Fastenimpuls

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11. Mar 2019

„Was wird ER zu mir sagen?“

Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen …? ( Mt 25,44)

Angesichts dieses Evangeliums stellt sich die Frage: „Was wird ER zu mir sagen?“. Sieht er auf all die vielen verpassten Gelegenheiten in meinem Leben? Doch eine Stimme tief in mir sagt: „Hab Vertrauen. ER sieht die die vielen kleinen Taten, die trotzdem durch Dich geschehen.“ 

Und so darf ich jeden Tag voll Zuversicht beginnen: ER wird mich überraschen und mir viele Gelegenheiten schenken, IHM in Liebe zu begegnen.

P. Claus Pfuff SJ, Flüchtlingsseelsorger

10. Mar 2019

"Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge ..." (Dtn 26,10)

"Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, Herr." (Dtn 26,10)

Erfrischend konkret und praktisch konnten die Gesetze des Volkes Israel im Alten Testament sein: von allem den ersten Teil sollten die Israeliten geben.

Die Früchte meines Landes, d.h. meines Lebens? Ein paar Minuten für Gott, bevor ich ins Netz gehe? Zeit für den Gottesdienst, bevor ich den Sonntag ganz verplane? Und schon die alten Hebräer wussten, dass Gott auch bei den Menschen zu finden ist: bei meinen Kindern, bei den Notleidenden in unserer Stadt.
Eine gute Idee für die Fastenzeit – zumindest für alle, die es gern praktisch mögen.

Prälat Stefan Dybowski

09. Mar 2019

„Nicht die Gesunden brauchen den Arzt" (Lk 5,31-32)

Jesus antwortete ihnen: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um die Sünder zur Umkehr zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Lk 5,31-32)

Jesus verkündet im heutigen Evangelium die Ankunft seines Reiches. Er sagt: „Ich bin gekommen nicht nur für die Frommen, sondern vor allem für diejenigen, die als Sünder angesehen werden.“ Mit ihnen setzt er sich zu Tisch, mit ihnen feiert er und isst er, ohne ihnen eine moralische Predigt zu halten.

Seine Devise lautet: „Keiner ist von seiner Liebe ausgeschlossen! Er braucht unsererseits die Anerkennung, dass wir die Sünder sind, die zur Umkehr gerufen sind, nicht die Gerechten.

Wir können aufbrechen und Liebende werden.

Von Antonie de Saint-Exupery stammt der Satz: „Wenn Liebe einmal gekeimt hat, treibt sie Wurzeln, die nicht mehr aufhören zu wachsen!“

Sr. M. Waldemaris Roesler, Franziskanerin vom Hl. Martyrer Georg zu Thuine

08. Mar 2019

"Warum fasten deine Jünger nicht?" (Mt 9, 14-1)

„Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten.“ (Mt 9, 14-1)

Auf die Frage der Jünger antwortet Jesus mit einem Bild. Er ist der Bräutigam und die Jünger die Hochzeitsgäste. Solange der Bräutigam bei ihnen ist, gibt es keinen Grund als Zeichen der Trauer zu fasten. Hier geht es um eine neue Intensität der Gottesbeziehung. Die Jünger des Johannes stehen für den alten Bund, für das Gesetz. Die Jünger Jesu stehen für den neuen Bund, der sich in der Gottessohnschaft Jesu manifestiert.

In der persönlichen Begegnung mit Jesus Christus erwächst eine qualitativ neue und intensivere Gottesbeziehung, die eine Liebesbeziehung ist. Das angesprochene „Fasten“ der Jünger Jesu, welches im Grunde ein „Trauern“ ist, folgt nach den Worten Jesu einer inneren Evidenz (Abschied) – nämlich dann, wenn ihnen der Bräutigam weggenommen wird („dann werden sie fasten“). Das echte Trauern ist Teil dieser intensiven Beziehung zum Herrn, Trauern – das Tor zum Leben (Sendung des Hl. Geistes).

Aber, wie gesagt, hier ist das Fasten (bzw. Trauern) die innere Folge der Gottesbeziehung und nicht einfach nur ein äußeres Gesetz, dem man Folge zu leisten hat („Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten?“).

Sr. Theresa-Maria Neuhaus, Franziskanerin vom Hl. Martyrer Georg zu Thuine

07. Mar 2019

"... und folge mir nach." (Lk 9,23)

Zu allen sagte Jesus: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Lk 9,23)

Im heutigen Evangelium rückt Jesus seinen bevorstehenden Kreuzweg in den Blick der  Jünger und sagt zu ihnen und uns heute, dass wir alle unser Kreuz täglich auf uns nehmen sollen und so mit ihm den Weg der Nachfolge gehen.

