31. März 2013, P. Adrian Kunert, SJ

Ich bin über den Brief von Pfr. Pulsfort irritiert, weil er eine sehr selektive Wahrnehmung sowohl des Adventshirtenschreibens als auch der veröffentlichten Pläne für den Dialogprozess "Wo Glauben Raum gewinnt" zeigt. An der Tatsache, dass man jetzt etwas planen muss, solange wir noch Ressourcen zur Umstrukturierung haben, die dann Wachstum frei setzen kann, führt ja rein statistisch kein Weg vorbei.

Und die Alternativen, die Pfr Pulsfort aufgezeigt hat, sind erstens nicht die einzigen Möglichkeiten und mE beide falsch. Den ersten nannte man früher: Frontbegradigung. nur reagieren, wenn der jeweilige Abschnitt nicht mehr zu halten ist, belässt uns in der unbefriedigenden Situation, in der wir jetzt sind. 2. Viri Probati ist ein Weg, den die Diözese aus diversen nicht allein gehen kann (und der mE an der Grundsituation der Gemeinden nichts ändert).

Verstehen kann ich allerdings eine Sorge, die mE durch den Hirtenbrief zur Fastenzeit auch verstärkt wurde. Dass es nämlich im Hintergrund des offenen Dialogs schon soviel eingehauene Pflöcke gibt, dass ein sinnvoller offener Dialog nicht mehr stattfinden kann. Bsp kam bei mir der Eindruck rüber, dass auch in EB Berlin am Sonntag pro Pfarrei nur eine Eucharistie stattfinden sollte und dass die Eucharistie den Menschen die längeren Wege doch wert sein sollte. Das wurde dann mit dem Märtyrerzitat des verehrten Papst Benedikt XVI noch unterstützt und moralisch aufgeladen. Das mag für Berlin Stadt ja noch funktionieren, für Katholiken auf dem Land bedeutet aber die Verlängerung einer einfachen Strecke von 30 auf 60 km, dass Gottesdienste praktisch nicht mehr stattfinden werden, wenn auch keine Wort Gottes Feiern erlaubt sind. Ebenfalls wird nicht stark genug die Bedeutung der kleinen Gemeinde gewürdigt, wie sie im Osten ja noch stärker besteht. Aber wenn man den Menschen ihre Heimat nimmt durch Auflösung in eine größere Einheit, werden diese nicht aktiver. Ich weiß, das der Kardinal das auch so nicht gemeint hat, aber ich habe gemerkt, dass es bei vielen so angekommen ist. Sinnvoller wäre es, nach Möglichkeiten zu suchen, die kleinen "Heimaten" missionarischer werden zu lassen. Mein Vorschlag für die Sammlung in den Gemeinden und anderen Gruppen für den Prozess ist darum folgender dreigliedrieger; und jeder Punkt sollte getragen sein vom Gebet und zwar in jeder Sitzung:
1. Sammlung der konkreten Ressourcen & Probleme vor Ort und auch der bestehenden Animositäten (sozusagen eine Kartographierung des Istzustandes).
2. Sammlung von Ideen, wie man wo welche Probleme erfolgreich gelöst hat, was es für Ideen in anderen Diözesen und Ländern gibt. Hierzu könnte man auf die Orden, Säkularinstitute und muttersprachlichen Gemeinden zugehen, um den Horizont auch der Weltkirche einzubringen. Hier ist extrem wichtig, die Scheren aus den Köpfen zu bekommen und erst mal alles zu sammeln.
3. Sichtung, Wertung und Syntheseversuche bezüglich verschiedener Ideen. Erst jetzt wird untersucht: Geht das kirchenrechtlich irgendwie, ist es das, was wir wirklich wollen, wie passt es zusammen mit den Vorstellungen des Bischofs, die bis dahin ja auch einen Prozess durchlaufen haben werden.

Soweit mal in Kürze, bevor das Ganze hier wieder in Lagerdenken ausartet.