Ausstellung - Weißer Regen - Harriet Groß

Ausstellung - Weißer Regen - Harriet Groß

Mit der Ausstellung „Weißer Regen“ von Harriet Groß zeigt die Guardini Galerie erstmalig das Kapitel eines geschlossenen Werkkomplexes der Künstlerin von linearen Raumzeichnungen und Interventionen zur Polyphonie des Regens. Der Logik des Wassers folgend erforscht sie Grenzen als Schwellenzonen auf ihre Durchlässigkeit und Möglichkeit hin, Räume zu öffnen. Der „Weiße Regen“ ist Sinnesereignis und lineare Struktur in einem. Schwarz und Weiß. Anwesenheit und Abwesenheit. Positiv und Negativ. In der Ausstellung zu sehen sind Zeichnungen, Lentikulardrucke, Raumzeichnungen und Installationen.

Aus der Fülle von Einzelereignissen schreibt der Regen seine eigene Notation von neuen transparenten Räumen. Jedes Notat verlangt nach einer Interpretation. Wie in ihren räumlichen Zeichnungen durchwandert der Betrachter in dieser Ausstellung einen imaginären Raum mit wechselnden Blickwinkeln und Bezügen. Folgt man dem Rhythmus der einzelnen Kapitel, taucht man bereits in die Gesamtpartitur ihrer Zeichnungen ein. Es wird analysiert, gespiegelt, wiederholt, überlagert und komponiert. Und die Linie selbst wird bei ihrem Übergang in den realen Raum materialisiert. Harriet Groß seziert ihn und fächert ihn auf. Durch Wiederholung ausgelöste minimale Verdichtungen und Pausen bilden Zwischenräume in zeitlicher und räumlicher Abfolge. Die Linien ihrer Notationen lesen sich gleichsam als Notationen von Denkprozessen, die ihrem eigenen Rhythmus folgen.

Schon seit vielen Jahren begeistert sich Harriet Groß für die Ästhetik und Vielschichtigkeit des japanischen Holzschnittes aber auch der Katagamis. Weißer Regen, japanisch „Shôno“, ist unter anderem auch der Titel eines farbigen Holzschnitts von Utagawa Hiroshige aus dem Jahr 1832 und bezeichnet einen kurzen treibenden Regenschauer. Harriet Groß ist fasziniert von jener Abstraktion, die die Reduzierung auf das Wesentliche, auf den Charakter eines Sujets, eines Naturereignisses hervorbringt.

Hiroshiges analytische Arbeiten und ihre eigene Erfahrung des Wassermangels, gefolgt von Wassermassen, die mit verheerender Wucht zerstören, haben die Harriet Groß dazu gebracht, sich intensiv mit dem Phänomen des Regens auseinanderzusetzen. Er ist Teil eines Kreislaufes und damit Ausdruck einer ständigen Bewegung, die sie in ihren Arbeiten analytisch umsetzt. Sie umfassen unterschiedlichste Regenarten zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, angelehnt an die sehr genauen Differenzierungen von Regenformen in der japanischen Kultur. Vom Starkregen, leichten Nieselregen bis hin zum Eisregen. Es sind also direkte sinnliche Ereignisse, die sie auf ihre Ähnlichkeit und Differenz hin analysiert, um sie dann in Tuschezeichnungen als Auffächerung des Raumes über Linien zu begreifen.

Der Musiktheorie Pierre Boulez‘ folgend betrachtet sie den Klang räumlich – als ein Kontinuum mit der Möglichkeit eines gleichzeitigen Diskontinuums. Die Zeichnungen entwickeln sich zu eigenständigen Notationen, die nicht mehr nur dem Regen den Sound ablauschen, sondern neu im Raum entstehen lassen. So lässt sich das Thema des „Weißen Regens“ als Aufforderung zur Imagination von unendlichen Variationen lesen, wie auch der Saum in der Brandung des Meeres eine Grenzlinie schreibt, die sich immer wieder neu zeichnet.

Das Künstlerbuch Weißer Regen von Harriet Groß (mit Texten von Frizzi Krella und Hubertus von Amelunxen) ist aktuell im Verlag The Green Box in Berlin erschienen.


Die Ausstellung ist vom 23. Mai bis 22. Juli 2022 montags bis freitags von 13:00 bis 18:00 Uhr in der Guardini Galerie zu sehen.

Kuratorenführung in Anwesenheit der Künstlerin: 28. Juni 2022 um 19.00 Uhr

Termin
23.05.2022
- 22.07.2022
Veranstaltungsort

Guardini Galerie
Askanischer Platz 4,
10963 Berlin

Tel.: 030 / 217358-0
Fax: 030 / 217358-99
info(ät)guardini.de