Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“Raumfest im Nordosten Berlins

25. Juni 2018 Marina Dodt

Gottesdienst zum Raumfest im Nordosten Berlins. Foto: Georg Sieslack

Um die Kirche St. Josef in Weißensee gruppierten sich viele Aktionen. Foto: Marina Dodt

Die Franziskanerinnen von Münster-Mauritz informierten über den Hospizdienst TAUWERK e. V. Foto: Marina Dodt

An zahlreichen Ständen präsentierten die Orte kirchlichen Lebens ihr Engagement im Pastoralen Raum. Foto: Marina Dodt

Schwester Cornelia und Andreas Meyer. Foto: Marina Dodt

Feierten mit: die Muttersprachlichen Gemeinden. Foto: Marina Dodt

Bei schönstem Sommerwetter feierte der Pastorale Raum im Nordosten Berlins ein großes RAUMFEST auf dem Gelände von St. Josef in Berlin-Weißensee. Mehr als 700 Gäste aus den vier Pfarreien St. Georg, Heilig Kreuz, Corpus Christi und St. Josef, aus der portugiesisch- und der vietnamesischsprachigen Gemeinde sowie von den zahlreichen Orten kirchlichen Lebens nahmen die Einladung ihres Pastoralausschusses an. Sie machten das Raumfest zu einem bunten Fest des Glaubens und Kennenlernens.

Kaffee, selbstgebackener Kuchen und die liebevolle Bewirtung durch das Raum-Café-Team im eleganten Kaffeehaus-Look sorgen für ein herzliches Willkommen,  Kinderspiele und Kinderschminken für fröhliche Stimmung und ein Miteinander der Generationen. Auch die unzähligen Angebote und Programmhöhepunkte führen zusammen und eröffnen neue Räume, so die Führung durch die angrenzende Theresienschule, die Orgelführung mit kleinem Orgelkonzert, das Raumquiz. Hoch hinaus geht es beim Kistenklettern und der Turmbesteigung. Sie überrascht mit ungeahnten Perspektiven. Aus der Ferne grüßt die Turmspitze der Pankower Pfarrkirche St. Georg – eine neue Verbindung wird sichtbar!

Begegnung und Information

Wieder zurück auf dem festen Boden der Tatsachen laden die vielen Stände der fast 20 Orte kirchlichen Lebens zur Begegnung und Information über deren Arbeit ein. Darunter sind auch die Franziskanerinnen von Münster-Mauritz, die ihre Initiative „Hospizdienst TAUWERK e. V.“ vorstellen. Die drei Ordensfrauen sind mit ihrem Verein unweit des U-Bahnhofs Vinetastraße zuhause und dankbar, ihre Angebote und neuen Projekte nun in einem so viel größer gewordenem Raum präsentieren zu können. „Wir hatten für unsere Arbeit noch nie so viel Aufmerksamkeit“, freut sich Schwester Hannelore über das umfangreicher und stärker gewordene Netzwerk.

Auch Schwester Juvenalis betont die neuen Chancen, aber auch Herausforderungen. Die Laien würden zukünftig noch mehr gefragt sein, ist sie sich sicher, und die Gemeinden in noch ganz anderer Weise aktiv werden. „Der Pastorale Prozess bedingt und befördert, dass wir uns wieder mehr als Kirche fühlen und in jedem einzelnen das Bewusstsein wächst: ,Ich bin Kirche‘.“

Am Stammtisch Öffentlichkeitsarbeit befinden sich Schwester Cornelia und Andreas Meyer im Gespräch. Die Ordensfrau schwelgt ein wenig in Erinnerungen, erzählt, dass sie bereits in den 1950er Jahren an der traditionsreichen Theresienschule lernte. „Wir müssen offen sein und aufeinander zugehen“, sagt sie mit Blick auf den Pastoralen Raum, und man spürt, wie sehr ihre Lebenserfahrung und ihre tägliche Arbeit im St. Joseph-Krankenhaus diese Aussage tragen. Gesprächspartner Andreas Meyer aus Niederschönhausen ist in besonderer Weise RAUM-Gestalter und als PGR-Vorsitzender und Mitglied der sechsköpfigen Steuerungsgruppe aktiv an der Entwicklung und Perspektive der neuen Großpfarrei beteiligt.

Den im September 2016 errichteten Raum Nordost bezeichnet er mit inzwischen 23.000 Gläubigen als einen der zahlenmäßig größten im Erzbistum. Das Pastoralkonzept, unter anderem mit den Schwerpunkten Jugendpastoral und Ehrenamt,  stehe kurz vor dem Abschluss und werde nach der Sommerpause den beteiligten Gemeinden vorliegen. Erfreuliche Zukunftsmusik klingt dabei auch für die kirchenmusikalische Arbeit an, Budget und Personal sollen hier aufgestockt werden. Auch hinsichtlich der oft geäußerten Sorge wegen Reduzierung oder gar Schließung von Gottesdienststandorten kann er ein Stück für Beruhigung sorgen: „Die Kirche am Ort, die Gemeinde, in der wir heute leben und gemeinsam glauben, wird der Mittelpunkt auch im Pastoralen Raum der Zukunft sein.“

Ein guter Anfang

Allmählich füllt sich der zum Gottesdienstplatz umfunktioniert Schulhof. Bänke, Stühle und Pappkartons finden ihre Besitzer. Noch schnell eine kleine Erfrischung am Stand von St. Josef und ein paar erfrischende Worte auf den Weg. Einsicht in die Notwendigkeit und Realität äußert das Trio um Dietmar Wolter. Ob und wie der Pastorale Raum und dann die große Pfarrei gelingt, werde die Zukunft zeigen. Das Fest sei ein guter Anfang, doch müsse Gemeinschaft immer wieder neu organisiert werden, sind sich die drei Weißenseer einig.

Ein Resümee, das in ähnlicher Weise auch der leitende Pfarrer Bernd Krause teilt: „Ich bin dankbar für die Vielen die mitmachen, die Kirche lebendig werden lassen, auch über die Kirchenmauern hinaus“, betont er, „die starre Strukturen aufbrechen, Gott zu den Menschen tragen und dabei zeigen, dass wir nicht ein Exklusivclub sind, sondern Menschen mit Freuden und Problemen wie alle anderen auch, nur dass wir auf Gott vertrauen, der uns begleitet und das den Mitmenschen anbieten!“ Und er meint weiter: „Ich bin dankbar für unser Pastoralteam und die gute Zusammenarbeit zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich Engagierten. Wir sind halt ,bunte Vögel‘, jeder und jede mit eigenen Tönen, aber genau daraus kann ein schönes Lied werden, wie wir es im Gottesdienst erfahren haben!“

„Eingeladen zum Fest des Glaubens“ – so mischt sich dann in das  Abendgeläut auch der vielstimmige Gesang der vereinten Chöre, Band und Gläubigen. Der abendliche Open-Air-Gottesdienst gestaltet sich zum festlichen Höhepunkt dieses Raumfestes und das gemeinsame Schlusslied zum hoffnungsvollen Anfang und Zuspruch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“….

Weitere Informationen zum Pastoralen Raum