Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend von einer Heiligen oder einem Heiligen sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

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06. Oktober 2021

Hl. Franziskus von Assisi

Während unserer Jubiläumsfeierlichkeiten 100 Jahre Franziskaner in Pankow habe ich während eines Vortrags, den ein Mitbruder gehalten hat wieder Neues über den Hl. Franziskus erfahren dürfen.

In Südamerika wird Franziskus sehr oft auf Bildern mit Flügeln dargestellt. Entweder mit Flügeln auf dem Rücken wie bei Engeln oder auch mit Flügeln an den Fersen, wie wir es aus der antiken Sagenwelt kennen von Hermes dem Götterboten z.B.. Franziskus wird auf solchen Bildern „Der Vogelmann“ genannt. Er bewegt leicht schwebend, wie ein Vogel, zwischen Erde und Himmel.

Angelehnt an Vorbilder aus der Welt der Maya und Inka, sehen die Menschen Südamerikas in Franziskus als Vogelmann einen herausragenden Menschen, der sich leicht zwischen dem Irdischen und Überirdischen bewegt. Der gleich-sam eine Brücke schlägt zwischen uns Menschen und Gott. Der uns zeigt, dass es eigentlich keine Trennung gibt zwischen der Welt „hier unten“ und der Welt „dort oben“. Der uns zeigt, dass die irdische Welt schon in die überirdische hineinreicht und umgekehrt. Die Übergänge sind fließend.

Ich finde dieses Bild von Franziskus dem Vogelmann sehr ansprechend und anregend – nämlich gerade in unserer krisengeschüttelten Zeit nicht zu verzagen, sondern aufmerksam zu schauen, wo die überirdische Welt in unsere irdische Welt hineinreicht und wunderbare Spuren hinterlässt, und wo ich umgekehrt darauf vertrauen darf, dass die irdische Welt mit allem Schweren durch Menschen wie Franziskus immer Zugang erhält zur Jenseitigen.

Br. Gregor L. Wagner ofm

29. September 2021

Hl. Lioba

Lioba kommt von „Liebe“, die wörtliche Übersetzung lautet „Die Liebende“.

In meiner Kindheit hat es mich manchmal genervt, dass ich beim Kennenlernen oft mehrfach nachgefragt wurde: „Wie heißt Du??“ Doch schon lange trage ich den Namen sehr gerne und freue mich, so eine beeindruckende Namenspatronin zu haben.

Die heilige Lioba wurde im Jahr 710 geboren und starb vermutlich am 28. September 788. Als Wegbegleiterin des heiligen Bonifatius verband die Beiden nicht nur eine nahe Verwandtschaft, offensichtlich gab es auch gegenseitig eine große Wertschätzung. Gemeinsam gründeten sie Klöster und trugen zur Christianisierung des Fränkischen Reichs bei. Über Lioba wird gesagt: „Fürsten liebten sie, Bischöfe nahmen sie freudig auf und beredeten sich mit ihr über das Wort des Lebens. Lioba war stets darauf bedacht, anderen nichts beizubringen, was sie nicht auch selbst befolgte. Sie war sanft in ihrer Rede, von klarem Verstande und großer Umsicht; katholisch in ihrem Glauben, unerschütterlich in ihrer Hoffnung, unbegrenzt in ihrer Liebe.“ Tolle Eigenschaften.

Ihre letzte Ruhestätte fand sie in der Krypta der Kirche St. Peter (auch Lioba-Kirche genannt) auf dem Petersberg in der Nähe des Klosters Fulda. Von den heute noch dort ansässigen „Lioba-Schwestern“ (Benediktinerinnen von der heiligen Lioba) konnte ich vor einigen Jahren Schwester Eolioba kennenlernen. Es lohnt sich, die Lioba-Kirche zu besuchen, die wunderschön auf der Höhe gelegen ist und einen tollen Rundblick in die Rhön bietet. Faszinierend ist die Krypta aus dem 8. Jahrhundert mit Lioba-Reliquien. Ebenso finden sich dort – medial ansprechend aufbereitet – Informationen zum Schriftverkehr zwischen Bonifatius und Lioba, sehr eindrucksvoll!


