Ansichten zum Ausdruck. So widersprach Krieger in seinem Vortrag Sauers Aussage, dass die Idee der Aufteilung in Ober- und Unterkirche nicht vom Düsseldorfer Architekten Hans Schwippert kam, der nach dem zweiten Weltkrieg den Innenraum der zerstörten Kirche wiederherstellen sollte. „Dieses Detail, das viele am meisten stört, ist nicht Original-Schwippert, sondern war eine Idee des damaligen Bischofs Wilhelm Weskamm“, sagte Sauer. Ein weiterer Kritikpunkt an der jetzigen Form der Kathedrale ist, dass sie nicht den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils entspreche, weil der Altar leicht umschreitbar sein müsse. Das geht in der St.- Hedwigs-Kathedrale wegen der Bodenöffnung nicht. In „Sacrosanctum Concilium“ sei lediglich von einem „würdigen Ort“ die Rede und „es stand erst recht keine Meterzahl dabei, wie dicht der Altar umschritten werden müsse“, warf Sauer – angesichts der acht Meter breiten Bodenöffnung vor dem Altar – als kleinen Scherz ein.

Pläne zur Sanierung oder Umgestaltung

„Schwippert hat dem Zweiten Vatikanischen Konzil entsprochen, indem er den Altar von der Wand wegholte“, fügte sie hinzu. „Der Altar ist jetzt der Bezugspunkt, da Schwippert die Bänke ursprünglich kreisförmig um den Altar herum angeordnet hat.“ Schwippert könne sich gar nicht am Konzil orientiert haben, weil die Ergebnisse noch gar nicht veröffentlicht waren, bezog sich Krieger in seinem Vortrag auf ihre Aussage: „Er wird sich eher nach dem Zeitgeist gerichtet haben.“ Doch in erster Linie ging Krieger in seinem Vortrag auf das Modell der St.-Hedwigs-Kathedrale des Künstlers Leo Zogmayer ein, also darauf, wie die Kathedrale später einmal aussehen könnte. Beim anschließenden Gespräch stellten die Zuhörer, unter denen auch Geistliche aus dem Erzbistum waren, viele kritische Fragen. „Der findet für alles eine Antwort“, murmelte einer der Zuhörer kopfschüttelnd – Antworten, die neue Fragen aufwarfen.

Hitzige Debatte über Großveranstaltungen

Wo singt der Chor?“, fragte ein Zuhörer und Krieger erläuterte, dass sich bei großer Besetzung ein paar Stuhlreihen entfernen ließen. „Aber wenn ein Orchester kommt, dann fehlen ja zentrale Sitzplätze“, verwies ein anderer Zuhörer auf die Tatsache, dass eine große Besetzung auch meist viele Gottesdienstbesucher anlocke, beziehungsweise, dass bei wichtigen Gottesdiensten, zu denen viele Menschen erwartet würden, meist auch ein großer Chor auftrete. „Das ist nicht ausschlaggebend für den Umbau“, antwortete Krieger. „Bei besonderen Ereignissen kann man auch stehen und ältere Leute sitzen lassen. Das ist in jeder Kirche so.“

Hinweis

Die Internetseite www.tag-des-herrn.de bietet unter der Rubrik „Service“ eine Diskussionsplattform zu diesem Thema.