Unterbrechung

Impuls zur Wochenmitte

Ausgehend von einer Heiligen oder einem Heiligen sprechen Christinnen und Christen einen Gedanken mitten in die Woche hinein, der zum Nachdenken, zum Nachlesen anregt oder Wegbegleiter für die restliche Woche sein kann.

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19. Mai 2021

Ein blutbeflecktes Hemd versteckt - Hl. Rita von Cascia

Rita war eigentlich ihr Kosename. Margherita Lotti kam um 1380 in einem kleinen Dorf in Umbrien zur Welt. Ihre Eltern waren Hirten und Bauern. Im nahegelegenen Cascia ging sie auf eine Schule und wurde von Augustinermönchen erzogen. Mit jungen Jahren heiratete sie Ferdinando di Mancino.

Politische Spannungen und Rivalitäten kennzeichneten damals die Gesellschaft. Hass und Rachegedanken spalteten Völker und sogar Familien. Die Familie ihres Mannes war in diese Spannungen verwickelt, und ihr Mann wurde ermordet. Rita kann den Mördern ihres Mannes vergeben. Um zu verhindern, dass ihre Söhne den Tod ihres Vaters rächen und es zu neuem Blutvergießen kommt, versteckt Rita das blutbefleckte Hemd des Vaters. Doch seine Familie gibt nicht auf, es kommt zu neuen Feindseligkeiten und weiterem Blutvergießen.

Vieles hat sich verändert seit dieser Zeit. Doch geblieben ist in den Köpfen oder Herzen so vieler Menschen leider der Gedanke, dass Rache ein Ende der Gewalt und den Frieden bringen würde. Dass dies so nicht funktioniert, hat die Geschichte doch oft gezeigt. 

Schon als Jugendlicher habe ich andere bewundert, die ihren verletzten Stolz nicht zur Schau getragen oder sogar in Rache umgesetzt, sondern nach Wegen des Dialogs und der Versöhnung gesucht haben.  

Prälat Dr. Stefan Dybowski

12. Mai 2021

Eisheilige - Vier eisige Herren und eine Frau

Die Eisheiligen bewahren nicht nur vor Frost!

Endlich kann ich meine frostempfindlichen Tomatenpflanzen draußen einpflanzen. Wer sich ganz genau an Bauernregeln orientiert, wartet vermutlich noch bis Samstag, denn erst am Samstag ist der Gedenktag der „kalten Sophie“  und eine alte Wetterregel besagt: „Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“  Anfang Mai gibt es oft einen Kälteeinbruch mit Frostnächten und so erhielten die Heiligen Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia von Rom, deren Gedenktage zwischen dem 11. und 15. Mai liegen, die Bezeichnung „Eisheilige“. Es sind Heilige der frühen Christenheit. So war Sophia eine junge römische Frau, die sich zum Christentum bekannte und während der diokletianischen Christenverfolgung in Rom 304 getötet wurde.

Mich fasziniert nicht nur die alte Bauerregel, sondern vor allem diese Heiligen, die für Jesus Christus und seine Botschaft von einem Leben und Freiheit schenkenden Gott einstehen - und danach handeln. Sie mahnen mich: Raus aus der Komfortzone! Und der erste Schritt dazu heißt: Hinschauen. Morgen beginnt der Ökumenische Kirchentag unter dem Leitwort: Schaut hin! Jesus fordert seine Jünger auf: Schaut hin, übernehmt Verantwortung und gebt ihr den Menschen zu essen. (Mk 6, 37-38)

Christopher Maaß

05. Mai 2021

Systemrelevant: der hl. Florian und die Feuerwehr

Die Feuerwehr gehört mit Sicherheit dazu.

Gestern am 4. Mai, war der Namenstag des hl. Florian. Er ist der Patron der Feuerwehrleute. Florian lebte im 4. Jahrhundert und hat sich für verfolgte Christen eingesetzt. Bald wurde er selbst verfolgt und in der Enns, einem Fluss in Österreich, ertränkt. Seitdem gilt er als Schutzpatron bei Hochwasserkatastrophen und für die Feuerwehr. 

Feuerwehrleute müssen schnell erreichbar sein. Doch Erreichbarkeit ist nicht nur eine Sache von Telefon und schnellen Autos. Manche Menschen würden gern mit jemandem über ihre Sorgen oder ihr Leid sprechen. Doch der andere will diese Sorgen gar nicht hören. Das geht mich nichts an, das ist mir egal. Menschen, die auch innerlich erreichbar sind, sind eine Kostbarkeit.

Ich möchte allen Feuerwehrleuten ein großes Dankeschön sagen – denen, die in ihren Schutzanzügen auf den Feuerwehrautos im Dienst sind, und auch all denen, die unsichtbar im Alltag da sind, wo sie gebraucht werden. Sie sind systemrelevant.

Prälat Stefan Dybowski

28. April 2021

"Das Wort Gottes aber wuchs und breitete sich aus" (Apg 12,24-13,5)

Nicht die Kirche wird größer – nicht die Gemeinden werden größer. Darum geht es: Viele sollen von Gott hören. Das ist unsere Herausforderung: Gottes Wort weitersagen in die heutige Zeit hinein.

Nur Männer gaben Barnabas und Paulus etwas auf den Weg mit. Heute gehörten auch Prophetinnen und Lehrerinnen dazu, um das Wort Gottes wachsen zu lassen.