Lioba v. Dewitz, Sekretariat Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin

22. September 2021

Hl. Thekla

Ihre Eltern wollten sie reich verheiraten, sie war eine gute Partie - gebildet und aus vornehmem Hause, bildschön noch dazu. Doch Thekla weigerte sich. Zu sehr war sie fasziniert von der Botschaft dieses Jesus von Nazareth, von dem Paulus in ihrer Heimatstadt Ikonium allen erzählte, die ein offenes Ohr und ein offenes Herz dafür hatten. Thekla hatte dies beides, und so floh sie vor ihrem Bräutigam und folgte Paulus. Dies brachte ihr den bitteren Zorn der Familie ein, doch wie durch ein Wunder überlebte Thekla alle Versuche, sie mit Gewalt und Grausamkeiten von der christlichen Lehre abzubringen. 

Die heilige Thekla – ihr Name bedeutet „Gottes Ruhm“ – wollte zur größeren Ehre Gottes leben, wollte in Gottes Augen Ansehen finden und nicht in denen eines reichen Bräutigams. Sie lehrte, taufte, soll sogar Wunder getan haben. Den Frauen ihrer Zeit war sie ein Vorbild, freigeistig und überzeugend in ihrer Lebensweise. 

Auch mich fasziniert die Entschiedenheit dieser Frau, die als Apostelin und erste Märtyrerin bezeichnet wird. Gegen Widerstände für ihre Überzeugung einzustehen und ein Leben zu wählen jenseits der Komfortzone ihres gesellschaftlichen Standes, das ist mutig. 

Sie hat als Frau ihren Platz in der Verkündigung in der noch jungen christlichen Kirche ganz selbstverständlich eingenommen, um die gute Botschaft mit Wahrhaftigkeit und Überzeugung weiterzutragen. Das finde ich stark. Diese Selbstverständlichkeit braucht es auch in unserer Zeit – und in der Kirche von heute.


Sr. Thekla Schönfeld MMS

15. September 2021

Hl. Tobias

Mein Namenspatron ist eigentlich gar kein echter Heiliger. Tobias ist eher eine literarische Figur, der etwas farblose „Held“ in einer märchenhaften Erzählung des Alten Testaments. Er wird von seinen Eltern losgeschickt, um von einem entfernten Verwandten Geld zu holen, das der für die Familie aufbewahrt. Tobias gewinnt einen Reisegefährten, mit dessen Hilfe er alle möglichen Gefahren überwindet. Er findet eine Frau, deren erste sieben Ehemänner freilich alle in der Hochzeitsnacht durch einen Dämon getötet wurden. Mit Unterstützung seines Reisegefährten entgeht er diesem Schicksal und kehrt mit seiner Frau und dem Geld zu seinen Eltern zurück. Mit einer Salbe, die er aus dem Abenteuer mit einem Fisch gewonnen hat, heilt er die Blindheit seines Vaters. Und ganz am Schluss enthüllt sein Reisebegleiter, dass er in Wahrheit der Erzengel Rafael ist.

Tobias hat in der Erzählung den Engel als Reisegefährten angenommen und folgt dessen Ratschlägen. Vielleicht ist es das, was mir mein Namenspatron für mein Leben sagen kann: Wenn ich Gott an meiner Seite weiß und versuche, seinen Hinweisen zu folgen, dann darf ich auf ein gelungenes Leben hoffen. Dann kann nichts mir wirklich schaden. Das verrät auch schon der Name meines Patrons: Tobias, hebräisch „Tobija“ bedeutet „Der Herr ist gut.“

Dompropst Prälat Tobias Przytarski

08. September 2021

Hl. Roswitha von Gandersheim

Meinen Namen mochte ich als Kind nicht. Seitdem ich mich jedoch mit meiner Namenspatronin beschäftige, bin ich versöhnt. Denn sie fasziniert mich: Roswitha von Gandersheim.

In einem Klosterstift verfasste sie im 10. Jahrhundert geistliche Schriften und historische Dichtungen, darunter die ersten Dramen seit der Antike. Damit gilt sie als erste deutsche Dichterin und erste christliche des Abendlands.

