10. Juli 2014, Dieter Stolte

DieTextstellen:

(a) Auch in den größeren Pfarreien wird an mehreren Orten die sonntägliche Eucharistie-feier gefeiert. Wo dies nicht (mehr) möglich sein sollte, wird es zunächst darum ge-hen, alle anderen Möglichkeiten wie Fahrdienste o.ä. auszuloten. In Ausnahmefällen wird es auch möglich sein, sich am Sonntag zum Wortgottesdienst mit Kommunion-austeilung zu versammeln. Es soll aber nicht zur Regel werden.

(b) Einen synodalen Prozess auf Bistumsebene, so wie ihn sich die Initiativgruppe wünscht, wird es nicht geben. Gleichzeitig werden wir die bestehende Gremien-Struktur stärken.

Anmerkungen zu (a):
Hintergrund der Aussage dürfte vor allem der zunehmende Priestermangel sein. Die Frage ist, wie mit Mangelsituationen im Allgemeinen und im Besonderen umgegangen werden sollte. Dazu eine Negativ-Erfahrung aus DDR-Zeiten*: Die Herrschenden betrieben eine ideologiegeleitete, machtorientierte Mangelverwaltung. Fragen nach den tatsächlichen Ursachen von Mängeln wurden verdrängt oder unterdrückt. Nicht zuletzt deshalb scheiterte das System.

Vieles spricht dafür, den zunehmenden Priestermangel in der Weise zu thematisieren, dass eine Auseinandersetzung mit den Ursachen erfolgt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Probleme weiterschwelen - mit unerwünschten Auswirkungen anstelle erhoffter Aufbrüche.

Bemühungen, die geplanten personalbedingten Veränderungen - hin zu Großpfarreien – als primär geistliches Geschehen zu interpretieren und gewissermaßen zu „taufen“, ersetzen nicht die notwendige offene Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Thema Priestermangel.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Für die Gläubigen ist es ein ständiger und heutzutage besonders wichtiger Auftrag, engagiert für die christliche Botschaft einzutreten. Dabei sind frei-lich die „Zeichen der Zeit“ zu beachten. Ein solches „Zeichen“ ist der zunehmende Priesterman-gel. Die Auseinandersetzung damit muss geführt werden, ob gelegen oder ungelegen.

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* Die Erfahrung aus DDR-Zeiten ist nützlich unbeschadet des prinzipiellen Unterschiedes zwischen christlicher Botschaft einerseits und Ideologie der DDR andererseits.

Anmerkungen zu (b):
Das Erzbistum Berlin ist als Ganzes ein großer pastoraler Raum. Werden die Grundsätze der Pastoralen Leitlinien auf diesen Raum angewendet, dann ergibt sich, dass der Vorschlag eines synodalen Prozesses auf Bistumsebene durchaus konsequent ist.

Der Gedanke ist plausibel, in einem synodalen Prozess nach tragfähigen Antworten auf wichtige Zukunftsfragen zu suchen. Im Rahmen der bestehenden Gremien-Struktur dürfte die notwendige Auseinandersetzung mit grundsätzlichen Fragen eher nicht möglich sein.

Erinnert sei an die positiven Erfahrungen der Pastoralsynode der Jurisdiktionsbezirke in der DDR 1973-1975. Die Bündelung von Ressourcen auf zentraler Ebene, transparente Entscheidungsprozesse, partnerschaftlicher Umgang miteinander und Mut der Synodalen machten tragfähige Arbeitsergebnisse möglich. Übrigens galt auch damals schon: Habt keine Angst!