„Hol die Katze aus dem Sack“„Caritas rund um den Kirchturm“ hilft, spielerisch den neuen Pastoralen Raum zu entdecken

„Und nun?“: der Pastorale Raum Mitte als Sozialraum – wie werden Informationen und Erkenntnisse im Leben der Pfarreien aufgegriffen? Foto: Wagner-Wimmer

Susanne Wagner-Wimmer stellt das Spiel: „Hol die Katze aus dem Sack“ vor. Foto: Herrmann

Im ersten Schritt werden Kirchorte und Gemeindehäuser markiert sowie das Pastorale Personal bestimmt. Foto: Wagner-Wimmer

Im zweiten Schritt kommen sämtliche Orte kirchlichen Lebens hinzu, Einrichtungen der Caritas, Kitas, Senioreneinrichtungen und vieles mehr markiert. Foto: Wagner-Wimmer

Resultat: Wagner-Wimmer präsentiert die Sozialraumkarte des Pastoralen Raums Mitte: eine Orientierungshilfe für die weiteren Schritte in der Entwicklungsphase. Foto: Herrmann

„Das Spiel heißt: ,Hol die Katze aus dem Sack‘.“ Susanne Wagner-Wimmer kann sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, als sie den Namen nennt. Sie klappt den silbernen Metallkoffer auf und acht farbige Leinensäckchen kommen zum Vorschein. Laminierte Kärtchen verweisen auf die Inhalte: „Kindertagesstätten“, „Altenheime“, „Pfarrgebäude“, „Einrichtungen der Caritas“, „Kirchen“.

Die Mitarbeiterin der Projektstelle „Caritas rund um den Kirchturm“ stellt ein Spiel vor, das, wenn es nach Wagner-Wimmer geht, in den kommenden drei Jahren in sämtlichen Pastoralen Räumen zum Einsatz kommt. Mit dem „Hol die Katze aus dem Sack“ möchte die Projektstelle, die von Caritas und Erzbischöflichen Ordinariat gleichermaßen betrieben wird, die Sozialraumorientierung vor Ort fördern. Sie bietet mit dem Spiel eine Entdeckungstour der besonderen Art: Wo sind die karitativen Orte in der direkten Umgebung? Was gibt es neben Liturgie und Verkündigung an Diakonischem in einem Pastoralen Raum?

Das Spiel hat der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln entwickelt. Wagner-Wimmer und ihre Kolleginnen und Kollegen von „Caritas rund um den Kirchturm“ haben es für das Erzbistum Berlin angepasst. Sie stehen nun bereit und können von Pastoralen Räumen angefragt werden. „Wir kommen gerne jederzeit raus, um vor Ort das Spiel zu begleiten und zu moderieren. Wir bringen alles mit. Allerdings sollten mindestens drei Zeitstunden dafür eingeplant werden“, wartet Wagner-Wimmer auf Anfragen. Im Juni spielte sie das Spiel im Pastoralen Raum Mitte. Mit Ehrenamtlichen aus drei der vier Pfarreien holte sie einen Abend lang die Katze aus dem Sack.

Wo passiert etwas Karitatives?

„Das Spiel beginnt mit dem Binnenblick auf den eigenen Pastoralen Raum“, erklärt die Gemeindereferentin und breitet ein übergroßes Plakat auf dem Boden aus. Die Konturen des Pastoralen Raums Mitte, der am 21. Mai feierlich eröffnet wurde, sind darauf skizziert, daneben wichtige Straßen und U-Bahn-Linien. „Als erstes positionieren die Mitspielenden ihre Kirchen auf der angedeuteten Landkarte und machen einige Angaben, schreiben den Namen der Kirche auf, die Katholikenzahl, die Gottesdienstbesucherzahl.“ Wagner-Wimmer greift in einen der beigen Säcke, stellt naturbelassene Holzklötzchen auf die Kirchenstandorte und befestigt Aufkleber mit den entsprechenden Angaben auf die Klötze. Neben die einzelnen Kirchstandorte stellt sie Holzmännchen und markiert damit die Anzahl des pastoralen Personals vor Ort.

