BZ-Kolumne

Öffnung der Heiligen Pforte in Moabit

Foto: Walter Wetzler

Unlängst haben wir feierlich eine besondere Tür geöffnet - an der St. Paulus-Klosterkirche der Dominikaner in Moabit. Es ist eine sogenannte Heilige Pforte. Sie soll dem Heiligen Jahr, das der Papst weltweit ausgerufen hat, auch in unserer Stadt einen konkreten Ort geben. Alle Menschen guten Willens sind eingeladen, hierher zu kommen und diese Pforte beim Gang in die Kirche zu durchschreiten.

Für manche mag sich dieser Brauch irgendwie „magisch“ anhören. Ein Pforte zu durchschreiten, damit etwas passiert? Das ist doch nichts Besonderes! Und doch: Wer zum ersten Mal eine ihm bislang unbekannte Tür durchschreitet, der weiß nicht, was ihn dahinter erwartet. Das kann Angst und Sorge bereiten. Aber wer nicht den Mut hat, sich auf etwas Neues einzulassen, der rostet ein und dessen Leben wird langweilig und arm. Es braucht immer den Mut zum Neuen, den Aufbruch zum Leben.

Eine Tür durchschreiten braucht aber auch die Unterscheidungsgabe. Jeder von uns steht oftmals im Leben vor vielen Türen. Er weiß nicht, welche er wählen soll. Ich kann mich nicht entscheiden, wie ich meine Freizeit gestalte und wofür ich mich engagiere und ich weiß nicht, welchen Beruf ich wählen soll oder mit welchen Menschen ich meinen Lebensweg teilen soll. Also gehe ich durch keine Tür und bleibe unentschieden vor ihnen stehen. Aber zu leben bedeutet, sich zu entscheiden. Ich kann nicht alle Wege gehen – aber bewusst leben heißt, sich bewusst entscheiden.

Für wieder andere sind die Pforten eher Drehtüren, aber wer unverbindlich in alles nur kurz seine Nase hineinsteckt, dem werden viele Lebenserfahrungen verwehrt bleiben, da das Große im menschlichen Leben auf Wachstum, Geduld, Treue und Verbindlichkeit beruht.

Das Durchschreiten der Heiligen Pforte in St. Paulus kann uns viel vom Leben und von den Portalen zum Leben erzählen, vom Mut sie zu durchschreiten, sich entschieden und verlässlich auf den Weg zu machen – zu unseren Aufgaben, zu den Menschen und zu Gott: Gott hat seine Pforten für uns geöffnet. Durchgehen zu ihm müssen wir schon selbst.

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