Dass sie sich in eine Domäne vorwagte, die Männern vorbehalten schien, zeugt von Selbstbewusstsein und Mut. In den Vorworten zu ihren Schriften offenbart sich eine hochgebildete Frau mit einer gefestigten und reflektierten Gottesbeziehung. Sie kennt ihre Begabung, weiß sich damit beschenkt von Gott, „der mich mit Geisteskraft begnadet“. Und dankt ihm „mit allen Fasern für alle mir geschenkten Gaben“. Ihre religiöse Demut war somit buchstäblich auf dem Boden der Tatsachen, wenn sie selbst-bewusst ist als „Wesen…, begabt mit Fähigkeit und Fleiß“.

Vielleicht spricht sogar ihr Name dafür, der nur aus ihren Werken bekannt ist. Heute wird Roswitha meist mit ´ruhmesstark´ wiedergegeben. Sie selbst versteht sich als starke/laute Stimme: „Daher nahm ich, die Laute Stimme von Gandersheim, mir vor, zu schreiben, ohne mich zu scheuen…“ Vielleicht ist der Name also Programm, ein Künstlername. Die ebenfalls hochgebildete und selbstbewusste Äbtissin Caritas Pirckheimer, eine Zeitgenossin Melanchthons, sah jedenfalls in ihr einen Beweis für die von Gott gegebene gleiche Begabung von Mann und Frau - und ihre Motivation zu schreiben darin, ihre Frauengemeinschaft zu unterrichten und zu erziehen.

Die Stadt Bad Gandersheim sieht heute Roswitha als gute Werbeträgerin an und verleiht seit 1973 den Roswitha-Preis an Schriftstellerinnen.

Mich hat sie immer ermutigt, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Zu keinem Ruhm, aber in der Rückbindung an Gott im Einsatz für seine geliebten Menschen. Es ist gut biblisch, (s)ein Licht nicht unter einen Scheffel zu stellen. Oder wenn nötig, seine Stimme klar vernehmen zu lassen.

Roswitha Sauer

01. September 2021

Hl. Gregor der Große

Bleiben, wenn alle weglaufen

Zeichnen war noch nie meine Stärke. Bei meinen Bildern, die wir in der Schule malen mussten, war ein Dackel so groß wie sein Herrchen. „Das mit den Größenverhältnissen, das musst du noch lernen“, hat meine Zeichenlehrerin oft gesagt. Doch wo kann man das lernen? Der Heilige dieser Woche trägt den Beinamen „der Große“: Papst Gregor der Große. Was hat den Gregor so groß gemacht? 

Rom ist sicher immer wieder eine Reise wert. Ich kann Ihnen aber versichern: wenn Sie das Rom sehen würden, in dem Gregor gelebt hat, würden Sie Ihre Reise auf der Stelle stornieren. Eine Brandkatastrophe hat die halbe Stadt zu einer Ruinenlandschaft gemacht. Und da ja bekanntlich ein Unglück selten allein kommt: ein wenig später trat der Tiber über die Ufer und ließ neben der Verwüstung ganzer Stadtviertel die Pest und viele andere Infektionskrankheiten zurück. Es war zum Weglaufen.

Und Gregor wollte auch weglaufen. Aus der Stadt. Und von seiner Aufgabe, nach dem Tod von Papst Pelagius II. die Kirche zu leiten. Erst hat er sich als Mönch in ein Kloster zurückgezogen. Und schließlich versuchte er, auf einem Bauernkarren in einem Gemüsekorb versteckt aus Rom zu entkommen. Es nutzte nichts, die Römer fanden ihn doch. Und so wurde er am 3. September 590 Papst.

Gregor musste bleiben, aber er ist dann auch geblieben. Sein ganzer Einsatz galt den Menschen, die in Armut und Elend lebten. Aus seiner Zeit als Stadtpräfekt kannte er sich gut aus in organisatorischen Strukturen. Er hatte auch tolle Leute um sich gesucht, die ihn im Kampf gegen das Elend unterstützten. Eines Morgens wurde ihm kurz vor der Messe berichtet, dass ein Mann vor Entkräftung zusammengebrochen sei. Darauf Papst Gregor: „Wenn in Rom einer vor Hunger stirbt, kann der Papst nicht die Hl. Messe feiern.“ Und er zog die Messgewänder wieder aus.

