Wo Glauben vor Ort Raum gewinnt

Kein AprilscherzKatholische Kirche im Pastoralen Raum Potsdam-Mittelmark

Foto:Walter Wetzler

„Lieber Herr Erzbischof, eigentlich wollten Sie heute das Bistum Potsdam gründen, aber das hätte Ihnen am 1. April ohnehin keiner geglaubt.“ Propst Dr. Arnd Franke, ab sofort leitender Pfarrer für die Entwicklungsphase im Pastoralen Raum Potsdam-Mittelmark spielt mit dem verpassten Aprilscherz darauf an, dass Potsdam doch in gewisser Weise ein wenig anders ist.

Die zweitgrößte Stadt im Erzbistum Berlin ist die Landeshauptstadt von Brandenburg, durch Zuzüge wächst der Pastorale Raum weiterhin an, Universität, Filmstadt Babelsberg und Forschungseinrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung prägen Potsdam in besonderer Weise. Potsdam, Babelsberg aber auch Orte wie Werder weiterhin wachsende Touristen-Attraktionen. Caritative und Ordens-Einrichtungen und die Marienschule sind weitere Landmarken, die den Raum prägen.
Und so wachsen gleichermaßen die Herausforderungen und Chancen für die Katholiken, im neuen Pastoralen Raum als Kirche erkennbar zu sein.

Im Gespräch mit den Gremien zeigte sich, dass Potsdam-Mittelmark doch ein „Bistum im Kleinen“ ist mit den Unterschieden zwischen Stadt und Land, mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und verschiedenen gesellschaftlichen Milieus.

Auch die Frage des Ehrenamts stellt sich in beiden Richtungen: berichtet wurde über beeindruckende und lebendige Initiativen rund um die Kirchengebäude, um das St. Josefs-Krankenhaus, etc., aber auch von Überlastungen, die übernommenen Aufgaben weiter auszufüllen. Diese Spannung zeige sich beispielsweise auch zwischen der Bereitschaft der Stadt Potsdam auf die Kirchen zuzugehen und der Not, beispielsweise eine Vertreterin der Kirche für den Seniorenbeirat zu finden. „Wir möchten gern als Kirche präsenter sein, kommen aber immer wieder an unsere Grenzen“. Dem geäußerten Wunsch, insbesondere Propst Franke in seiner Arbeit personell zu unterstützen - er vertritt ja das Erzbistum Berlin auch gegenüber dem Land Brandenburg - wollte Erzbischof Koch nicht entsprechen. „Wir sind gehalten mit Blick auf die zu erwartende Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen keine weiteren Stellen zu schaffen“.

Seinen ersten Arbeitstag nutzte der neue Leiter des Katholischen Büros Berlin-Brandenburg, Gregor Engelbreth, um sich in Potsdam vorzustellen. Die Verbindungsstelle der Bistümer Magdeburg und Görlitz und des Erzbistums Berlin zu den Landesregierungen in Berlin und Potsdam engagiert sich traditionell auch in Potsdam, Engelbreth sicherte eine enge Zusammenarbeit zu.

Für die öffentliche Sichtbarkeit von Kirche spielen die Mägde Mariens und die Arenberger Dominikanerinnnen eine Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass sie als „Religionsträgerinnen“ angesprochen werden. Weit über den eigenen Kirchturm hinaus wirkt der Martinsumzug in Babelsberg, das als Fest für den ganzen Kiez gefeiert wird, „die anderen Kitas fragen uns, ob sie kommen dürfen“, ähnliches gilt für Krippenspiele oder ein ökumenisches Fußballfest.

Erzbischof Koch zeigte sich erkennbar beeindruckt von den vielen Aktivitäten, bat aber auch darum, das wichtige Engagement der Religionslehrkräfte nicht zu übersehen und betont die große Zahl von Hauptamtlichen in Krankenhaus, Schule und Caritas-Einrichtungen.

Rund 30 Orte kirchlichen Lebens rief Prälat Dr. Stefan Dybowski am Ende des Gottesdienstes zum Start des Pastoralen Raums auf und überreichte ihnen eine Kerze als Zeichen der Verbundenheit innerhalb des einen Pastoralen Raums.