Markus Papenfuß
Servicestelle Projekte und Prozesse "Wo Glauben Raum gewinnt"

21. April 2021

Es ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich keinen von denen, die er mir gegeben hat, zugrunde gehen lasse, sondern dass ich sie auferwecke am Letzten Tag. (Joh 6, 35-40)

Das ist der Weg der Nachfolge Jesu, keinen verlieren, keinen abschreiben oder zugrunde gehen lassen. Grund und Halt sein für das Leben, denn das Leben ist der Wille Gottes.  Aus diesen Worten spricht für mich eine Liebe zum Leben, zu den Menschen letztlich zu Gott, die am Ende, wir feiern es gerade an Ostern, sogar stärker ist als der Tod. Ja selbst Tote kann man erwecken … Auch solche die schon lange abgeschlossen haben mit dem Leben, auch die, die schon ganz verstaubt sind oder gar versteinert. Die Liebe kann das und nicht erst am Letzten Tag.

Christoph Kießig

14. April 2021

„Ein Engel des Herrn aber öffnete nachts die Gefängnistore und führte sie hinaus.“ (Apg 5,19)

Nicht müde werden

sondern dem Wunder

leise

wie einem Vogel 

die Hand hinhalten. (Hilde Domin)


Gefangengenommen, eingesperrt. Sorge um Leib und Leben, Erfahrung von Ausweglosigkeit. Vielleicht haben sie den Psalm 18 auf den Lippen: „Er führte mich hinaus ins Weite und befreite mich“. In dieser Situation erfahren sie Gottesbegegnung. Befreiung.

„Nicht müde werden“, so schreibt Hilde Domin, „sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“


Christopher Maaß

Kirchlicher Organisationsberater im Erzbistum Berlin 

07. April 2021

"Da ging er mit Ihnen hinein, um bei ihnen zu bleiben." (Lk 24,29)

„Stefan, räum mal bitte dein Zimmer auf!“ Wie oft habe ich diese Mahnung von meinen Eltern gehört.

Eine Küchenmagd, mitten in ihrer unaufgeräumten Küche. Meisterhaft hat der spanische Maler Diego Velazquez diese Frau in ihrer Küche gemalt. Durch eine Durchreiche hindurch sieht man den auferstandenen Jesus mit den beiden Emmausjüngern. Von ihm kommt ein Lichtstrahl, spiegelt sich im Kessel und fällt auf das Gesicht dieser Magd. Ihr Gesicht wird hell. Ostern im Alltag – auch wenn nicht aufgeräumt ist.

Prälat Stefan Dybowski

31. März 2021

„Er ging zu ihm hin, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie. Dann hob er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn zu einer Herberge und sorgte für ihn.“ (Lk 10,34)

#GebenGibt ... Gesundheit – Kranke  pflegen

Gott leidet in allen, die leiden. Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter fordert zum Handeln auf. Es zeigt mir eine Sorge um Verwundete und Kranke ohne Ansehen der Person, geleitet vom Gedanken, dass es den Anderen wohl ergeht.

Im leidenden Menschen kann ich das Antlitz Jesu entdecken, als Ebenbild Gottes behält er seine unverlierbare Würde. Wie wichtig Menschen sind, die andere pflegen, die Wunden verbinden, beim Waschen helfen und sich für das körperliche, seelische und soziale Wohlbefindens einsetzen, wird besonders in der aktuellen Situation sichtbar. Im Gleichnis wendet Jesus am Ende die Perspektive: Es geht nicht mehr darum, wer mein Nächster sein könnte, sondern: Wie werde ich anderen ein Nächster? 

Christopher Maaß
Kirchlicher Organisationsberater im Erzbistum Berlin und Prozessbegleiter

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24. März 2021

"Der Brunnen ist tief, und du hast kein Schöpfgefäß. Woher hast du also das lebendige Wasser?" (Joh 4,11)

#GebenGibt ... Geborgenheit - Dürstenden zu trinken geben

Da sitzen zwei, die Durst haben. Im Laufe des Gesprächs merkt man schnell, dass es hier nicht nur um den leiblichen Durst geht. Durst ist eine wunderbare Metapher für die menschliche Sehnsucht. Die eine hat ein Gefäß zum Schöpfen, der andere hat lebendiges Wasser zu bieten. Sie kommen miteinander ins Gespräch, und beide geben jeweils dem Anderen von dem, was sie haben. Sie teilen den Becher, das Wasser, ihr Leben. Am Ende ist der Durst gestillt, und von der Frau wird erzählt, dass sie ganz erfüllt nach Hause gegangen ist. Vielleicht sogar glücklich?

Prälat Dr. Stefan Dybowski

17. März 2021

"Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen!" (Hebr 13,3a)

#GebenGibt ... Zuversicht - Gefangene besuchen

Gefangen, abgeschlossen, eingesperrt. In dieser Situation geht es oft um das „Eingemachte“ und die Sehnsucht nach Leben. Der Hebräerbrief macht einen Perspektivwechsel klar: Nicht in Distanz bleiben, sondern sich an die Seite derer stellen, deren Freiheit eingeschränkt ist.  „Der Mensch am Rand ist unsere Mitte,“ so sagen es die Ehrenamtlichen im Café Rückenwind und so handeln sie.  „Gefangene besuchen“ wird hier konkret.

Christopher Maaß
Kirchlicher Organisationsberater im Erzbistum Berlin und Prozessbegleiter