Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

„Wir brauchen Übergänge“Der Pastorale Raum Tiergarten-Wedding im dritten Jahr der Entwicklungsphase

04. September 2018 Alfred Herrmann

Bald schon gibt es eine neue Pfarrei im Erzbistum Berlin. Zum 1. Januar 2019 wird aus dem Pastoralen Raum Tiergarten-Wedding die Kirchengemeinde St. Elisabeth. Damit erreichen die ersten fünf Pfarreien, die mittels der Findungsphase zu einem Pastoralen Raum zusammenfanden, ein Ziel des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“.

Zum 1. Januar 2017 entstand zwar bereits die neue Pfarrei St. Franziskus aus dem Pastoralen Raum Reinickendorf-Nord. Allerdings entwickelte sich dieser aus einem bestehenden Pastoralverbund. Insgesamt befinden sich zurzeit drei der 34 Pastoralen Räume in der dritten Phase der Entwicklungsphase und damit auf der Zielgeraden, zehn beschäftigen sich in der zweiten mit dem Pastoralkonzept, 15 konzentrieren sich in der ersten Phase auf das Kennenlernen ihrer kirchlichen und sozialen Lebensumgebung. Charlottenburg und Charlottenburg-Wilmersdorf starten soeben in die Entwicklungsphase. Bei sechs Pastoralen Räumen steht dieser Schritt noch aus.

Genau im Zeitplan

Am 2. Oktober 2015 startete Tiergarten-Wedding mit einem feierlichen Pontifikalamt. Mittlerweile befindet er sich auf dem dritten Wegabschnitt der Entwicklungsphase. „Wir sind genau im vorgegebenen Zeitplan für die Entwicklungsphase geblieben“, zeigt sich Dominikanerpater Michael Dillmann zufrieden. Blickt der Leiter des Prozesses im Pastoralen Raum auf die Gründung der neuen Pfarrei, spricht von einem Prozess: „Der 1. Januar ist zunächst einmal nur der juristische Start. Wir werden ganz langsam beginnen, zu laufen. Wir brauchen Übergänge.“ Pater Michael betrachtet das erste Jahr der neuen Pfarrei daher auch als ein Gewöhnungsjahr.

Doch soweit vorausdenken, will er noch gar nicht. Denn das aktuelle dritte Jahr der Entwicklungsphase bringt seine eigenen Herausforderungen mit sich. Vorreiter im Prozess zu sein, mache es nicht unbedingt leichter, weiß Pater Michael. Zwischen Tiergarten-Wedding und dem Erzbischöflichen Ordinariat müsse vieles erstmalig geklärt werden, was dann für die kommenden Pastoralen Räume feststehe, meint er.

Im Mittelpunkt der Arbeit im dritten Jahr stehe, das, was im Pastoralkonzept als Rohbau formuliert worden ist, vor Ort mit Mörtel zu füllen, sprich, die Theorie in der Praxis umzusetzen. „Inhaltlich ist vieles im Pastoralkonzept festgelegt. Wie das vor Ort aussehen soll, das müssen wir jetzt konkretisieren.“

Standortschwerpunkte gestalten

Der Pastorale Raum, der sich aus fünf Pfarreien mit über 26.000 katholischen Christen in Berlin-Tiergarten, -Wedding und -Moabit gebildet hat, beschloss mit seinem Pastoralkonzept Standortschwerpunkte an den sechs vorgesehenen Gemeindekirchen. So soll zum Beispiel das Dominikanerkloster in Moabit als geistliches Zentrum dienen, St. Joseph in der belebten Müllerstraße eine „Offene Kirche mittendrin“ sein und in St. Ansgar im Tiergarten die Ökumene-Arbeit intensiviert werden.

Arbeitete der Pastoralausschuss im ersten und zweiten Jahr mit themenbezogenen Arbeitsgruppen, konzentrieren sich die Entwicklungen nun vor allem auf die Standorte. „Wir haben Ausschüsse gegründet, die vor Ort die im Pastoralkonzept festgelegten Standortschwerpunkte ausarbeiten“, so Pater Michael. Dabei gehe es um Inhalte, Räumlichkeiten, Personal und Finanzen.

Gemeinsam mit Christian Sprenger, Leiter der St. Paulus-Schule, Diakon Horst Kaya, unter anderem Jugendseelsorgerin in der Kroatischsprachigen Gemeinde, und Katrin Hofmann, Jugendvertreterin im Pastoralausschuss, gestaltet Sandra Ehm, Lehrerin und Pfarrgemeinderatsmitglied, den Schwerpunkt Kinder- und Jugendpastoral, der in St. Paulus angesiedelt wird. Die 31-Jährige rät zur Besonnenheit. „Natürlich sind sehr viele Aktivitäten denkbar, aber wir konzentrieren uns erstmal auf die Umsetzung von fünf Angeboten.“ Außerdem betont sie, dass ein raumübergreifender Standortschwerpunkt nicht das Engagement in den Gemeinden ersticken soll, sondern zusätzliche unterstützende und gemeinschaftsstiftende Angebote mache.

Ein Gesicht vor Ort

„Aktive Ministrantenarbeit gibt es in allen Gemeinden. Das soll natürlich auch so bleiben“, nennt Ehm ein Beispiel. Der Kinder- und Jugendstandort St. Paulus könne allerdings die systematische Vermittlung von Inhalten oder raumübergreifende Ausflüge und Feste verwirklichen. Ähnliches gelte für Kindergottesdienste. Neben einer zentralen Familienmesse am Sonntag sollen künftig in St. Paulus Eltern aus der gesamten neuen Pfarrei dabei unterstützt werden, Familiengottesdienste vorzubereiten. Für Jugendliche ist mit dem Altenbesuchsdienst „Crossing generations“ ein zentrales soziales Projekt vorgesehen. Außerdem soll mit der St. Paulus-Grundschule enger kooperiert werden. Und warum soll es im Dominikanerkloster, dem geistlichen Zentrum der neuen Pfarrei, nicht einen Gesprächskreis „Religiöse Erziehung“ geben. „Dank Kloster und Schule verfügen wir über ein gutes Raumangebot an diesem Standort. Auch der Finanzaufwand hält sich in Grenzen. Was wir allerdings brauchen, ist eine hauptamtliche Kraft sowie mehr Ehrenamtliche“, erklärt Ehm. 

Pater Michael richtet noch einmal den Blick auf die Zeit nach dem 1. Januar. Was das Personal betrifft, so werde jeder der sechs geplanten Gemeinden ein pastoraler Mitarbeiter zugeordnet: „Die Menschen brauchen ein Gesicht vor Ort, das sie mit Kirche und Pfarrei identifizieren.“ Für die Finanzausstattung der Standorte und die Immobilien werde der Pastoralausschuss dem künftigen Kirchenvorstand der neuen Pfarrei keine Entscheidungen, sondern eine detaillierte Empfehlung mit auf den Weg geben. Und was ist mit dem Namen der neuen Pfarrei? „Wir haben uns auf St. Paulus als Pfarrkirche festgelegt und als Namen der neuen Pfarrei St. Elisabeth vorgeschlagen.“ Erzbischof Heiner Koch habe dies bestätigt.

„Wie wir zusammen als Pfarrei ,funktionieren‘, müssen wir sehen“, resümiert Pater Michael. „Letztlich wird es um unsere Begegnungsfähigkeit sowie um unsere Fähigkeit gehen, von und mit Gott zu sprechen.“

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