Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

„Das Pastoralkonzept ist nichts für den Bücherschrank“Hilfestellung und Begleitung auf dem Weg zum Pastoralkonzept

Markus Papenfuß von der Prozessbegleitung „Wo Glauben Raum gewinnt“ erläutert den Weg zum Pastoralkonzept. Foto: Herrmann

Sieben Pastorale Räume vollziehen in den ersten Monaten dieses Jahres den Schritt in das sogenannte dritte Jahr der Entwicklungsphase. Sie biegen damit auf die Zielgerade des Pastoralen Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ ein. Doch bevor es so weit ist, schließen sie die Arbeit an ihrem Pastoralkonzept ab. Begleitet werden sie dabei von der Prozessbegleitung „Wo Glauben Raum gewinnt“ der neuen Servicestelle „Projekte und Prozesse“ im Erzbischöflichen Ordinariat, der ehemaligen Stabsstelle „Wo Glauben Raum gewinnt“.

„Uns liegen im Moment drei fertige Pastoralkonzepte und vier Entwürfe vor“, berichtet Markus Papenfuß von der Servicestelle „Projekte und Prozesse“ und erklärt wie sich die Begleitung im zweiten Jahr der Entwicklungsphase gestaltet. So endet das erste Jahr mit einem ersten sogenannten Meilensteingespräch, in dem unter anderem der Weg zum Pastoralkonzept besprochen wird. Davor steht bereits fest, wie sich die Situation des pastoralen Personals in der künftigen Pfarrei gestaltet, sprich wie viele Priester und pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter es in der neuen Pfarrei geben wird.

„Das Pastoralkonzept wird vor Ort vom Pastoralausschuss selbständig verfasst und beschlossen“, betont Papenfuß. „Zweimal in dieser Zeit geben wir jedoch vom Erzbischöflichen Ordinariat aus eine Rückspiegelung, einmal auf einen ersten Entwurf und einmal auf das fertige Konzept am Ende des zweiten Jahres der Entwicklungsphase.“ Beide Male verfasst eine Arbeitsgruppe aus den Bereichen Personal, Seelsorge und der Servicestelle „Projekte und Prozesse“ – besetzt mit Markus Papenfuß, Ute Eberl, Christopher Maaß, Peter Kloss-Nelson, Margarete Kümpel, Michael Lohausen – die Rückmeldung.

Reicht ein Pastoralausschuss seinen ersten Entwurf an die Servicestelle „Projekte und Prozesse“ weiter, wird weder Vollständigkeit noch ein sprachlich komplett durchdachtes Papier erwartet, meint Papenfuß. „Der Entwurf ist selbstverständlich unfertig, mitten aus dem Schreibprozess. Wichtig ist allerdings, dass aus ihm hervorgeht, in welche Richtung der Pastoralausschuss das Pastoralkonzept entwickeln möchte.“ Im Pastoralkonzept solle eine Idee zu erkennen sein, was ein Pastoraler Raum möchte, wer er sein will, wo er in Zukunft hin möchte. Das Pastoralkonzept soll als Grundlage für die Pastoral und alle notwendigen Entscheidungen dienen und so verfasst sein, dass es auch für Menschen verstehbar ist, die neu in eine Pfarrei kommen oder in Gremien Verantwortung übernehmen. Vor diesem Hintergrund diskutiert die Arbeitsgruppe schließlich den Entwurf und schreibt möglichst zeitnah zurück, um den Handelnden vor Ort eine Orientierung zu geben.

Das fertige Pastoralkonzept wird im Erzbischöflichen Ordinariat umfassender besprochen. Zunächst leitet die Servicestelle „Projekte/Prozesse“ das eingereichte Papier an die verschiedensten Stellen weiter, zum Beispiel an den Generalvikar, an Finanzen, Recht, Bau, Pastoral und Personal. Die Anmerkungen und Anregungen aus diesen Bereichen werden in der oben genannten Arbeitsgruppe besprochen. Eine schriftliche Rückmeldung an den Pastoralen Raum soll es bis spätestens vier Wochen nach Eingang des Pastoralkonzeptes geben. Diese bildet die Grundlage für das zweite Meilensteingespräch, das das Ende des zweiten Jahres der Entwicklungsphase markiert. Papenfuß betont: „Weder streichen wir etwas raus noch schreiben wir etwas um, sondern wir sprechen im zweiten Meilensteingespräch mit den Verantwortlichen des Pastoralen Raumes über die einzelnen Punkte, die uns aufgefallen sind.“