Wenn wir uns ehrlich anschauen, laufen wir oft andere Wege, suchen Sicherheit und Gewinn in dieser Welt. Unser Kreuz auf uns nehmen fällt uns schwer.

Aber wie lernen wir, unser Kreuz zu tragen?

Fangen wir klein an.

Wenn kleine Kinder laufen lernen, dann tun sie das, indem sie oft an der Hand von Mutter und Vater laufen üben. Sie trauen sich, weil sie vertrauen und weil sie laufen wollen!

Vielleicht geht es beim Kreuz tragen auch am ehesten so!

Sr. M. Waldemaris Roesler, Franziskanerin vom Hl. Martyrer Georg zu Thuine

06. Mar 2019

“Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.” (Genesis 3,19)

Dieses Wort wird uns heute am Aschermittwoch wieder neu zugesprochen. Für mich bedeutet es, in diesem Spannungsbogen zu leben:

  • Empfangen- und geboren werden
  • Umsorgt, behütet und geliebt werden
  • Wachsen, lernen, sich ausprobieren und reifen
  • Schaffen, aufbauen und Verantwortung übernehmen
  • Loslassen, abgeben, Hilfe annehmen, bis hin zu unserem leiblichen Tod.

Bedenke Mensch …

  • Was gab ich dir?
  • Wie half ich dir?
  • Wie behütete ich dich?
  • Wie liebte ich dich?
  • Wie begleitete ich dich?
  • Wie oft suchte ich dich?
  • Wie oft vergab ich dir?
  • Auch bis hin zu deiner ewigen Vollendung.

Ich möchte mich in den kommenden 40 Tagen der Fastenzeit nicht aus dem Staub machen, sondern das Verstaubte in mir neu bedenken in meinem Verhältnis zu IHM! Ich freue mich darauf.

Sr. M. Emanuele Mansfeld, Franziskanerin vom Hl. Martyrer Georg zu Thuine

31. Mar 2018

Hinabgestiegen in das Reich des Todes.

Hinabgestiegen in das Reich des Todes. (aus dem Glaubensbekenntnis)

Am Karsamstag finden keine Gottesdienste statt. Daher auch kein biblischer Text, kein Wort der Hoffnung.
Doch das Glaubensbekenntnis berichtet: er ist hinabgestiegen in das Reich des Todes. So weit geht Gottes Solidarität mit uns Menschen, dass er uns sogar im Tod nicht allein lässt. Wenn das kein Wort der Hoffnung ist?

Prälat Stefan Dybowski

30. Mar 2018

Doch der Herr fand Gefallen an seinem Knecht (Jes 53,2-3.10)

Viele haben sich über ihn entsetzt, so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch (Jes 52,14).

Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Doch der Herr fand Gefallen an seinem Knecht (Jes 53,2-3.10).

So beschreibt der Prophet Jesaja den leidenden Gottesknecht: entstellt, von den Menschen gemieden. Diese Beschreibung trifft nicht nur auf Jesus zu, sondern auf ungezählte Menschen, die tagtäglich ihre Leiden ertragen müssen.  
Der Prophet kennt aber doch jemanden, der den entstellten und leidenden Menschen anschauen will: Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen Knecht. „Du siehst mich“ – das Leitwort des letzten Kirchentages wird hier zur Botschaft der Hoffnung.

Prälat Stefan Dybowski

29. Mar 2018

„Handelt auch ihr so, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,15)

Liebe bis zur Vollendung. Der Evangelist Johannes stellt in den Mittelpunkt der Abendmahlsszene die Fußwaschung. Jesus setzt ein Zeichen und macht so die Dynamik klar: Gott liebt bis zur völligen Entäußerung - und: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Das ist Zusage und Programm: Daran will ich mich immer wieder erinnern!

Christopher Maaß

28. Mar 2018

„Jeden Morgen weckt er mein Ohr …“

„Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich auf ihn höre wie ein Jünger. Gott, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.“ (Jes 50, 4-5).

Jeden Morgen öffnet uns der Herr für den neuen Tag Ohren und Augen, Herz und Verstand, damit wir wahrnehmen, was ist. Der Prophet Jesaja bekennt, dass er sich der Wirklichkeit stellen will. Was ist, ist: im eigenen Leben und in dem Leben der anderen.

Manchmal ist das, was wir wahrnehmen, vielleicht erschreckend und unangenehm. Jesaja nimmt es an. Jesus nimmt es an. Viele Jüngerinnen und Jünger nehmen die konkrete Wirklichkeit auch heute an. Das kann gelingen, solange wir glauben, dass Gott in jeder Wirklichkeit – in der angenehmen und in der schmerzlichen – lebt.

P. Manfred Kollig SSCC, Generalvikar Erzbistum Berlin