„Das mit den Größenverhältnissen musst du noch lernen“ – Ich glaube, in Gregor hätte ich einen guten Lehrmeister. 

Prälat Stefan Dybowski

25. August 2021

Heilige Monika von Thagaste

„Klettere nicht so hoch!“ – „Sei bitte wieder pünktlich Zuhause!“ – „Kannst du das jetzt aufräumen?!“

Kommen Ihnen diese Sätze bekannt vor? Vielleicht klingen sie dem einen oder der anderen noch im kindlichen Ohr, vielleicht haben Sie einen dieser Sätze selbst so oder so ähnlich gerade erst selbst in den Mund genommen und ihrem Kind zugerufen. So oder so ähnlich geht und ging es Eltern schon immer – so oder so ähnlich wird auch die Heilige Monika ihren Kindern nachgerufen haben, wenn es galt, vor Gefahren zu warnen und Abmachungen einzufordern. 

331 in Thagaste im heutigen Algerien als Tochter eines gutbetuchten, christlichen Hauses geboren und als junge Frau mit einem Heiden verheiratet, ist uns die Heilige Monika vor allem als Mutter des großen Kirchenvaters Augustinus bekannt. Ihre Ehe mit dem so gutmütigen wie jähzornigen Patricius und die Extravaganz ihres begabten Sohnes, haben Monika Zeit ihres Lebens gefordert. Vermutlich wird sie Augustinus als kleinem Jungen ähnliche Sätze nachgerufen und sorgenvoll auf seine Sinn- und Glaubenssuche als jungen Mann geschaut haben, wie auch heute Eltern mit sorgenvollem Blick auf ihre großen und kleinen Kinder blicken – nicht selten mit mahnenden Rufen, gutgemeinten Ratschlägen und kurzfristigen Lösungen. 

Die Ruhe und Geduld, die die Heilige gerade bezogen auf ihren Sohn und sein umtriebiges Leben bewahrt hatte, ist sicherlich beispielhaft aber nicht selbstverständlich. Augustinus, das verraten viele seiner Schriften, war kein leichter Charakter. Viele seiner Umwege hätte seine Mutter sicherlich lieber abgekürzt gewusst. 

Oft genug geht es uns auch zu langsam, die Geduld und Nachsicht mit unseren Kindern, unserem Partner, unseren Eltern, unseren Freunden wird hart auf die Probe gestellt, wenn nicht sofort Antworten parat sind, wenn nicht sofort die adäquate Reaktion erfolgt. Wenn nicht zeitnah eine Lösung gefunden wird und das Leben wieder in „geordneten Bahnen“ verläuft, schwindet das Vertrauen und die Geduld. Monikas Stärke war vor allem, zu warten, auszuhalten und da zu sein, wenn sie von ihrem Sohn gebraucht wurde. In seinen „Bekenntnissen“ formuliert Augustinus genau diese Nähe, die die Beziehung zwischen Mutter und Sohn vor allem an ihrem Lebensende ausgemacht hatte.

Nicht zuletzt aufgrund dieses Lebenswandels ist die Heilige Monika die Patronin der Ehefrauen und vor allem Mütter – ich würde es sogar noch weiter fassen: Als Patronin derer, die mit Fürsorge und Geduld für die ihnen anvertrauten Menschen einstehen und sie auf ihrem Lebensweg begleiten, kann uns Monikas Leben davon erzählen, wie weit Liebe und ein tiefes Vertrauen tragen können und wie viel mehr Dasein und Aushalten bewirken als so mancher mahnende Ruf. 