Ein Pastoralkonzept muss auf Zukunft und Entwicklung ausgerichtet sein

Und was fällt in den Entwürfen oder in den fertigen Pastoralkonzepten so auf? „Es gibt tolle, neue Ideen wie zum Beispiel Gemeindeälteste im ländlichen Raum“, freut sich Papenfuß sichtlich. Die Pastoralen Räume formulierten klare Zielsetzungen und Absichten, sieht er in den Entwürfen und Konzepten viel Positives. „Manchmal haben wir sogar den Eindruck, die Räume könnten sich überfordern, weil sie sich zu viel vornehmen.“ Kritisch findet es Papenfuß dagegen, dass so mancher Pastorale Raum die Realitäten seines Sozialraums und seiner Orte kirchlichen Lebens zu wenig in den Blick nimmt. „Manche Gemeinden fokussieren sich noch zu sehr auf sich selbst, auf den Erhalt des Bisherigen, auf den inneren Zirkel der Pfarreien. Sie öffnen sich noch zu wenig.“

Ein Pastoralkonzept müsse aber auf Zukunft und Entwicklung ausgerichtet sein, ohne sich zu überfordern, weil man den Blick für das Machbare verloren habe. Dabei helfe es, Ziele nicht zu allgemein zu formulieren. „Wenn ich sage, ich will eine einladende Kirche sein, muss ich auch benennen können, was das für mein Handeln konkret heißt“, so Papenfuß. Gleichzeitig brauche es ein Bewusstsein für die eigenen Ressourcen, was tatsächlich geleistet werden kann.

Daneben gelte es beim Verfassen eines Pastoralkonzeptes zu bedenken, dass dieses nicht für die Ewigkeit geschrieben sei. Es müsse künftig immer wieder aktualisiert werden, betont Papenfuß. „Das Pastoralkonzept ist nicht für den Bücherschrank gedacht, sondern für das alltägliche Leben in der neuen Pfarrei.“ Das biete die Möglichkeit, es offener zu gestalten. Statt sich auf ewig festzulegen, könne etwas ausprobiert werden, um es nach einiger Zeit darauf zu überprüfen, ob es die richtigen Ziele waren.

Immer wieder werde er gefragt, erzählt Papenfuß, ob nicht ein fertiges Pastoralkonzept eines Pastoralen Raums veröffentlicht werden könne. Begeistert sei er von der Idee nicht. „Die fertigen Konzepte sind völlig unterschiedlich, worin sich die Vielfalt unseres Erzbistums sehr schön zeigt. Veröffentlichen wir davon eines, ist die Gefahr groß, dass dieses zu einem Ideal stilisiert wird und die notwendige Vielfalt verloren geht“, gibt er zu bedenken. „Vielleicht veröffentlichen wir daher bei Gelegenheit einmal viele verschiedene Pastoralkonzepte auf einmal.“ Eine weitere, häufig gestellte Frage betrifft den Umfang: „Im Schnitt waren die bislang hier eingegangenen Konzepte plus, minus zehn Seiten lang.“

Patrozinium soll neue Pfarrei tragen

Zwei weitere Aspekte warfen in den letzten Wochen immer wieder Fragen auf: das Patrozinium und die Bedeutung der Pfarrkirche der neuen Pfarrei. So bestimmt jede neue Pfarrei eine Pfarrkirche, an der sich die Wohnung des Pfarrers befindet sowie ein Zentralbüro angesiedelt ist, in dem unter anderem der Verwaltungsleiter seinen Sitz hat. Das bedeute jedoch nicht, stellt Papenfuß klar, dass die Pfarrkirche damit das pastorale Zentrum der neuen Pfarrei bilde, auf das alles zuzulaufen habe.

Was das Patrozinium betrifft, empfiehlt Erzbischof Koch, der Pfarrei den Namen der Pfarrkirche zu geben. Allerdings könnte auch aufgrund pastoraler Gesichtspunkte ein Patrozinium sinnvoll sein, das nicht mit der Pfarrkirche übereinstimmt, wie zum Beispiel bei den neuen Pfarreien St. Elisabeth und St. Franziskus. „Egal, wie sich die Pastoralen Räume entscheiden, es gilt immer“, unterstreicht Papenfuß: „Ein Name, der keine Rolle spielt, ist nicht sinnvoll.“ Das Patrozinium sollte etwas über die im Pastoralkonzept formulierte Zielsetzung zum Ausdruck bringen sowie eine Bedeutung für die Identität der künftigen neuen Pfarrei haben, betont Papenfuß. Wer sich den Namen Elisabeth von Thüringen oder Franziskus wähle, müsse sich auch daran messen lassen und etwas Karitatives leben. „Es nutzt nichts, wenn sich ein Pastoraler Raum, nur um niemandem weh zu tun, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner verständigt und das Patrozinium hinterher keine Ausstrahlung besitzt.“

Materialien und Hilfestellungen zu Pastoralkonzept und Entwicklungsphase