3. April 2013, Thomas Bachmann

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehen Sie es Herrn Dr. Pulsfort nach. Es gab unter unserem alten Bischof keine Streitkultur, und so gab es nur den ruppigen Stil des "friss oder stirb", den er mit vorliegendem Schreiben weiter praktiziert.
In der Sache selbst äußert er Überlegenswertes. Mir scheint auch, dass die gegenwärtigen Reformüberlegungen in erster Linie den fehlenden Pristern und nicht den schlecht funktionierenden Gemeinden geschuldet sind. Es gibt noch viele lebendige Gemeinden, aber eben zu wenig Priester.
Deshalb sollte die Reaktion auf die gegenwärtigen Umstände nicht darin bestehen, die (häufig) noch gut arbeitenden Gemeinden zusammen zu legen. In der Vergangenheit war das schwierig. Und ich meine nicht, dass es oft am bösen Willen der bisherigen Gemeindeglieder gescheitert ist. Sondern weil gemeindliches Leben in zu großen Einheiten einfach schwer zu praktizieren ist.
Ich halte es für erfolgversprechender, die Gemeinden in ihren bisherigen Bestand bestehen zu lassen und zu fragen, wie diese Gemeinden ohne eigenen Priester geleitet werden könnten. Wer die Gemeinde spirituell leitet und wer sie administrativ leitet. Vielleicht müssen in Zukunft diese Funktion nicht mehr in einem Priester zusammen fallen - was für den einen oder anderen jungen Mann vielleicht die Entscheidung zum Pristerberuf erleichtern könnte. Und für die kath. Fachhochschule wäre es eine schöne Aufgabe, kirchliche Verwaltungsfachwirte zu administrativen Leitern auszubilden.
Lassen Sie also die Gemeinden in ihren jetzigen Strukturen bestehen. Aber sagen sie den Gemeinden, ihr seid jetzt für Euch selbst verantwortlich. Euer Bischof kann euch nur noch selten einen Priester für den sakramentalen Vollzug geben. Also organisiert ihr euch selbst.
Ich bin fest davon überzeugt, dass die betriebswirtschaftliche Methode, auf einen Rückgang der Nachfrage mit Zusammenlegungen zu reagieren, der Kirche sehr stark schaden würde.

Gern bereit, diesen Gedanken auch bei einem Glas Wein zu erläutern, grüßt Sie herzlich,
Thomas Bachmann