Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

Kultursensible Katechese - Wie geht das?Zweitägige Fortbildung gibt Anregungen für neue Wege in den Pastoralen Räume

27. Juni 2018 Hermann Fränkert-Fechter

Interkulturelle Katechese lautete das Thema einer zweitägigen Schulung. Foto: Sonja Breljak

Internationalität als Realität: ein Drittel der Katholiken im Erzbistum Berlin haben einen Migrationshintergrund. Foto: Sonja Breljak

Referentin Uta-Maria Köninger (r.) im Gespräch. Foto: Sonja Breljak

Hermann Fränkert-Fechter, Leiter der Abteilung Kategoriale Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat. Foto: Sonja Breljak

In einer Kleingruppe sitzen wir zusammen: unsere Referentin Uta-Maria Köninger ist eine Schwäbin, die in Zürich die Fachstelle für Interkulturelle Katechese leitet. Brendaline, Mutter von zwei Kindern stammt aus Kamerun und absolviert gerade eine Ausbildung zur Erzieherin. Neben ihr sitzt Sebastian aus Nigeria, der in Russland studiert hat und jetzt in Deutschland arbeitet. Er gehört zum Leitungsteam der Englischsprachigen Gemeinde. Dann ist da Gisèle, eine junge Frau aus Ruanda, die jeden Sonntag die englischsprachige Kinderkatechese durchführt. Oder Stefanie aus Berlin, die Auslandserfahrungen in Indien gemacht hat. Und schließlich sitze ich selbst in der Kleingruppe, ein Westfale, der seit 1983 in Berlin lebt.

Das Thema unserer Runde ist die Interkulturelle Katechese und die Frage, wie wir als katechetisch Mitarbeitende in den Gemeinden und Pastoralen Räumen kultursensible Kompetenzen erwerben können. Sehr schnell erfahren wir von unserer Referentin, dass eine Interkulturelle Katechese weder eine neue Lernmethode ist noch neues Lernmaterial benötigt. Sie ist eine innere Haltung, die bestehende Lernformen wie ein roter Faden durchweben will.

„Katechese. Weiter. Denken.“ lautet der Titel unserer zweitägigen Fortbildung zur Interkulturellen Katechese, die am 22. und 23. Juni in St. Elisabeth in Berlin-Schöneberg stattfand. Rund ein Drittel der Katholiken im Erzbistum Berlin haben einen Migrationshintergrund und damit eine andere Muttersprache als Deutsch. Kultursensible Kompetenzen bleiben da eine Herausforderung, wenn wir Kirche für alle sein wollen. Neben der „Glaubenskommunikation unter Katecheten“ werden in Arbeitsgruppen viele weitere Themen der Interkulturellen Katechese besprochen wie die Hi-Touch-Pastoral, bilinguale Liturgien, Familienkatechese und Faith Formation, zweisprachige RKW bis hin zu weltweiten Konzepten in der Eucharistie- und Firmvorbereitung.

Sechs Aspekte

In unserer Arbeitsgruppe entwickeln wir die wichtigsten Elemente für eine kultursensible Katechese im Gespräch:

  • Katechetisches Lernen muss im Respekt vor den Erfahrungen des Anderen geschehen, im Interesse für die unterschiedlichen Lebenswege und Lebenserfahrungen. So können wir kulturelle Vielfalt als bereichernd und herausfordernd erleben. Es geht um das Lernen voneinander, miteinander und übereinander. In einem solchen Austausch können wir unseren Blick erweitern und sensibel für die unterschiedlichen kulturellen Prägungen werden.
  • Daraus folgt ein Lernen auf Augenhöhe, das Partizipation ermöglicht und in Teamarbeit entwickelt wird. Die Menschen wollen und sollen mitreden und ihre Erfahrungen in Freude und Offenheit einbringen können.
  • Damit ist aber kein Laissez-faire in der Katechese-Gruppe gemeint. Es soll gelernt werden und Regeln sind einzuhalten. Gisèle holte aus ihrer Tasche ein großes Stopp-Schild, das sie ab und zu in ihrer Gruppe zeigen muss. 
  • Interkulturelle Katechese versucht, zentrale Inhalte des christlichen Glaubens als  gemeinsames Gut unterschiedlicher Kulturen zu Sprache zu bringen. Dazu gehören die Sakramente und die Bibel, feste Gebete und Riten, die uns als katholische Kirche weltweit verbinden.
  • Kleine Zeichen der liturgischen Gastfreundschaft haben oft eine große Wirkung: Kreuzzeichen, Vaterunser, Begrüßung und Segen und auch manche Lieder eignen sich sehr gut für die Mehrsprachigkeit. Informationen und Texte sind bei der Vorbereitung auf ihre Verständlichkeit zu prüfen, entsprechend zu vereinfachen oder durch andere Medien zu ersetzen.
  • Als eine gute Möglichkeit für den Interkulturellen Austausch hat sich das „World Café“ herausgestellt. Bei dieser Methode geht es um einen informellen Austausch von Menschen  aus unterschiedlichen Ländern. Vier bis fünf Teilnehmer stehen an Caféhaus-Tischen und diskutieren über eine gestellt Frage. Durch den mehrfachen Wechsel der Gruppenkonstellationen befruchten sich die Teilnehmer mit neuen Ideen und es entsteht ein zwangloses Kennenlernen.

Aus unserer kleinen Gesprächsrunde können wir viele Inspirationen mitnehmen. Gisèle wird ihre Katechese „Vom Guten Hirten“ kultursensibel ausrichten, Brendaline kann viele Anregungen für ihre Ausbildung als Erzieherin mitnehmen, Sebastian und ich überlegen, ob ein World Café das Miteinander von deutscher und englischsprachiger Gemeinde verbessern kann. Uta-Maria Köninger gibt uns mit auf den Weg: „Jeder braucht die Beheimatung in der eigenen Kultur, aber wir suchen auch die Berührung mit dem Anderen.“

Lebendige Katechese mit ARIVA

Anknüpfen (Wie erwecke ich Interesse der Teilnehmenden?)
Reaktivieren (Welches Wissen bringen sie mit? Wie reaktiviere ich das, was die Teilnehmer hatten?)
Informieren (Was bringe ich ihnen in Information und Wissen rüber?)
Verarbeiten (Wie vermittle ich das alles?)
Auswerten (Wie evaluiere ich das Vermittelte?)