Monika Klapczynski

Leiterin Fachreferat Medienbildung

18. August 2021

Hl. Stephan - Ein königlicher Befehl mit Folgen

Der Hl. Stephan (975-1038) war der erste König von Ungarn. Er war derjenige, der uns als Volk christianisierte. Seine Entscheidung, christlich zu sein und das Volk zum Christentum zu bringen, war nicht unbedingt eine geistliche Entscheidung, sondern eher eine politische. Vielleicht hat er verstanden, dass sein Volk christlich sein muss, um in Europa weiterleben zu können. Er war der König: jeder musste tun, was er gut fand. Und er gab keine Chance, nicht Christ zu sein. Heute würden wir es nicht mehr akzeptieren. Heute denken wir, dass Religion eine Privatsache ist. Jeder muss sich für sich selbst entscheiden.

Zum Christentum zu gehören war für den Hl. Stephan von zentraler Bedeutung. So frage ich mich an seinem Fest, ob es in meinem Leben eine wichtige Rolle spielt, christlich zu sein. Denke ich wirklich, dass es besser ist christlich zu sein, als nicht? Denke ich, dass das Christsein mehr bedeutet, als guter Mensch zu sein? Möchte ich, dass auch andere christlich werden? Oder ist es mir eigentlich egal? – Na, ja, es ist eine Privatsache.

Meiner Überzeugung nach ist das größte Geschenk meines Lebens, Jesus persönlich kennen zu dürfen. Seine Freundschaft, Ihn immer mehr kennenzulernen, gibt meinem Leben eine neue Dimension. So frage ich mich immer wieder: wie kann ich meinen Mitmenschen helfen Jesus zu begegnen? Wie kann ich ihnen Jesus mehr sichtbar machen?

Für mich heißt es so. Und für Sie?

Dr. Ilona Anna Urbán 

Ungarische Gemeinde im Erzbistum Berlin

11. August 2021

Hl. Edith Stein - Rastlose Wahrheitssucherin

Je tiefer jemand in Gott hineingezogen wird,
desto mehr muss er auch in diesem Sinn aus sich herausgehen,
das heißt, in die Welt hinein, um das Leben in sie hineinzutragen.

Edith Stein

Wer war Edith Stein?
Sie selbst schreibt als Studentin: „Am 12. Oktober 1891 wurde ich in Breslau geboren. Ich bin preußische Staatsangehörige und Jüdin.“Die Atmosphäre ihres Elternhauses war geprägt von der gläubigen, gesetzestreuen Religiosität ihrer Mutter. Aber die 14-jährige Edith treiben weltanschauliche Fragen um: „Ich habe mir das Beten ganz bewusst und aus freiem Entschluss abgewöhnt.“, sagt sie später über diese Zeit; sie bezeichnet sich als Atheistin.


Edith galt als hochbegabte Schülerin und Studentin. Abitur, Staatsexamen und Doktorarbeit trugen ihr Höchstprädikate ein. Dennoch konnte sie schreiben: „Ich wusste von den ersten Lebensjahren an, dass es viel wichtiger sei, gut zu sein als klug.“Sie studiert Philosophie. Die Studienjahre in Göttingen bringen die Welt des Glaubens von neuem in Sicht. Begegnungen vermitteln ihr den Sinn für das Transzendente, für religiöse Erfahrungen und Entscheidungen. „Es war wie ein erster Blick in eine ganz neue Welt“.

Weitere Jahre des Suchens folgen. Schmerzliche Lebenserfahrungen lassen sie innerlich wachsen. Die Lektüre der Schriften Teresas von Avila bringt die letzte Entscheidung: Am 1. Januar 1922 wird sie durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen.Ihre Bemühungen, sich an einer Universität zu habilitieren, scheitern. Sie arbeitet in der Lehrerinnenausbildung in Speyer und Münster. Sie schreibt, hält Vorträge.„Es ist im Grunde immer eine kleine, einfache Wahrheit, die ich zu sagen habe: wie man es anfangen kann, an der Hand des Herrn zu leben.“ Sie will helfen, Menschen heranzubilden, die ihres Christseins froh sind; zumal den Frauen will sie die Aufgaben bewusst machen, die ihnen als Christinnen in Kirche und Gesellschaft aufgetragen sind. - Wie aktuell heute 2021!


