Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

Brückenbauer, Initiatoren und WegbegleiterDie Arbeitsstelle „Caritas im Pastoralen Raum“ zwischen Pastoral und Caritas

Begegnung im CaT: Verantwortliche der örtlichen Caritas, das TEO-Team des BDKJ und das Team von "Caritas im Pastoralen Raum". Foto: Herrmann

Michael Haas-Busch und Bernadette Feind-Wahlicht. Foto: Herrmann

Marco Wölbling und Hanna Böllner stellen den Caritas-Schulsozialarbeitern die "Tage ethischer Orientierung" vor. Foto: Herrmann

Hanna Böllner (Mi.) und Marco Wölbling (l.) von TEO kamen durch die Vermittlung von Michael Haas-Busch (r.) nach Brandenburg an der Havel. Foto: Herrmann

Feuerball: TEO ist ein Angebot des BDKJ-Berlin für fünfte bis achte Klassen staatlicher Schulen. Foto: TEO

Im Club am Turm (CaT), dem Jugendclub der Caritas in Brandenburg an der Havel, sind die sieben Schulsozialarbeiter verortet. Foto: Herrmann

„Ein Höhepunkt ist unser Spiel: Feuerball.“ Marco Wölbling hält sein Laptop in die Runde, darauf ein Foto einer brennenden Kugel auf Kopfsteinpflaster. „Die Kinder stehen im Kreis, und wer sich traut, spielt die Kugel einem anderen zu“, erklärt der Mitarbeiter von TEO die spektakuläre, aber ungefährliche Methode. Sie führt bei den „Tagen ethischer Orientierung“ auf das Thema „Herausforderungen und Grenzen“ hin.

Wölbling und Hanna Böllner sind nach Brandenburg an der Havel gekommen, um bei Schulsozialarbeitern für TEO zu werben. Im Caritas-Jugend-Club am Trauerberg CaT stellen sie den mehrtägigen erlebnispädagogischen Workshop für fünfte bis achte Klassen staatlicher Schulen vor. In der Stadt Brandenburg arbeiten sieben Schulsozialarbeiter der Caritas an insgesamt acht staatlichen Schulen. Sie könnten das Angebot des BDKJ an den Schulen bekannt machen, so die Hoffnung von Wölbling und Böllner.

Das Treffen vermittelt haben Bernadette Feind-Wahlicht und Michael Haas-Busch und damit die neue Arbeitsstelle „Caritas im Pastoralen Raum“ der Caritas im Erzbistum Berlin. Sie ist vor etwa einem Jahr im Rahmen des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ entstanden. „TEO als Angebot des BDKJ lernte ich bei einem Seminar im Oktober kennen. Das Team suchte eine engere Bindung an Pastorale Räume“, erzählt Haas-Busch. Und Feind-Wahlicht führt weiter aus: „Nur wenige Tage später habe ich die Caritas in Brandenburg besucht. Dort bekam ich mit, welch tolle Arbeit die Schulsozialarbeiter hier leisten.“ Haas-Busch und Feind-Wahlicht zählten eins und eins zusammen und brachten die beiden katholischen Akteure an einen Tisch.

Vernetzung über etablierte Grenzen hinweg

Vernetzungsarbeit bildet eine der zentralen Aufgaben von „Caritas im Pastoralen Raum“. Haas-Busch und Feind-Wahlicht sind im Erzbistum viel unterwegs, knüpfen Kontakte und bauen Brücken zwischen Pastoralen Räumen, Einrichtungen der Caritas und anderen kirchlichen Partnern. Sie zeigen mit ihrer Arbeit, „Caritas ist Kirche und wirkt als solche in die Zivilgesellschaft hinein“, erklärt Haas-Busch, „sie ist für alle Menschen da, die in einem Viertel, einer Stadt, einer Region leben.“ Die Arbeit der Caritas richte sich an alle Menschen, egal ob sie katholisch sind oder nicht, auch in der Schulsozialarbeit. Sie bezeuge damit, wofür Kirche steht: Nächstenliebe.

Sich in dieser Weise dem sogenannten Sozialraum zu öffnen, sprich: der Lebensumgebung jenseits der Kirchentür, darin unterstützt die Arbeitsstelle „Caritas im Pastoralen Raum“ Pfarreien und Gemeinden. Sie komme gerne in die Pastoralen Räume, um bei der Erkundung des Sozialraumes zu helfen, erklärt Feind-Wahlicht. Entsprechendes Material und Werkzeug bringt sie mit. Zudem meint sie: „Wir ermutigen dazu, einmal selbst rauszugehen, sich mit einem Angebot wie „Eine Tasse mit Gott“ auf den Marktplatz oder vor den Supermarkt zu stellen, um einfach nur da zu sein und zuzuhören, wahrzunehmen, was die Menschen bewegt.“ Aus den Erkenntnissen einer solchen Aktion könnten im nächsten Schritt, begleitet durch „Caritas im Pastoralen Raum“, konkrete soziale Initiativen angestoßen werden.

Blick für den Sozialraum schärfen

Neben der Unterstützung von Pfarreien und Gemeinden nimmt sich „Caritas im Pastoralen Raum“ den Anfragen von Seiten der Caritas an. Noch immer falle es mancherorts katholischer Caritas und katholischer Pfarrgemeinde schwer, sich anzunähern, so Haas-Busch. Da störe der Pfarrei die geringe Zahl an katholischen Mitarbeitern in einer Caritaseinrichtung. Da fehle es der Caritaseinrichtung an personellen und zeitlichen Kapazitäten, um sich intensiver auf den Pastoralen Raum einzulassen. In solchen Situationen verstehen sich Haas-Busch und Feind-Wahlicht als Übersetzer und als Fortbildner, um Missverständnisse auszuräumen und beide Seiten füreinander zu sensibilisieren.

„Wir sind Initiatoren und Wegbegleiter, alles andere liegt in den Händen der Menschen vor Ort“, beschreibt Haas-Busch die Position von „Caritas im Pastoralen Raum“. So bereitet Feind-Wahlicht eine Tour durch einen Pastoralen Raum vor, um die Kirchengemeinden für die Arbeit der dort aktiven Suchthilfe zu sensibilisieren. Oder Haas-Busch stößt an, dass eine Pfarrei am Tag der offenen Tür einer Caritas-Klinik ihre Sonntagsmesse in dem Krankenhaus feiert.

Am Ende des Treffens mit Wölbling und Böllner zeigt sich Schulsozialarbeiterin Stephanie Hofmann an TEO interessiert. Inhalt und Ablauf von TEO-Outdoor, dem Angebot für fünfte und sechste Klassen, findet sie gut. Der Anfang ist gemacht. Ob aber auch Lehrer ihrer Schule davon überzeugt sein werden, müsse sich jetzt erst noch zeigen.

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