Ein Berliner in Brasilien

Pfr. Laminski berichtet von seiner Missionsarbeit

Ich bin vor allem hier für die Arbeit mit den „Fazendas da Esperanca“ in der Diözese, helfe aber auch in Pfarreien als Vikar, momentan in der 50 000-Einwohner-Stadt Pirapora, 320km von Diamantina, wo ich jeden Freitag mit dem Bus hinfahre und montags wieder zurück nach Diamantina (Halbtagesreise hier!). Diese Gegend ist im Gegensatz zu Diamantina eine sehr heiße Gegend, in der es zuletzt im Januar dieses Jahres geregnet hat und die Menschen sehnsüchtig auf Regen warten. Piarapora (am Fluß Sao Fransisco) liegt nahe 2 anderen Städten (Buritizero und Varzea da Palma), die zu den schnell wachsenden Städten gehören und - damit verbunden - viele Menschen anziehen, die ihr Glück dort versuchen. Der Bischof hat dieses Städte-Dreieck als pastoralen Schwerpunkt der Diözese für die nächste Zukunft herausgestellt, wo Gemeinden schnellstens gegründet werden müssen, da sie oftmals als einzige Lebensstrukturen für die Menschen anbieten. Die wenigen Priester dort vor Ort sind aber schon dabei, Kirchen und Kapellen und Pastoralzentren zu gründen, simpel, zunächst oft in einfachsten Häusern.

Als ich an meinem 1. Wochenende da war, habe ich schnell etwas von der Realität dort mitbekommen. In einer Woche (!) wurden dort 14 (!) Jugendliche erschossen, der Drogenhandel blüht und die Polizei steht dem fast machtlos gegenüber, verhängte einzig eine nächtliche Ausgangssperre … An einem meiner ersten Abende wollte ich gegen 19.00 Uhr mal durch Buritizero, der Stadt gegenüber meiner Pfarrei Pirapora fahren. Padre Paulo Henrique verbot mir das mit drastischen Worten, dort irgendwie nur mit dem Auto durch die Straßen zu fahren.

Bezüglich der neuen Fazenda bei Diamantina gibt es Gutes zu berichten. Wir haben einen Verein, der im Allgemeinen in der Präventionsarbeit der Stadt arbeitet und dieser hat nun vor kurzem ein Direktorium gewählt, um die Arbeit der neue „Fazenda da Esperanca“ zu koordinieren. Diamantina liegt im Zentrum der Diözese, 320 km eben von meiner jetzigen Pfarrei entfernt, eher kühl in den Bergen gelegen, Weltkulturerbe-Stadt aber mit ebenfalls vielen und heftigen Drogenproblemen - in den Außenbezirken vor allem, jenseits des touristischen Zentrums - gebeutelt.

Von einem von Franzosen vor vielen Jahren gegründeten Sozialprojekt hier in der Stadt haben wir 80Hektar Land in den Bergen, mit etlichen Wasserfällen und wunderschön gelegen, geschenkt bekommen. Laura Plank hat ja auch hier als Freiwillige in Diamantina bis Mai gearbeitet, genau in dem Projekt, dass der Fazenda nun Land überließ.
Also, Land gibt´s, die Schenkungspapiere dazu sind in Arbeit, Bauprojekt für Haus, Kapelle und Küche sind in Arbeit, … klingt, als ginge das alles superschnell. Aber damit verbunden waren und sind oft viele, viele Behördengänge …

Der „Freundeskreis Tudo Bem“ in Maria Frieden überwies im Mai 2.000 Euro für den Anfang der neuen Fazenda. In diesen Tagen sind dort für 5.600 Reais, eben 2.000 Euro, grob die Wasserleitungen von etwa 2km Länge verlegt worden. Strom wurde auch schon gelegt. Nun sind wir dabei, viele Kontakte zu kreieren, die wir brauchen, um schließlich dann auch mit dem eigentlichen Hausbau beginnen zu können. Das wird sicher noch Monate brauchen. Aber mindestens hat uns ein Ingeneur-Büro seine Dienste unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Das ist auch schon viel! Schön ist auch, dass uns viele Menschen hier in der Stadt ihre Dienste anbieten und dass die Fazenda kommt und in den Startlöchern sitzt, freut viele und es auch stadtbekannt. In allen Messen, in den ich hier zelebriere, spreche ich auch über die Fazenda und viele verbinden meinen Namen damit. Auch im Klerus der Diözese verbinden natürlich alle mein Leben hier mit der Arbeit der Fazenda und das hilft ungemein.

Soweit mein aktueller Bericht hier von meiner Arbeit in der Erzdiözese Diamantina. Ich würde mich freuen, wenn sich die Kontakte über den „Freundeskreis Tudo Bem“ in Maria Frieden hierher nach Diamantina weiter vertiefen würden (Infos gibt es auf der website von Maria Frieden: www.maria-frieden-berlin.de). Wer als Jugendlicher hier mal seine Freiwilligen-Zeit erleben möchte, den können wir gern helfen! Es ist eine gute Lebenserfahrung. Auch freuen sich hier alle – einschließlich ich selbst – immer wieder über Besuch! Besuche zeigen den Menschen hier auf ganz besondere Weise, dass sie nicht mit ihren Problemen allein gelassen sind.

Viele herzliche Grüße,
Mathias Laminski, Pfarrer

mathias.laminski(ät)web.de