Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

Im Dienst der PastoralDie AG Verwaltung zwischen Pastoralausschuss und Kirchenvorständen der Pfarreien

21. März 2018 Alfred Herrmann

Hof von St. Joseph im Wedding bei einem Bischofsbesuch: die AG Finanzen und Immobilien diskutiert Verwaltungsfragen. Foto: Herrmann

Oliver Wüstling (l.) und Sebastian Hoeber. Fotos: Wetzler

Die Verwaltungsleiter der Pastoralen Räume bringen sich mit ihrer Fachkompetenz in die Verwaltungs-AGs mit ein. Foto: Wetzler

„Wir haben uns sämtliche Liegenschaften mit Hilfe von Vor-Ort-Begehungen intensiv erschlossen“, erklärt Oliver Wüstling, „und zwar vom Keller bis zum Dachstuhl, so dass wir ein detailliertes Bild von jeder Liegenschaft in unserem Pastoralen Raum erhalten haben.“ Auch für die AG Finanzen und Strukturen im Pastoralen Raum Berlin Mitte lautete das Motto des ersten Jahres der Entwicklungsphase im Pastoralen Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“: „Kennenlernen“.

Wüstling leitet die zehnköpfige Arbeitsgruppe des Pastoralausschusses. Ihr gehören Vertreter der Kirchenvorstände der vier am Pastoralen Raum beteiligten Pfarreien an. Zudem zählen der Verwaltungsleiter des Pastoralen Raums sowie Vertreter der polnisch-sprachigen Gemeinde dazu. Und auch die Orte kirchlichen Lebens sind beteiligt durch einen Vertreter der Caritas und durch Wüstling, der als Verwaltungsleiter für die Unterstützung der Friedhöfe im Pastoralen Raum verantwortlich zeichnet.

Arbeitsgruppen wie die AG Finanzen und Strukturen im Pastoralen Raum Berlin Mitte stellen sich während der Entwicklungsphase den zentralen verwaltungstechnischen Fragen auf dem Weg zu einer gemeinsamen Pfarrei. Sie bilden damit in vielen Pastoralen Räumen einen festen Bestandteil des Pastoralen Prozesses. Das überpfarrliche Arbeitsgremium für Verwaltungsfragen ist dem Pastoralausschuss unterstellt und mit den Kirchenvorständen der Pfarreien eng vernetzt.

Detaillierte Datengrundlage für den Pastoralausschuss

„Ziel unserer AG ist es“, erklärt Wüstling, „dem Pastoralausschuss, wenn er mit seinen Vorstellungen für ein Pastoralkonzept an uns herantritt, eine detaillierte Datengrundlage zu den Themen Immobilien, Finanzen und Personal liefern zu können.“ Während der fünf Gremiensitzungen und der fünf Begehungssamstage im ersten Jahr der Entwicklungsphase stand daher zunächst der Ist-Zustand der Liegenschaften im Fokus. Anhand eines selbstentworfenen zweiseitigen Erfassungsbogens erfasste die AG unter anderem Bauzustand, eventuellen Investitionsstau, Nutzung und Auslastung. Im zweiten Jahr verschafft sich die Arbeitsgruppe nun einen Überblick über die Haushaltsführung der vier Pfarreien. Sie möchte die Jahresrechnungen und Haushaltspläne synchronisieren und vergleichbar machen, um den Übergang zu einer gemeinsamen Buchhaltung im Rahmen der Doppik zu erleichtern. Im dritten Schritt möchte sich die AG schließlich die personelle Ausstattung des Pastoralen Raums und deren Finanzierung vornehmen.

Wüstling spricht von einer streng vertraulichen Arbeitsweise innerhalb der AG Finanzen und Strukturen. Diese sei notwendig, damit alle Beteiligten mit offenen Karten spielen können. So kommen Jahresrechnungen und Haushaltsplanungen der vier Pfarreien sowie die Wirtschaftlichkeitsanalyse, die das externe Büro D:4 für die Pfarreien angefertigt hat, offen auf den Tisch und werden kritisch diskutiert. In der AG herrsche eine positive gemeinschaftliche Arbeitsatmosphäre, ist Wüstling froh, ganz ohne Grabenkämpfe und sich verschließenden Kirchenvorständen: „Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben verinnerlicht, dass wir bald eins sind und daher aus gemeinschaftlicher Perspektive über all diese Fragen nachdenken müssen.“

Wirtschaftlichkeitsanalyse für den Pastoralen Raum

Von einer konstruktiven Zusammenarbeit in einem motivierten Team berichtet auch Sebastian Hoeber. „Wir arbeiten gründlich und fundiert. Das ist etwas, was allen in der Gruppe Spaß macht und eine positive Dynamik entstehen lässt.“ Hoeber leitet die AG Finanzen und Immobilien im Pastoralen Raum Tiergarten-Wedding. Dort besteht das Arbeitsgremium für Verwaltungsfragen aus je einem entsandten Vertreter der Kirchenvorstände der fünf beteiligten Pfarreien sowie Verwaltungsleiter Hoeber.

