Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

„Mein, Dein, Unser - Kirchenbild“ Maximilian-Kaller-Kreis stellt sich mit neuem Material aus dem EBO Frage nach der Kirche der Zukunft

24. August 2018 Alfred Herrmann

"Was ist für Sie Kirche?": Das Kirchenbilder-Tool im Maximilian-Kaller-Kreis. Fotos: Herrmann

Austausch über das persönliche Kirchenbild in zwei Gruppen - hier (v. l.): Thomas Motter, Norbert Bittroff und Michael Kalliske.

Kerstin Kilian (l.) und Brigitta Motter legen das gelebte Kirchenbild ihrer Gemeinde.

"Wie soll Kirche künftig sein?": gemeinsam entwickeln die Gruppen ein Kirchenbild der Zukunft.

Ursula Eichhorst (r.): "Wichtig ist, dass ein Umdenken beginnt."

Die Gruppen stellen sich gegenseitig ihre Vorstellungen von einem Kirchenbild ihrer Gemeinde der Zukunft vor.

Das Kirchenbilder-Tool kann im Dezernat Seelsorge ausgeliehen werden.

„Was ist Kirche für Sie?“, fragt Christopher Maaß in die Runde und bekommt spontan zur Antwort:  „Gemeinschaft.“ „Zugehörigkeit.“ „Glaubensleben.“ „Offenheit nach außen.“ „Vorbildwirkung nach außen.“ Dann schlägt Maaß den Bogen zum Thema des Abends: „Jeder einzelne hat ein Bild von Kirche. Kennen Sie Ihres? Kennen Sie das Ihrer Nachbarin, Ihres Nachbarn?“

Der Maximilian-Kaller-Kreis von St. Michael in Berlin-Mitte stellt sich an diesem warmen Sommerabend im Juli dem Thema „Mein, Dein, Unser – Kirchenbild. Wie denken wir Kirche in Zukunft?“. Dazu hat er sich Christopher Maaß von der Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“ in den Gemeindesaal eingeladen. Maaß hat ein brandneues Arbeitsmaterial des Dezernats Seelsorge aus dem Erzbischöflichen Ordinariat (EBO) mitgebracht. Das Arbeitsmaterial „Kirchenbilder“ wurde in den vergangenen Monaten unter der Regie von Dezernatsleiterin Uta Raabe eigens entwickelt und steht künftig allen Interessierten auf Anfrage zur Verfügung.

Das Thema trifft ins Herz des Maximilian-Kaller-Kreises, sieht er doch seine Aufgabe darin, dem einstigen Pfarrer von St. Michael und späteren Bischof von Ermland zu gedenken und in dessem Sinne das Laienapostolat zu fördern. Kaller habe von 1917 bis 1926 als Pfarrer in Berlin die aktive Mitwirkung der Gläubigen an der Sendung der Kirche belebt, berichtet der Leiter des Kreises, Thomas Motter. Er habe auf diese Weise versucht, die Menschen in der damals 17.000 Katholiken zählenden Pfarrei besser zu erreichen. „Über seinen pastoralen Weg schrieb Kaller 1926 sogar ein Buch mit dem Titel: ,Unser Laienapostolat in St. Michael Berlin‘“, so Motter.

Infrastruktur, Figuren, Eigenschaftskarten

Auf zwei Tischen hat Maaß das neue Material ausgebreitet. Da sind zunächst einmal verschiedene Grundplatten: städtisches Straßengeflecht und ländliches Grün, eine dreischiffige Basilika und eine kleine Dorfkirche, ein größerer und ein kleinerer Zweckbau. Daneben liegen verschiedenste Figuren in unterschiedlichen Farben, einzeln oder in Gruppen, mit Kind, mit Standarte oder um Tische versammelt, stehend, sitzend oder sogar im Krankenbett liegend. Auch ein Altar und eine Schultafel sind zu finden.

Die flachen, auf Pappe aufgezogenen Figuren lassen sich aufrecht in die bereitliegenden Holzsockel klemmen. Für die zweite Rille darin finden sich runde Karten auf dem Tisch. Darauf abgebildet: Brot, Blumen und Gebetbuch, Herz, rotes Kreuz und Kelch, Autos, Kinderwagen und Rollator. Insgesamt 42 Motive. Mit diesen ID-Karten lassen sich den Figuren und Zweckbauten Eigenschaften zuordnen. Sie machen ein Gebäude zu einem Krankenhaus, eine Figur zu einem Kommunionhelfer. Den Möglichkeiten und der Fantasie der Kirchenbildner sind kaum Grenzen gesetzt.