In der zweiten Spielrunde gilt es, die Gemeinderäume der Pfarreien mit roten Holzbausteinen auf der großen Karte zu platzieren und das zu benennen, was in diesen Räumen stattfindet. „Die Mitspielenden sollen verdeutlichen, was von diesem Engagement nach ihrem Verständnis als sozial-diakonisch zu bewerten ist.“ Die Runde im Pastoralen Raum Mitte trug mehr als zwölf karitativ-soziale Orte zusammen: „Obdachlosenübernachtung“, „Flüchtlingsbegegnungsabende“, „Suppenküche“, „Begegnung für Gehörlose“, „Seniorengruppe“, „Predigtnachgespräch mit Bedürftigen“ sind markiert. Daneben steht, wie viele Ehrenamtliche sich jeweils an diesen Orten einbringen. Mit gelben Steinen werden schließlich katholische Kitas, mit blauen Steinen katholische Senioreneinrichtungen auf der großen Karte platziert und mit grünen Steinen sämtliche weitere Orte kirchlichen Lebens. „Dabei wollen wir keine Engführung auf Einrichtungen der Caritas, sondern die Sensibilität für sämtliche Orte kirchlichen Lebens fördern wie staatliche Schulen, an denen katholische Religion unterrichtet wird, oder Krankenhäuser der Ordensgemeinschaften.“ Am Ende der zweiten Runde zeigt sich die katholische Landschaft in einem abgegrenzten Sozialraumes – für die meisten Mitspielenden eine echte Überraschung.

„In der dritten Spielrunde weiten wir den Blick über die katholischen Einrichtungen hinaus.“ Dazu holt Wagner-Wimmer einen kleinen Stoß laminierter Aktionskarten aus dem Koffer. Die erste Karte verlangt, zentrale Verkehrsadern zu markieren, die zweite, naturgegebene Grenzlinien wie Flüsse, Bahntrassen, Parkanlagen zu kennzeichnen, die dritte, markante Orte öffentlichen Lebens wie Rathäuser oder Einkaufszentren einzutragen. Eine Karte fragt nach Orten der Ökumene, nach anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen, zu denen Kontakte gepflegt werden, eine weitere Karte nach interreligiösen Orten, Moscheen und Synagogen. Es wird nach Wohnmilieus gefragt, nach Hochhausvierteln und Eigenheimsiedlungen, danach, wo die Armen und wo die Reichen leben, wo eine homogene Bevölkerung anzutreffen ist und wo sie durchmischt ist, wo es soziale Brennpunkte gibt und wo gutbürgerliche Ruhe herrscht. Seniorenheime, soziale Einrichtungen nichtkirchlicher Träger werden abgefragt, ebenso die kirchliche Beteiligung an Kiezrunden, Bürgerplattformen und Quartiersmanagement.

Ein neues Bewusstsein wächst

Die vierte Runde ist überschrieben mit: „Und nun?“ Die zusammengetragenen Fakten sollen resümiert, über das karitative Handeln im Pastoralen Raum nachgedacht und neue Möglichkeiten gehoben werden. Die Fragen lauten: „Was ist Ihnen heute Abend bewusst geworden?“ „Welche karitativen Herausforderungen berühren Sie?“ „Was machen Sie aus dieser Erkenntnis?“ „Welche Ressourcen hat der Pastorale Raum?“ „Wo liegen Schwierigkeiten?“ „Was braucht es an Unterstützung, um weiterzugehen?“

Dass mit einem Spielenachmittag oder -abend schon endgültige Erkenntnisse gefasst werden, diesen Gedanken wehrt Wagner-Wimmer ab. Das Spielen könne vielmehr das Verständnis für den Sozialraum fördern, den Blick der Gemeindekirche weiten, eine neue Sensibilität für karitatives Engagement im Nahraum entstehen lassen. Es gelte mit dem Spiel, das zu heben und wertzuschätzen, was schon da ist und einen Blick zu ermöglichen auf das, was bislang in dieser Weise nicht im Blick war oder nicht „bearbeitet“ wurde. „Das Spiel zielt nicht auf Vollständigkeit ab. Vielmehr geht es darum: was nehmen die Mitspielenden von ihrem Sozialraum wahr? Wie ergänzen sie sich und wie informieren sich gegenseitig? Durch das Miteinander der Mitspielenden, durch ihre Interaktion wollen wir ein Bewusstsein schaffen, für das, was schon da ist. Dies zu heben und zu benennen, bleibt das Ziel des Spiels.“

Weitere Informationen und Terminvereinbarungen bei Daniela Bethge (Telefon: 0 30/6 66 33 12 71; E-Mail: d.bethge(ät)caritas-berlin.de) und Benedikt Zimmermann (Telefon: 01 73/2 00 81 37; E-Mail: b.zimmermann(ät)caritas-berlin.de).