Der Pastorale Raum Tiergarten-Wedding befindet sich bereits im sogenannten dritten Jahr der Entwicklungsphase. „Im ersten Jahr haben wir auf Grundlage der D:4-Wirtschaftlichkeitsanalysen der Pfarreien eine gemeinsame Wirtschaftlichkeitsanalyse für den gesamten Pastoralen Raum aufgestellt, sprich den Immobilienstand aufgelistet, den Finanzstatus in den Pfarreien erhoben, die Personalsituation dargestellt, und diese dann dem Pastoralausschuss in kompakter Form an die Hand gegeben“, berichtet Hoeber von der Arbeit der AG Finanzen und Immobilien. Im zweiten Jahr analysierte die Arbeitsgruppe die Immobilien, die Finanzen und das Personal noch einmal detaillierter, erklärt er, erfasste beispielsweise die Ausgabenstruktur im Pastoralen Raum, die Gebäudebewirtschaftungskosten, die Nutzung der Immobilien. Sie erstellte eine Liste über das vorhandene Inventar und überprüfte stichpunktartig das vorliegende Vermögensverzeichnis für Kunst. 

Neue Pfarrei langfristig finanziell sichern

Im dritten Jahr beschäftigt sich die AG nun vordringlich mit Fragen zur Umsetzung des Pastoralkonzepts. Die Verwaltung verstehe sich ja nicht als Selbstzweck, sondern sehe sich im Dienst der Pastoral, betont Hoeber. „Wir prüfen daher: was braucht ein Standort für die Umsetzung seines pastoralen Schwerpunktes, der im Pastoralkonzept festgelegt ist, – welche finanziellen Ressourcen, welche Räumlichkeiten, welche Beschaffenheit der Räume, welches Personal?“

Der Verwaltungsleiter nennt einen weiteren Aufgabenbereich der AG im dritten Jahr: die wirtschaftlichere Nutzung eigener Immobilien. Anhand eines Beispiels verdeutlicht er die Problematik: „Ein Verein verfügt über zehn Turnhallen, nutzt aber nur die zeitliche Kapazität von dreieinhalb. Wir fragen uns nun: wie kann man mit den freien zeitlichen Kapazitäten die Einnahmen des Vereins erhöhen, um damit den Unterhalt der zehn Hallen auf Dauer zu sichern?“ Dazu braucht es viel Kreativität, weiß Hoeber und spricht von Kooperationen mit kirchlichen Trägern wie der Caritas, von der Steigerung von vermietbarer Fläche zum Beispiel durch den Ausbau von Dachstühlen zu Mietwohnungen, von der Zusammenarbeit mit Gruppen aus dem Sozialraum. „Um dafür zu sorgen, dass die neue Pfarrei langfristig finanziell gesichert ist und solide arbeiten kann, erarbeiten wir Empfehlungen für die Nutzung unserer Liegenschaften.“

Hoeber wünscht sich, dass die Arbeitsgruppe auch über die Pfarreigründung hinaus bestehen bleibt und die Zusammenarbeit mit den fach- und ortskundigen Ehrenamtlichen weitergeht. Zwar gebe es künftig einen einzigen Kirchenvorstand für die Gesamtpfarrei, der allerdings weiterhin Arbeitsgruppen brauche, die sich mit den unterschiedlichen Themenfeldern beschäftigen und die entsprechende Nahperspektive in den Gemeinden besitzen, ist der Verwaltungsleiter überzeugt: „Wenn wir in den vergangenen zwei Jahren etwas gelernt haben, dann, dass sich alles entwickelt.“

Ansprechpartner: Markus Kappes, Koordinator Verwaltungsleitungen in der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“, Telefon: (030) 326 84-103, E-Mail: Markus.Kappes(ät)erzbistumberlin.de