„Als erstes baut bitte jeder sein eigenes Kirchenbild, jeder, wie er sich Kirche vorstellt. Danach tauschen Sie sich bitte darüber in Ihren Gruppen aus“, gibt Maaß den ersten Arbeitsauftrag aus. Michael Kalliske beginnt, zu legen. Er sucht sich eine gelbe Figur mit Brustkreuz und legt sie auf den Kirchengrundriss. Dann holt er sich die mintgrüne Personengruppe, zwei Erwachsene und dazwischen ein Kind. Schließlich nimmt er sich noch die Sitzgruppe, die aussieht wie eine Schulklasse mit Lehrer. „Für mich ist wichtig, dass ein Priester vor Ort ist“, erklärt Kalliske der Gruppe sein Kirchenbild, „dass es etwas für Familien gibt, dass Kreise wie wir hier aktiv sind und Arbeitseinsätze machen, dass es Glaubensunterricht in der Gemeinde gibt.“ Norbert Bittroff nimmt derweil die große Gruppe in grün und steckt zwei runde Kärtchen davor, darauf ein Rollator und ein Rollstuhl. „Die Gemeinde darf die Sorge um die Alten und Kranken nicht vergessen“, meint er.

„Wenn wir Kirche in Zukunft denken: was ist uns gemeinsam wichtig, wie soll Kirche künftig sein?“ formuliert Maaß seine zweite Frage. „Was wir brauchen ist mehr Glaubensverkündigung und Glaubensvertiefung“, beginnt Thomas Motter in seiner Gruppe die Diskussion. „Eine zentrale Rolle spielt dabei die Qualität der Sonntagsgottesdienste. Das ist die wichtigste Feier, die muss richtig gut sein.“ Am Ende steht eine rote Plexiglasflamme auf der Grundrisskarte einer Kirche, dahinter ein Altar, davor zwei runde Eigenschaftskarten, Bibel und Kelch. Um die Kirchenkarte, die auf stadtplanähnlichen Ortskarten liegt, befinden sich sitzende und stehende Figuren. „Für uns steht die Eucharistie und die Messfeier im Mittelpunkt und zwar eine, die als wirkliche Feier erfahrbar ist. Dann braucht es Glaubensverkündigung und Glaubensvermittlung, nicht nur für die Kinder, sondern für die ganze Gemeinde. Aus beidem resultiert schließlich das Apostolat, nach draußen zu gehen“, erklärt Motter das Modell.

Die gleichen Ergebnisse

Die Gruppe am anderen Tisch hat acht große Grundkarten mit städtischem Straßengeflecht ausgelegt. Darüber verteilt, ID-Karten und Figuren, den Grabstein für den Friedhof, die Tafel für den Religionsunterricht, das Krankenbett für den Besuchsdienst. Mittig liegt der Grundriss einer kleinen Kirche, im Zentrum darin das sechseckige, rote Symbolkärtchen mit der Flamme. Vorne in der Apsis stehen Pfarrer und Altar, davor zwei runde Eigenschaftskarten: Hostie und Buch. Hinten in der Kirche befindet sich ein Tisch, umringt von einer Gruppe grüner Figuren. An allen drei Ausgängen stehen Figurengruppen. Vom Hauptportal in die Stadt hinein pilgert eine Figurenprozession mit Standarte, Herzkärtchen und der Flamme des Heiligen Geistes.

„Die rote Flamme in der Mitte der Kirche, das ist Jesus Christus, den wir in der Messe spüren, das Feuer in unserer Gemeinschaft“, erklärt Brigitta Motter das Bild. „Die grünen Figuren hinten am Tisch werden befähigt, mit dem Evangelium nach draußen zu gehen.“ Kerstin Kilian beschreibt weiter: „Wir haben alle Ausgänge besetzt, um zu zeigen, wir wollen die Kirche offen halten, alle, die bei uns ankommen, willkommen heißen und selbst nach draußen gehen.“

„Interessant ist, dass beide Gruppen auf dieselben Punkte gekommen sind, im Zentrum die Gemeinschaft in der Eucharistie, von der alles ausgeht“, resümiert Ursula Eichhorst die Ergebnisse. „Einmal zu hören, was die anderen denken, wo es hingehen soll“, gefiel der rüstigen alten Dame an diesem Abend im Maximilian-Kaller-Kreis besonders. Was sie mitnimmt: „Wichtig ist, dass ein Umdenken beginnt. Und da ist es gut, bei sich selbst anzufangen.“

 

Wo gibt es das Material?

Wer das Material nutzen möchte, wendet sich an das Dezernat Seelsorge im Erzbischöflichen Ordinariat. Wird es zum ersten Mal eingesetzt, begleitet ein Teamer des Dezernats vor Ort. Angesprochen sind alle Interessierten, zum Beispiel Pastoralausschüsse, Familienkreise, Verbandsgruppen, Pfarrgemeinderäte.

Kontakt: 0 30/32 68 45 22
christopher.maaß@erzbistumberlin.de

Interview mit dem Team des Dezernats Seelsorge zum Kirchenbild-Tool