In allen äußeren Aktivitäten sammelt sich ihr eigentliches Leben mehr und mehr nach innen. Wenn Gott es fügt – dann will sie eines Tages alle ihre Fähigkeiten umformen lassen in Liebe und Anbetung, in Lobpreis und Danksagung, da sein für den lebendigen Gott des Bundes, für JHWH den Einzigen, und für den, den er gesandt hat, Jesus Christus.Am 14.10.1933 tritt Edith Stein in Köln in den Karmel ein. Sie trägt jetzt den Namen: Sr. Teresia Benedicta vom Kreuz.

„Ich bin jetzt an dem Ort, an den ich längst gehörte“, in der Fürbitte und stellvertretend ist sie für Gott und die Menschen da.Am 21. April 1938 legt Edith Stein die Ewigen Gelübde ab und siedelt im selben Jahr nach Echt in Holland über. Als mit der deutschen Besetzung auch dort die Judenverfolgungen beginnen, wird sie verhaftet und verschleppt. Am 9. August 1942 wird Edith Stein zusammen mit ihrer Schwester Rosa und vielen anderen Schwestern und Brüdern des Jüdischen Volkes in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau ermordet.


Edith Stein, Jüdin und Christin, Wissenschaftlerin, die für die Gleichberechtigung der Frau eintrat, eine rastlose Wahrheitsuchende, kontemplative Ordensfrau, Karmelitin, Opfer der Gewaltherrschaft in der Nachfolge Jesu. Eine große Frau, die Judentum und Christentum verbindet, die heute den Frauen in der Kirche Mut machen kann, die allen Suchenden Weggefährtin sein kann, mit meiner Frage nach meiner Beziehung zu Gott. Edith Stein kann uns helfen, im Alltäglichen den Blick für das Wesentliche nicht zu verlieren.

Schwester Mirjam Fuchs OCD, Karmel Regina Martyrum Berlin

04. August 2021

Hl. Lydia - Selbstbewusst und überzeugend

„Am Sabbat gingen wir durch das Stadttor hinaus an den Fluss, wo wir eine Gebetsstätte vermuteten. Wir setzten uns und sprachen zu den Frauen, die sich eingefunden hatten. Eine Frau namens Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; sie war eine Gottesfürchtige und der Herr öffnete ihr das Herz, sodass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte.“ (Apg 16,13f)

Besonders verbreitet war der Name Lydia in meiner Kindheit und Heimat in Westfalen nicht, und so wusste ich selbst lange Zeit nicht viel über meine Namenspatronin. Der Name Lydia bedeutet „aus Lydien stammend“, das liegt in der heutigen Türkei. Sie war die Patronin der Färber. Und sie ist eine Person, die in der Apostelgeschichte vorkommt und als erste Christin Europas gilt. 

Als ich mich dann vor ein paar Jahren in das RKW-Thema „Follow me – auf dich baue ich“ für meine Gemeinde eingearbeitet habe, habe ich mit Verblüffung und anschließender Begeisterung wahrgenommen, wieviel Ermutigung auch für uns (Frauen) heute in dieser biblischen Figur steckt. 

Lydia war nicht eine einfache Färberin, die vielleicht in einem Beruf gearbeitet hat, der mit schlechten Gerüchen und viel körperlicher Arbeit einherging.  Nein, sie war vielmehr eine vermögende Geschäftsfrau, die mit dem Farbstoff Purpur gehandelt hat, die ihre Mitarbeiterinnen in einem mühsamen Prozess aus vielen tausend Purpurschnecken hergestellt haben, eine Farbe, kostbarer als Gold und nur den Gewändern oder Schmuckborten von Königen oder hohen Beamten vorbehalten.  

 

So passt es auch zusammen, dass Lydia in der Apostelgeschichte Paulus und seine Begleiter in ihr Haus einlädt und sie so ihre ganze Hausgemeinschaft in den Glauben an Christus führt und taufen lässt. 

Damit wird sie zum weiblichen Vorbild auch für uns heute, mit einem besonderen Selbstbewusstsein und Willen geht sie auf Paulus zu, sie lässt sich nicht abwimmeln, wirkt überzeugend und wird nicht enttäuscht. 

Lydia Funke, Gemeinde Heilig Geist